Deutschland

Die Rückkehr von Merkels altem Rivalen: Friedrich Merz will CDU-Chef werden

Friedrich Merz, Kandidat für die CDU-Spitze

«Wir brauchen in der Union Aufbruch und Erneuerung mit erfahrenen und mit jüngeren Führungspersönlichkeiten.»

Friedrich Merz, Kandidat für die CDU-Spitze

Deutschland Merkels alter Gegenspieler Friedrich Merz will CDU-Chef werden. Ihre Kanzlerschaft dürfte mit Friedrich Merz an der Parteispitze auf die Probe gestellt werden.

Kaum hatte Noch-CDU-Chefin und Kanzlerin Angela Merkel am Montag ihren Rücktritt nach 18 Jahren von der Parteispitze erläutert, geisterte der Name Friedrich Merz als möglicher neuer CDU-Chef durch die Medien. Gestern nun gab Merz seine offizielle Kandidatur beim Bundesparteitag der Christdemokraten Anfang Dezember in Hamburg bekannt. «Wir brauchen in der Union Aufbruch und Erneuerung mit erfahrenen und mit jüngeren Führungspersönlichkeiten», teilte der 62-jährige Jurist mit. «Ich bin bereit, dafür Verantwortung zu übernehmen.»

«Signal gegen Erosion hin zur AfD»

Merz war mal Wegbegleiter Merkels, später wurden die beiden zu Rivalen. Anfang der 2000er-Jahre entschied die Physikerin einen parteiinternen Machtkampf gegen Merz für sich, der talentierte Finanzpolitiker zog sich in den folgenden Jahren immer stärker zurück und trat 2009 sogar aus dem Bundestag zurück. Der verloren gegangene Machtkampf mit Merkel kränke Merz bis heute, heisst es. Nach seiner politischen Laufbahn konzentrierte sich Merz auf Tätigkeiten in der Wirtschaft, 2016 wechselte er zum internationalen Vermögensverwalter Blackrock.

Merz vermied es, die CDU unter Angela Merkel allzu stark zu kritisieren, liess indes keine Zweifel daran, dass er mit dem Kurs der Liberalisierung der CDU unter Merkel fremdelt und die Flüchtlingspolitik des Jahres 2015 für einen Fehler hält. Die Ankündigung seiner Kandidatur löste nicht nur in konservativen Parteikreisen geradezu Wellen der Begeisterung aus. «Als Parteichef wird Friedrich Merz den CDU-Mitgliedern und CDU-Anhängern den verlorenen Stolz zurückgeben», meinte etwa der CDU-Bundestagsabgeordnete Christian von Stetten.

Auf die Rückkehr von Friedrich Merz haben offenbar viele Parteimitglieder der etwas älteren Generation sehnlichst gewartet. Die Kandidatur des Sauerländers durchkreuzt wohl nun etwas die Pläne des amtierenden Gesundheitsministers Jens Spahn. Der 38-Jährige ist Hoffnungsträger des konservativen Flügels und vor allem bei der jungen Garde der Union äusserst beliebt. Er hat sich parteiintern immer wieder – etwa in der Flüchtlingspolitik – dem Kurs der CDU-Chefin entgegengestellt.

Merz ist vor fast zehn Jahren aus der Politik ausgestiegen, er steht nicht für die umstrittene Euro-Rettungspolitik, nicht für die Migrationspolitik der Bundesregierung und auch nicht dafür, konservative Werte über Bord geworfen zu haben. Merz verkörpert ein Stück weit jene alte CDU, die viele Konservative nach all den Merkel-Jahren so sehr vermissen, die es allerdings nicht mehr gibt und auch nicht mehr geben wird. Indes wirkt die Kandidatur von Merz ein wenig so, als wolle hier ein einst von Merkel aus dem Weg geräumter CDU-Hoffnungsträger Rache üben. In Merz’ Kandidatur liegt also auch die Gefahr der weiteren Spaltung der Partei.

Kanzlerbonus für den Nachfolger

Merkel, die bis Ende der Legislatur 2021 weiterregieren möchte, muss darauf setzen, dass beim Parteitag Anfang Dezember die amtierende Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer oder der ihr ebenfalls wohlgesinnte nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet – sollte er denn für den Parteivorsitz kandidieren – an die Spitze der Christdemokraten gewählt wird. Jens Spahn oder Friedrich Merz könnten das konservative Profil der Christdemokraten derart stärken, dass Merkels Machtbasis in der Partei zusammenbricht. Unter diesen Umständen wäre es eine Überraschung, könnte Merkel noch weitere Jahre weiterregieren. Zu bedenken ist, dass der künftige CDU-Chef oder die neue Chefin mit der Ambition ausgestattet ist, das Land nach der Ära Merkel zu regieren. Die CDU wird versuchen, Merkels Nachfolger an der Parteispitze mit dem Kanzlerbonus in die nächste Wahl zu schicken. Das heisst, dass die amtierende Kanzlerin vor 2021 weichen müsste.

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