Je nach Umfrageinstitut ist die Alternative für Deutschland (AfD) heute vor der SPD und hinter der Union aus CDU und CSU mit 17 Prozent Wähleranteil zweitstärkste Kraft in Deutschland. Die Vorkommnisse in der sächsischen Stadt Chemnitz und die wieder aufgeflammte Forderung, die AfD unter Beobachtung des Verfassungsschutzes zu stellen, haben der Partei nicht geschadet.

Profitiert hat die Partei, die seit Bestehen 2013 eine deutliche Verschiebung nach rechts vollzogen hat, insbesondere von der Flüchtlingskrise 2015 und 2016. Die AfD etablierte sich als zuwanderungskritische bis hin zu einer zuwanderungs- und islamfreindlichen Partei, in der einzelne Exponenten immer wieder Grenzen zur extremen Rechten streiften oder überschritten. Gründe für den Aufstieg der AfD gibt es mehrere, dass die Partei vor allem im Osten Deutschlands besonders stark ist, ist kein Zufall – dort ist nach einem für viele schmerzhaften Transformationsprozess vom Sozialismus in den Kapitalismus 1990 die Angst vor abermaliger gesellschaftlicher Veränderung, welche Globalisierung und Digitalisierung mit sich bringen, besonders ausgeprägt.

Die AfD hat aber auch von einem Schwenker der früher streng konservativen Union aus CDU und CSU in die politische Mitte profitiert, Folge einer Modernisierung der Union unter der Ägide Angela Merkels. Dass vor allem die AfD das Thema Migration besetzen konnte, liegt auch an Versäumnissen etablierter Parteien wie SPD oder der Union, die sich des Themas – trotz massiver Zuwanderung in der Flüchtlingskrise – nur behäbig angenommen hatten, das Feld quasi der AfD überlassen hatten.

Bei aller Kritik hat die AfD die Demokratie wohl auch belebt, viele jahrelange Nichtwähler haben sich wieder an den Wahlen beteiligt und der AfD ihre Stimme gegeben.