Nach den Nachwahlbefragungen zeichnet sich bei der Parlamentswahl in Kroatien ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem linken und liberalen und dem konservativ-nationalen Lager ab.

Das rechtsnationale «Patriotische Bündnis» rund um die «Kroatische Demokratische Gemeinschaft» (HDZ) unter Tomislav Karamarko lag danach mit 57 Sitzen um einen Sitz vor der sozialdemokratisch dominierten Listenverbindung «Kroatien wächst» unter Regierungschef Zoran Milanovic mit 56.

Überraschend gut schnitt mit 18 Sitzen demnach das Bündnis «Most» (Brücke) mit Bozo Petrov an der Spitze ab. Das Bündnis, ein Zusammenschluss von Graswurzel-Initiativen vor allem im südlichen Dalmatien, hat keine Koalitionspräferenz zu erkennen gegeben.

Es steht ideologisch eher der Rechten nahe, hat sich aber bei Kommunalwahlen bisher vor allem an der konservativen HDZ gerieben.

Konservative kehrten zurück
Bei der letzten Parlamentswahl 2011 hatten die Sozialdemokraten und mit ihr verbündete linke und liberale Parteien in einer Listenverbindung mit Milanovic an der Spitze mit 40 Prozent der Stimmen eine absolute Mehrheit der Sitze geholt.

Die HDZ war 2011 nach zahlreichen Korruptionsaffären in der Wählergunst um 13 Prozentpunkte stark eingebrochen und hatte mit 23,8 Prozent das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte eingefahren.

Im Jahr nach der Wahl hatte der frühere Innenminister und Geheimdienstchef Karamarko die gescheiterte Regierungschefin Jadranka Kosor im Vorsitz der HDZ abgelöst und die Partei nach rechts geführt.

Bei der Präsidentenwahl im Januar setzte sich die Kandidatin der HDZ, Kolinda Grabar Kitarovic, knapp und überraschend gegen den von den Sozialdemokraten unterstützen Amtsinhaber durch.

Drei Sitze für Auslandkroaten
Von den 151 Sitzen im Sabor, dem Parlament, werden 140 in zehn annähernd gleich grossen Wahlkreisen gewählt, die jeder zehn Abgeordnete nach Zagreb schicken. Weitere acht Abgeordnete werden von den nationalen Minderheiten bestimmt, deren grösste mit etwa vier Prozent der Bevölkerung die Serben darstellen.

Drei Sitze schliesslich stehen den im Ausland lebenden Kroaten zu – eine lange Zeit umstrittene Neuerung im Wahlrecht, die den Einfluss der Auslandskroaten, besonders der im Nachbarland Bosnien-Herzegowina lebenden, stark einschränkte.

Keine Frauenquote auf den Listen
Zum ersten Mal konnten die 3,8 Millionen wahlberechtigten Kroaten auch sogenannte Vorzugsstimmen abgeben und auf der Liste, die sie gewählt haben, ihre Lieblingskandidaten ankreuzen. Ein Vorstoss, für die Wahllisten auch eine verbindliche Frauenquote einzuführen, war am Verfassungsgericht gescheitert.