Man liest: Zwischen Griechenland und der EU findet eine Poker-Partie statt.

Poker ist ein Spiel, das mit Karten gespielt wird. Man kann aber auch mit einem schlechten Blatt gewinnen, wenn man es schafft, dem Gegner den Eindruck zu vermitteln, er würde so oder so verlieren. Gute Spieler gewinnen, auch wenn sie verlieren würden, wenn das Blatt aufgedeckt würde.

Die Griechen haben sehr schlechte Karten. Das wissen alle am Tisch.

Sie können nur noch mit dem Gesamtschaden argumentieren. Der wäre grösser für alle, wenn man sie fallen liesse.

Ob alle Leute im Norden (alle Deutschen?) das wissen, ist nicht sicher. Vielleicht wissen sie es, wollen aber etwas anderes.

Im Poker hocken zwei oder mehr Spieler am Tisch. Sie spielen um ihr eigenes Geld. Hier sitzen Regierungen am Tisch. Sie spielen ums Prestige – bei ihren eigenen Wählern.

(Wir lassen jetzt alles weg, was nicht zum Spiel gehört. Dinge wie: Gibt’s hier überhaupt etwas zu gewinnen? Ist es nicht besser, allem ein Ende zu machen: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende? Ist der Euro es wert, dass man ihn erhält? Wären die Deutschen besser dran ohne Euro? Usw. Einfach alle die „einfachen Lösungen“, die nicht funktionieren oder unabsehbare Folgen haben, die man nicht riskieren sollte.)

Die gegenwärtige griechische Regierung hat die Wahlen gewonnen, weil sie ihren Wählern versprochen hat, mit dem Austeritätswahnsinn, den ihnen die EU-Troika verordnet hat, aufzuhören. Dieses Programm ist gescheitert. Es hat Griechenland in eine Depression geschickt.

Die deutsche Regierung (sie gibt hier den Ton an) hat Wähler, denen man vor Jahren schon gepredigt hat: Gürtel enger schnallen. Verzichten. Weniger Lohn, damit der Export floriert. Dann geht’s euch besser. Dieses  Sparprogramm und der schwache Euro haben Deutschland wirtschaftlich wieder aufgeholfen. Diese Wähler (oder ein grosser Teil) finden es jetzt völlig daneben, dass den Griechen das erspart werden soll. Damit werden moralische mit ökonomischen Argumenten vermischt und politische völlig ausgeblendet. 

Was wollen die griechischen Wähler nicht mehr sehen? Keine Troika mehr, keine sichtbare Gängelung der heimischen Politik. Sie sind durchaus nicht gegen Reformen, die meisten Leute haben auch nichts dagegen, wenn die reichen Multis mehr oder überhaupt Steuern bezahlen. Oder dass gegen Korruption und Vetternwirtschaft vorgegangen wird. Deshalb haben sie die alten Parteien abgewählt. Nicht weil sie ein Lotterleben führen wollen.

Was wollen die deutschen Wähler nicht sehen? Kein Schuldenschnitt, man soll nicht einfach Schulden durch Drohungen aus der Welt schaffen können. Ob sie wirklich das griechische Volk im Elend sehen wollen? Wollen sie, dass Strafe exekutiert wird?

Was wäre also eine Lösung? Das Ergebnis muss so aussehen, dass die jeweiligen Wähler das nicht sehen müssen, was sie nicht sehen wollen. Die Griechen sollen versprechen, dass sie am Zahlen ihrer Schulden arbeiten. Mehr kann man nicht verlangen. Oder glaubt jemand, dass diese Schulden (oder die der USA oder ….?) überhaupt je abgetragen werden können? Brauchen sie auch nicht. Aber man kann vernünftigerweise nur sparen, wenn man Einkommen hat. (Die NZZ hat da ein merkwürdiges Argument gebracht.

Die Depression verhindert das. Die Deutschen sollen sich darauf besinnen, dass „grosse Wirtschaft“ andere Regeln hat als die kleine private. Die „grosse Wirtschaft“  ist irgendwann mal ein Nullsummenspiel, das man nur einfach am Laufen halten muss. Hat fast nichts damit zu tun, was der Einzelne dabei moralisch ok findet und was nicht. Bei Schulden gibt es ja zum Beispiel auch Gläubiger … Und man kann auch noch erwähnen, dass der grosse Teil der „Hilfsprogramme“ in den Anfangszeiten der Branche an die Banken ging …