Wochenlang hatte die SPD-Spitze und mit ihr auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel vor der Entscheidung der SPD-Basis gezittert. Am Wochenende war dann das kollektive Aufatmen gross. Denn die Mitglieder bekannten sich klar zur Grossen Koalition, die Zustimmung lag bei 76 Prozent. «So politisch engagiert habe ich meine Partei in 36 Jahren Mitgliedschaft noch nicht erlebt. Wir leben Basisdemokratie. Ich war lange nicht mehr so stolz, Sozialdemokrat zu sein», sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel.

Am Sonntag präsentierten die Parteien dann ihr Personaltableau. Die grösste Überraschung im neuen Kabinett ist die Besetzung des Verteidigungsministeriums: Erstmals wird die Bundeswehr von einer Frau –Ursula von der Leyen (55) – geführt. Der jetzige Oberbefehlshaber des Heeres, Thomas de Maizière (57), geht ins Innenressort zurück. Merkel erklärte am Sonntag, auf von der Leyen warte eine «spannende und durchaus fordernde Aufgabe».

Ronald Pofolla hört auf

Merkel behält eine Stütze an ihrer Seite: Wolfgang Schäuble (CDU). Der 71-Jährige bleibt Finanzminister. Im engsten Umfeld hat Merkel allerdings einen Verlust zu verkraften: Ihr Kanzleramtschef und Vertrauter, Ronald Pofalla, wollte nicht mehr weitermachen, offenbar plant er den Wechsel in die Privatwirtschaft. Als Ersatz springt der bisherige Umweltminister Peter Altmaier ein, auch er ist ein loyaler Untergebener von Merkel.

Wie erwartet, geht SPD-Parteichef Sigmar Gabriel (54) nicht nur als Vizekanzler, sondern auch als Superminister für Wirtschaft und Energie in das neue schwarz-rote Kabinett. Er ist damit für die Energiewende zuständig – eines der ambitioniertesten Vorhaben der neuen Regierung. Seine Vorstellung skizzierte Gabriel so: «Die Energiewende muss bezahlbar bleiben und die Versorgungssicherheit gewährleistet sein.»

Zweiter starker SPD-Mann in der Grossen Koalition wird der bisherige Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier (57). Er übernimmt wieder das Auswärtige Amt. Schon in der ersten Grossen Koalition unter Führung von Angela Merkel (2005 bis 2009) war er Aussenminister gewesen.

Wunschressort für die SPD

Mit dem Arbeitsministerium erhält die SPD ein weiteres schwergewichtiges Wunschressort. Leiten wird es die bisherige Generalsekretärin Andrea Nahles (43). Aufrücken wird eine noch jüngere Frau: Die Arbeitsministerin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD/39) übernimmt das Familienressort.

Aufgewertet wird das Justizressort, das der bisherige saarländische Wirtschaftsminister Heiko Maas (SPD/47) erhält. Er bekommt den Verbraucherschutz hinzu. Das Umweltministerium geht an SPD-Schatzmeisterin Barbara Hendricks (61). Sie kommt zum Zug, weil sie aus dem mächtigen SPD-Landesverband Nordrhein-Westfalen stammt und eine enge Vertraute der dortigen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ist. Mit Aydan Özoguz, die Staatsministerin für Integration wird, nimmt erstmals eine Frau mit türkischen Wurzeln am deutschen Kabinettstisch Platz.

Johanna Wanka (CDU/62) bleibt Wissenschaftsministerin. Um die Gesundheit kümmert sich der bisherige CDU-General Hermann Gröhe (52). Sein CSU-Kollege Alexander Dobrindt (43) wird Verkehrsminister. Er ist künftig für Netzpolitik zuständig. Das Agrarressort übernimmt der bisherige Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU/56).