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Der Zweitgeborene sucht sich seinen Weg: Prinz Harry löst sich von seinem Bruder

Freiheit und Risiko statt Korsett und Absicherung: Herzogin Meghan und Prinz Harry genossen fünf Monate nach ihrer Hochzeit Strandferien in Australien. Prinz William und Prinz Harry: Eng verbundene Brüder.

Freiheit und Risiko statt Korsett und Absicherung: Herzogin Meghan und Prinz Harry genossen fünf Monate nach ihrer Hochzeit Strandferien in Australien. Prinz William und Prinz Harry: Eng verbundene Brüder.

Oft spurt der ältere Bruder dem jüngeren das Leben vor. So ist es auch in der königlichen Familie. Nun will Prinz Harry seinen eigenen Weg gehen.

(kaf/kus) Es ist nicht nur in königlichen Familien ein Fakt: Der Zweitgeborene muss sich eine Rolle suchen, welche der grössere Bruder nicht schon besetzt hat. Bei den Windsors in England ist das alles noch ein bisschen extremer. Prinz William ist die Rolle als Thronfolger seit Geburt fix zugesprochen, er trägt die Bürde und die Würde und er trägt beides ausgesprochen gut. Seine Familie mit Kate und den drei Kindern ist nahezu perfekt. Keine Skandale, keine Misstöne. William macht alles richtig, ruhig und bedacht wie die Queen selbst. Keine Selbstverständlichkeit in dieser Familie voller Dramen.

William ist früh in diese Rolle hineingeworfen worden. Am Tag des Unfalltodes seiner Mutter Diana sei er erwachsen geworden, hat er in einer BBC-Dokumentation gesagt. Er war bei Dianas Tod 15 Jahre alt. Harry war zwölf. Er sagte kürzlich, dass er durch den Tod seiner Mutter den Halt verloren habe. Sein grosser Bruder war da und spurte ihm sein Leben vor. Schule, College, Militär, Auslandreisen, Einsätze für Stiftungen und wohltätige Zwecke. Harry macht mit, immer gerade soweit er musste. Es schien, dass Harry schon immer der wildere, spitzbübischere, aber auch fröhlichere der beiden Brüder war.

Ein richtiger Rebell schien er aber nie. Unfreiwillig macht er Schlagzeilen mit einigen Aussetzern in Jugendjahren. Ansonsten stand er brav neben seinem Bruder und lächelte spitzbübisch. Das Band der beiden schien durch den frühen Tod der Mutter besonders eng. William, der grosse Bruder sah man selten so fröhlich und entspannt, wie wenn sein jüngerer Bruder mit von der Partie war. Doch dann kam diese Frau, Meghan. Und zum ersten Mal machte Harry etwas wirklich anders. Er verliebte sich in eine erfolgreiche, amerikanische Schauspielerin, eine Feministin, ein Sturkopf wie es heisst.

Harry wird erwachsen und löst sich

Meghan treibe einen Keil zwischen die beiden Brüder, schreibt die britische Presse. Eher ist es wohl so, dass Harry dank Meghan richtig erwachsen wird und sich von seinem Bruder löst, weil er das muss. Er ist nicht mehr länger der kleine Bruder. Das People-Magazin Cosmopolitan zitiert den Journalisten Tom Bradby, der Harry und Meghan auf ihrer Afrika-Reise begleitet hat und angeblich ein Freund von Harry ist. Bradby sagt: «Es gibt viele Leute, die sich wünschen, dass die Brüder sich wieder näher wären und die Brüder selbst wünschen sich das wohl auch. Aber wir alle wissen, in Familien passieren nun mal Dinge und Dinge werden gesagt.» Für Harry und William sei es besonders schwierig, weil sie nicht nur eine Familie, sondern eine Familien-Firma seien.

Harry selbst sagte in einem Interview im Oktober 2019: «Es ist unvermeidlich, dass bei diesen Rollen und diesem Job und dem Druck, unter dem diese Familie ist, dass Dinge passieren. Aber schau, wir sind Brüder und werden es immer sein. Wir sind sicher auf unterschiedlichen Pfaden zurzeit, aber ich werde immer da sein für ihn und wie ich weiss, wird er immer da sein für mich. Wir sehen uns nicht mehr so oft wie früher, weil wir so beschäftigt sind. Aber ich liebe ihn herzlich und das meiste Zeugs [in der Presse] ist aus nichts gemacht. Aber als Brüder hat man gute und schlechte Tage.» Harry geht seinen Weg, mit 35 Jahren ist es Zeit dafür.

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