Die jungen Bosse der Cosa Nostra haben klingende Mafia-Nachnamen: Verhaftet wurde am Dienstag der 28-jährige Leandro Greco, Enkel des prominenten Paten Michele Greco. Der inzwischen verstorbene Grossvater des Verhafteten galt als der Kassier der sizilianischen Mafia und war unter dem Spitznamen «der Papst» bekannt gewesen.

Bei der gestrigen Razzia ins Netz gegangen ist auch der 47-jährige Calogero Lo Piccolo, Sohn eines zu lebenslänglicher Haft verurteilten Paten, der mit Erpressungen reich geworden war. Neben Greco und Lo Piccolo wurden vier weitere Mafiosi sowie zwei Unternehmer verhaftet, die mit den Paten verbandelt gewesen sein sollen.

Greco und Lo Piccolo gehören der neuen Generation der Cosa Nostra an; laut Anti-Mafia-Oberstaatsanwalt Federico Cafiero de Raho haben sie nach dem Tod des früheren Superpaten Toto Riina im November 2017 zusammen mit anderen Mafia-Familien aus Palermo versucht, eine neue «Mafia-Kommission» ins Leben zu rufen.

Die «Commissione» oder «Cupola» ist das oberste Entscheidungsorgan der sizilianischen Mafia, in welchem sich die Bosse der einzelnen Familien zusammensetzen, um ihre kriminellen Geschäftsfelder abzustecken. Damit soll erreicht werden, dass sich die Clans so wenig wie möglich ins Gehege kommen. Die «Commissione» ist auch die Wächterin über den «Ehrenkodex» der Cosa Nostra.

Tatsächlich hatte laut Staatsanwalt De Raho am 29. Mai des vergangenen Jahres die Gründungsversammlung für eine «Cupola 2.0» stattgefunden – die erste seit 1993, als der «Boss der Bosse» Riina verhaftet worden war. Bis zu dessen Tod durfte laut dem Mafia-Kodex keine neue «Commissione» gegründet werden.

Bei dem Gipfeltreffen der «neuen» Cosa Nostra wurde der 80-jährige Juwelier Settimo Mineo altershalber zum neuen Oberpaten gewählt. Mineo ist ein alter Bekannter der Anti-Mafia-Ermittler. Bei dem als historisch geltenden Treffen im Mai wurden die alten Mafia-Regeln bestätigt und die Einflusszonen neu aufgeteilt.

«Cupola» erstmal zerschlagen

Es ging freilich nicht lange, bis die Anti-Mafia-Behörden der «Cosa Nostra 2.0» einen entscheidenden ersten Schlag versetzen konnten: Im vergangenen Dezember wurden bei einer Grossrazzia gleich 46 Bosse verhaftet, darunter der neue Oberpate Settimo Mineo. Den Ermittlern kam zugute, dass die jungen Bosse bei weitem nicht das gleiche Kaliber aufwiesen wie die alte Generation um die «Bestie» Riina: Einer der neuen Cosa-Nostra-Chefs hatte nicht gemerkt, dass die Polizei sein Auto verwanzt hatte, und plauderte gegenüber seinem Chauffeur die ganzen Namen und Geheimnisse der ersten Sitzung der «Commissione» aus. So etwas wäre einem Riina niemals passiert.

Nach der Razzia im Dezember haben zwei der Verhafteten im Gefängnis nach kurzer Zeit zu «singen» begonnen: Auch das schnelle Einknicken vor der Staatsgewalt belegt die fundamentalen Unterschiede zwischen der alten Garde und der neuen Generation: Riina hatte in 25 Jahren Isolationshaft nie mit der Polizei zusammengearbeitet. Dank der beiden neuen «Pentiti» sind die Verhaftungen von gestern möglich geworden.

Die «Cupola 2.0» ist damit erst einmal zerschlagen – die Ermittlungen haben aber aufgezeigt, dass die Cosa Nostra ihre Tentakel weiterhin in Teile der Wirtschaft und der Politik ausstreckt. Sie bereichert sich bei öffentlichen Bauaufträgen, bei der Müllentsorgung und mit illegalen Online-Wetten. Im Drogenhandel haben sich die sizilianischen Clans mit der kalabrischen ’Ndrangheta verbündet, der heute mächtigsten und gefährlichsten Mafia-Organisation Italiens.