USA

Die Nachahmer von Whistleblower Birkenfeld stehen Schlange

Hat eine Welle ausgelöst: Bradley Birkenfeld

Hat eine Welle ausgelöst: Bradley Birkenfeld

Die Strategie der amerikanischen Steuerverwaltung scheint aufzugehen: Seit bekannt wurde, dass der Ex-UBS-Angestellte Bradley Birkenfeld für seine Informanten-Tätigkeit 104 Millionen Dollar erhält, melden sich immer mehr mögliche Informanten.

Angesichts der monetären Entschädigung, die am Ende eines langen Prozesses auf sie warten könnte, wollen Whistleblower nun reinen Tisch machen – und über komplexe Steuerhinterziehungsvehikel auspacken.

Dean Zerbe, einer der Anwälte Birkenfelds in der Kanzlei Zerbe, Fingeret, Frank & Jadav in Washington, sagte jüngst der Nachrichtenagentur Reuters, dass er in den vergangenen Wochen mindestens 15 Anfragen von potenziellen Whistleblowern erhalten habe. Natürlich beruhten einige dieser Fälle auf reinen Spekulationen.

Die Qualität der Daten steigt

Aber verglichen mit früheren Anfragen stelle er grundsätzlich eine «wesentliche» Veränderung fest: «Bessere Informationen und bessere Dokumentationen», sagte Zerbe. Berufskollegen des umtriebigen Anwalts – der auch in der Lobbyorganisation «National Whistleblowers Center» eine führende Rolle spielt – haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Die Millionen-Belohnung an Birkenfeld, der 2007 die Grossbank UBS den amerikanischen Justizbehörden überführt hatte, stelle «einen Wendepunkt» für die Anerkennung von Whistleblowern dar, sagte Jordan Thomas, der einst für die Börsenaufsicht SEC gearbeitet hatte. Thomas registriert ebenfalls eine Zunahme von Anfragen.

Details allerdings wollen beide Anwälte nicht nennen. Auch bei der Steuerverwaltung IRS (Internal Revenue Service) sind keine Auskünfte über hängige Entschädigungszahlungen an potenzielle Whistleblower erhältlich. Klar ist bloss, dass die Informanten vor einem hürdenreichen Weg stehen. Das Beispiel Birkenfeld zeigt, dass Whistleblower auch in den USA nicht mit Samthandschuhen angefasst werden und einen langen Atem benötigen: Der UBS-Banker wurde für seine Rolle im UBS-Steuerskandal zu 40 Monaten Gefängnis verurteilt. Nach seiner kürzlich erfolgten Freilassung lebt er nun im Bundesstaat New Hampshire, wo er quasi unter Hausarrest steht.

Die hohe Summe für Birkenfeld darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die IRS bei der Auszahlung von Belohnungen an Informanten bisher eher knauserig war: Im vorigen Jahr wurden zwei Whistleblower finanziell entschädigt, während es dieses Jahr höchstens fünf sein sollen, Birkenfeld mit eingeschlossen. Dies hängt auch mit den hohen Hürden des Whitleblower-Programms zusammen: Informanten müssen «solide Informationen» vorweisen, die zur Aufdeckung von massiver Steuerhinterziehung führen, wie es auf der IRS-Internetseite heisst.

Zwei Millionen Dollar für Insider

Nicht alle Fälle sind allerdings derart spektakulär wie der von Bradley Birkenfeld, der auch der «Totengräber» des Schweizer Bankgeheimnisses genannt wird. So überwies der IRS im Oktober einem Informanten zwei Millionen Dollar, weil der «Wall-Street-Insider» den Maschinenbauer Illinois Tool Works angeschwärzt hatte. Das Unternehmen soll in den Neunzigerjahren mit komplexen Gegengeschäften Millionen von Dollar am Fiskus vorbeigeschleust haben. Angeblich griff das Grossunternehmen dabei auch auf die Hilfe einer ungenannten Schweizer Bank zurück.

Angesichts solcher Erfolgsmeldungen wächst der Druck auf die IRS, das Interesse am Whistleblower-Programm wachzuhalten. Steven Miller, der designierte neue IRS-Chef – der ab 9.November den abtretenden Douglas Shulman ersetzen wird –, weiss dies: Er zeichnet derzeit für das Informanten-Programm verantwortlich. Miller gesteht auch offen ein, dass der IRS Whistleblower-Informationen schneller auswerten könnte. «Wir sind noch nicht dort, wo wir gerne sein möchten.»

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