Parteitag der US-Republikaner

Die Frau, die von Trump respektiert wird: Welche Rolle spielt Ivanka an der Seite ihres Vaters?

«Mein Vater hat Frauen sein ganzes Leben lang unterstützt – auch mich»: Ivanka Trump.

«Mein Vater hat Frauen sein ganzes Leben lang unterstützt – auch mich»: Ivanka Trump.

Am Parteitag der Republikaner wird Ivanka Trump heute Donnerstag unmittelbar vor ihrem Vater sprechen. Das ist kein Zufall

In diesem Frühjahr entschieden sich Ivanka Trump und Chelsea Clinton, ihre Freundschaft auf Eis zu legen. Richtig gelesen: Trump, älteste Tochter von Donald Trump, und Clinton, einziges Kind von Bill und Hillary Clinton, waren Freundinnen.

Zwar seien Ivanka (34) und Chelsea (36) zwei höchst unterschiedliche Menschen, sagten Klatschreporter; die Töchter berühmter Männer hätten sich aber gut verstanden. Auch weil es selbst in New York City nur wenige Menschen gibt, die unter ähnlichen Umständen aufgewachsen sind.

Dann kam der Wahlkampf 2016, die Attacken von Vater Trump und Mutter Clinton, und der zunehmend gehässige, sexistische Tonfall im Kampf ums Weisse Haus. Und die Freundschaft der beiden jungen Mütter – Ivanka hat drei kleine Kinder, Chelsea zwei – zerbrach.

Die zwei seien sich aber nicht gram, hiess es kürzlich in der Regenbogenpresse. Obwohl das Trump-Lager kein gutes Wort an Hillary Clinton lässt (und umgekehrt), und obwohl Ivanka als einflussreichste Beraterin ihres Vaters gilt, mache Chelsea sie nicht für den ruppigen Umgangston verantwortlich.

Diese Episode zeigt, wie talentiert Ivanka Marie Trump ist – und welch wichtige Rolle sie an der Seite ihres Vaters spielt. Wechselweise wird sie als Stütze des Präsidentschaftskandidaten beschrieben, als «guter Geist» oder als Ersatz-Gattin im Wahlkampf. Anders als Melania Trump scheut Ivanka nicht vor öffentlichen Auftritten zurück.

Trump sei kein Chauvinist

«Ich glaube, ihr Vater hört ihr wirklich zu», sagte der Multimilliardär Carl Icahn kürzlich der «New York Times», «und wenn ich sage, er hört ihr zu, dann meine ich, dass ihr Vater sie wirklich respektiert.» Im Gegenzug ist Ivanka Trump loyal. Sie verteidigt ihren Vater gegen jegliche Kritik, zumindest in der Öffentlichkeit.

So weist sie regelmässig den Vorwurf zurück, ihr Vater sei ein Chauvinist. Dieser Eindruck täusche, sagte Ivanka diese Woche dem Fernsehsender «ABC». Und weiter: Wichtig seien Taten statt Worte. Ihr Vater habe bewiesen, dass ihm die Gleichberechtigung von Frau und Mann am Herzen liege, in sämtlichen Lebensaspekten. «Mein Vater hat Frauen sein ganzes Leben lang unterstützt – auch mich.»

Ivanka Trump spricht im Interview mit CNN über ihren Vater

Ivanka Trump spricht im Interview mit CNN über ihren Vater

Da hat Ivanka nicht ganz unrecht. Als Bauunternehmer arbeitete Trump gerne mit Frauen zusammen, die manchmal in leitenden Positionen seines Firmenkonglomerats wirkten, manchmal bloss schmückendes Beiwerk waren. Biografen behaupten, Trump habe damit Distanz zu seinem Vater markieren wollen, der ebenfalls im Baugewerbe tätig gewesen war und als übler Sexist galt.

Und in der Tat sah Trump in Ivanka stets eine gewitzte Geschäftsfrau. Nach abgeschlossener Ausbildung an der Wharton School der University of Pennsylvania, an der auch ihr Vater studiert hatte, trat sie vor rund zwölf Jahren in das Familienunternehmen ein.

Ivanka Trump am 2. Parteitag der Republikaner in Cleveland, Ohio.

Ivanka Trump am 2. Parteitag der Republikaner in Cleveland, Ohio.

Anfänglich wirkte sie an seiner Seite. Rasch aber übergab er ihr immer mehr Verantwortung. Heute nimmt sie (inoffiziell) die Rolle eines COO ein, eines geschäftsführenden Direktors: Ihr Vater ist immer noch derjenige, der die wichtigen Entscheide fällt; Ivanka aber führt den Betrieb. So fiel der Umbau eines alten Washingtoner Postgebäudes in ein Luxushotel ihr zu.

Daneben ist Ivanka als Philanthropin und als eigenständige Unternehmerin tätig. Sie bietet Mode-Accessoires für Geschäftsfrauen mit Kindern an und wartet mit allerlei Lebenstipps auf. Aktuelles Beispiel: «6 Yoga-Übungen, die man auch während einer langen Autoreise machen kann.»

Wie erfolgreich diese Aktivitäten sind, lässt sich nicht abschätzen. Immerhin gehört das landesweit tätige Warenhaus Macy’s zu den Kunden Ivankas. Wie ihr Vater auch, greift die ambitionierte, höchst diszipliniert auftretende Ivanka allerdings bisweilen auf zweifelhafte Geschäftspraktiken zurück.

So wurden in diesem Frühjahr durch die zuständige Aufsichtsbehörde mehr als 20'000 Halstücher eingezogen, weil die Gefahr bestehe, dass diese Feuer fangen könnten. Die Halstücher waren in China hergestellt worden, obwohl die Trumps doch immer wieder bekräftigen, dass sie sich für die Schaffung von Arbeitsplätzen in Amerika einsetzten.

Stimme der Vernunft

Ivanka Trump «besitzt eine gesunde Portion Selbstvertrauen», sagte der Trump-Biograf Michael D’Antonio kürzlich der Hauptstadtpostille «Politico», aber nicht das Bedürfnis, «ständig anzugeben». Auch deshalb gilt sie als eine der wenigen Personen, die hinter verschlossenen Türen offen Kritik an Donald Trump üben und ihn (manchmal) zur Vernunft bringen kann.

Vielleicht hängt dies mit der komplizierten Familiengeschichte zusammen, über die der Trump-Clan diese Woche am Parteitag nicht sprechen wollte. Ivanka wurde in ihren Jugendjahren nämlich stark von ihrer Mutter Ivana Trump (67) geprägt, der Trump-Gattin Nummer eins.

Nach der hässlichen Scheidung ihrer Eltern im Jahr 1992 wohnten Donald Junior, Ivanka und Eric – die drei Kinder Donald Trumps aus erster Ehe – bei Ivana, die sich weitgehend für ihre Erziehung verantwortlich zeigte.

Vielleicht lässt sich die Rolle, die Ivanka spielt, auch mit ihrem eigenständigen Kopf erklären. Sie liess sich nicht in eine Schablone pressen und verfolgte bereits als junge Erwachsene ihre eigenen Ziele. So arbeitete sie als Fotomodell. (Vater Donald ist immer noch stolz auf die Bilder, die Ivanka schoss. Er verkündete, dass seine Tochter einen höchst ansprechenden Körper habe und er mit ihr eine Beziehung eingehen würde, wenn er nicht verwandt mit ihr wäre.)

Später entschied sich die Protestantin, zum Judaismus zu konvertieren. Ausschlag gab die Hochzeit mit Jared Kushner im Jahr 2009. Der heute 35 Jahre alte Bauunternehmer stammt aus einer orthodoxen jüdischen Familie. Mittlerweile gehört Kushner, Sohn eines einflussreichen Baulöwen, ebenfalls zum engen Kreis der Trump-Berater.

Er war es denn auch, der kürzlich in einem Beitrag in einer New Yorker Lokalzeitung, die er besitzt, seinen Schwiegervater gegen Kritik verteidigte. Der Präsidentschaftskandidat sei eine «unglaublich liebevolle und tolerante Person» und er unterstütze seinen Glauben «vorbehaltlos», schrieb Kushner. Trump sei kein Antisemit der alten Schule. Das Verteidigungsschreiben trug die Handschrift Ivankas.

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