Arafat

Die Fakten sprechen gegen ein Mordkomplott um Arafat

Arafat vor seinem letzten Flug von Ramallah nach Paris. In Paris verstarb er im November 2004.

Arafat vor seinem letzten Flug von Ramallah nach Paris. In Paris verstarb er im November 2004.

Verschwörungstheoretiker sprechen gerne von einem Mordkomplott. Aber: Jassir Arafat starb laut französischen Krankenakten an einem Schlaganfall. Eine Polonium-Vergiftung kann aufgrund der Symptome vor seinem Tod 2004 ausgeschlossen werden.

Acht Jahre nach seinem Tod macht Jassir Arafat erneut weltweite Schlagzeilen. Wissenschaftler aus der Schweiz, Frankreich und Russland haben den Leichnam des legendären Palästinenser-Führers exhumiert und wollen dem Verdacht nachspüren, ob Arafat Ende 2004 vergiftet worden ist.

Was war in Arafats Unterwäsche?

Im Juli hatte der arabische Sender Al Jazeera nach neunmonatiger Recherche sensationell enthüllt: In Arafats Unterwäsche habe ein Schweizer Labor in Urinresten Spuren von Polonium-210 gefunden - war Jassir Arafat also vergiftet worden, wie 2006 der frühere KGB-Agent Alexander Litwinenko? Al-Jazeera-Korrespondent Clayton Swisher verglich den mysteriösen Tod Arafats grossspurig mit dem Attentat auf John F. Kennedy. Er ist nicht der erste Verschwörungstheoretiker im Fall von Arafats Tod. Thierry Meyssan hat bereits 2005 fantasiereich einen Mordplan von George W. Bush, Ariel Scharon und Machmud Abbas «enthüllt». (Und: Ja, Meyssan ist der berühmte Journalist, der bezweifelt, dass ein Flugzeug an 9/11ins Pentagon krachte.)

Um die Mordkomplott-Frage beantworten zu können, wurde Arafats Leiche diese Woche aus dem Grab geholt. Es wird Monate dauern, bevor die Wissenschaftler sagen können, ob in Arafats Knochen Spuren von Polonium nachgewiesen werden können. So lange wird hitzig über Motiv und Täter spekuliert werden.

Es sind aber blosse Spekulationen, die den bekannten Fakten nicht standhalten. Denn es ist ja nicht so, dass Arafat einsam in der Wüste verstorben ist. Er verschied in einem Militärspital in Paris. Die Wahrheit über seinen Tod kann in medizinischen Akten gefunden werden. Einsicht haben sowohl die französische Regierung als auch die Witwe Suha Arafat.

Der Tod ist kein ungelöstes Rätsel

Arafats Tod ist also keineswegs ein ungelöstes Rätsel, wie Al Jazeera und andere Medien behaupten. Im September 2005 erhielt die «New York Times» eine Kopie von Arafats französischen Krankenakten zugespielt und zitierte ausführlich aus den offiziellen Dokumenten. Demnach starb Arafat an den Folgen eines Schlaganfalls, «der von einer unkontrollierbaren Blutung herrührte, die von einer unidentifizierbaren Infektion stammte». Die US-Zeitung folgerte aus den Akten: «Eine Vergiftung ist höchst unwahrscheinlich.»

Auch den Schweizer Radiologen ist nicht wohl mit dem grossen Interesse an der Mordkomplott-Story: «Wir haben nie von einer Vergiftung gesprochen. Ja, wir fanden Spuren von Polonium-210. Aber die klinische Beschreibung von Arafats Symptomen vor seinem Tod ist nicht kompatibel mit einer Polonium-Vergiftung», so Darcy Christen. Yigal Palmor vom israelischen Aussenministeriums hat für Arafats Tod eine simple Erklärung: «Die Wahrheit ist: Arafat starb nicht an Polonium - er starb an einer Überdosis Palästinium.»

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