Die Bilder zeigen die Leiche des kleinen Aylan Kurdi, der am Mittwoch mit dem Gesicht im Sand an einem Strand nahe dem westtürkischen Ferienort Bodrum gefunden wurde. Er war in einem Flüchtlingsboot gewesen, das am Mittwochmorgen sank. Auch sein Bruder Galip und seine Mutter überlebten die Überfahrt nicht.

Ein junger Polizist nahm die Leiche in die Arme und trug sie davon. Auf einem Foto ist zu sehen, wie der Polizeibeamte den Kopf zur Seite dreht, so als wolle er dem traurigen Anblick der Kinderleiche entgehen.

Vater verliert Frau und zwei Kinder

Der Vater schilderte den Tod seiner Familie im Meer. Das Boot sei auf der Fahrt von Bodrum zur griechischen Insel Kos bei hohem Wellengang gekentert, sagte Abdullah Kurdi dem oppositionellen syrischen Radiosender Rosana FM am Donnerstag in einem Telefonat.

"Ich half meinen beiden Söhnen und meiner Frau und versuchte mehr als eine Stunde lang, mich am gekenterten Boot festzuhalten. Meine Söhne lebten da noch. Mein erster Sohn starb in den Wellen, ich musste ihn loslassen, um den anderen zu retten."

Weinend fügte der Vater hinzu, dass trotz seiner Bemühungen auch der andere Sohn gestorben sei. Als er sich dann um seine Ehefrau habe kümmern wollen, habe er sie tot vorgefunden. "Danach war ich drei Stunden im Wasser, bis die Küstenwache ankam und mich rettete."

Familie wollte nach Kanada

Er habe den Schleppern 4000 Euro für die Überfahrt seiner Familie gezahlt. Der Menschenschmuggler an Bord sei nach Beginn des hohen Wellengang ins Wasser gesprungen, um sich in Sicherheit zu bringen, und habe die Flüchtlinge alleine gelassen.

Eine in Vancouver lebende Tante des Jungen sagte der Tageszeitung "Ottawa Citizen", Ziel der Familie sei Kanada gewesen. Die Familie stammt aus der nordsyrischen Stadt Kobane, der Vater arbeitete nach seinen Worten vor der Flucht in die Türkei als Coiffeur in Damaskus.

Mutmassliche Schlepper gefasst

Im westtürkischen Bodrum wurden vier Schlepper festgenommen. Es handle sich dabei um syrische Staatsbürger, meldete die Nachrichtenagentur DHA am Donnerstag unter Berufung auf die Polizei in Bodrum. Sie sollen für den Tod von zwölf Flüchtlingen verantwortlich sein, darunter für den des Dreijährigen, dessen Leiche angespült wurde.

Viele Zeitungen - auch in der Schweiz - veröffentlichten das Foto des toten Jungen als Sinnbild der Flüchtlingskrise.

«Ein Foto, um die Welt zum Schweigen zu bringen», schrieb die italienische Zeitung "La Repubblica", die das Bild verbreitete.

«Der Untergang Europas», kommentierte die spanische Zeitung "El Periodico" in ihrer Onlineausgabe.

«Was, wenn nicht dieses Bild eines an den Strand gespülten syrischen Kindes, wird die europäische Haltung gegenüber Flüchtlingen ändern?», fragte die britische Zeitung "The Independent" auf ihrer Website.

Auf Twitter wurde das Foto unter dem Hashtag in türkischer Sprache #KiyiyaVuranInsanlik verbreitet – «die fortgespülte Menschlichkeit».

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