«Nichts», knurrte der Ajatollah. Was er empfinde, wollte ein Journalist an Bord von Ruhollah Khomeini wissen, als der Jumbo Jet am 1. Februar 1979 seinen Anflug auf Teheran begann. 14 Jahre hatte der schiitische Kleriker und unbeugsame Schah-Gegner im Exil gelebt, zuletzt in Paris. Um 9.27 Uhr landete der 76-jährige Imam mit dem schwarzen Turban und dem weissen Bart auf dem Flughafen der iranischen Hauptstadt, ein Ereignis, welches das Machtgefüge des Nahen und Mittleren Ostens in den folgenden 40 Jahren völlig umkrempeln sollte.

Zwei Wochen zuvor hatte Schah Reza Pahlavi den Pfauenthron geräumt und war geflohen. Nun feierten Hunderttausende Iraner, die seit den frühen Morgenstunden die Strassen säumten, dessen unbeugsamen Widersacher wie einen Erlöser. Und der mit «Allah-ist–gross»-Rufen umjubelte Heimkehrer fackelte nicht lange. «Ich werde der Regierung ins Gesicht schlagen», rief er in seiner ersten öffentlichen Ansprache. Binnen drei Tagen setzte er das verbliebene Schah-Kabinett unter Ministerpräsident Shapour Bakhtiar ab. Die Armeeführung rührte keine Hand. Die Generäle erklärten sich für neutral. Bakhtiar gab auf, floh nach Frankreich, wo er später von iranischen Agenten ermordet wurde. Zum Nachfolger ernannte Khomeini zunächst den relativ moderaten Intellektuellen Mehdi Bazargan. Damit hatte der revolutionäre Ajatollah bereits zehn Tage nach seiner Rückkehr den Machtkampf mit den Statthaltern des Schahs für sich entschieden. Und so feiert die Islamische Republik seither den 11. Februar 1979 als offiziellen Gründungstag, der sich dieses Jahr zum 40. Male jährt.

Länger als die Schah-Herrschaft

Der Polit-Kleriker entpuppte sich rasch als skrupelloser Machiavellist, der ein autoritäres Herrschaftssystem islamischer Prägung anstrebte. Khomeinis Schlägertrupps stürmten die Zentralen der Parteien und starteten Hexenjagden auf Andersdenkende. Bereits im Sommer 1979 wurde das Kopftuch für alle Frauen Gesetz – trotz vieler Proteste. Zudem stellte Khomeini seine eigene Prätorianer-Garde auf, die sogenannten Revolutionären Garden, die sich rasch zu einem unantastbaren Staat im Staate entwickelten.

Ein führendes Staatsamt dagegen strebte der populäre Rückkehrer nicht an, propagierte stattdessen den «Velayat-e faqih» – die absolute Herrschaft der islamischen Rechtsgelehrten. Nach dieser von ihm entwickelten Doktrin beanspruchte Khomeini für sich die Rolle des von Gott legitimierten Revolutionsführers, der in allen Staatsangelegenheiten das letzte Wort hat. Zehn Jahre stand der Ajatollah an der Spitze der von ihm geschaffenen Islamischen Republik. Kurz vor seinem Tod am 3. Juni 1989 bestimmte er Ali Khamenei zum Nachfolger, der bis heute die Geschicke der erdölreichen Nation lenkt.

Mit seinen vierzig Jahren existiert der schiitische Khomeini-Staat inzwischen länger als die Herrschaft des gestürzten Schahs. Die Aversionen der Bevölkerung gegen den repressiven Gottesstaat allerdings sind heute ähnlich gross wie am Ende der persischen Monarchie.

Trotzdem konnte sich der Iran in der Region als unbestrittene Vormacht der Schiiten etablieren und sein strategisches Gewicht erheblich erhöhen. Und das trotz der harten internationalen Sanktionen, mit denen das Land wegen seines geheimen Atomprogramms bis 2015 konfrontiert war und die US-Präsident Donald Trump kürzlich wieder reaktivierte. In allen wichtigen Konflikten vor seiner Haustüre mischt Teheran heute mit. Mittlerweile zieht sich eine Achse schiitischer Dominanz vom Iran über den Irak und Syrien bis zum Libanon. Ohne den massiven Einsatz von iranischen Kampfbrigaden hätte Bashar al-Assad dem Ansturm der syrischen Aufständischen nicht standgehalten.

Brodelnde Frustration

Doch die geopolitische Expansion hat ihren Preis. Die teuren Auslandseinsätze in Syrien und Libanon strapazieren die Kräfte der 80-Millionen-Nation, die Unzufriedenheit im Inneren brodelt. «Lasst ab von Syrien und Gaza, tut etwas für uns», skandierten Anfang 2018 Zehntausende junger Leute, die in über 80 Städten auf die Strassen gingen. 7000 Opponenten liess das Regime 2018 festnehmen, ins Gefängnis werfen oder auspeitschen, um den Aufruhr zu ersticken.

Gelöst ist derweil keines der Probleme des Landes: Korruption, Vetternwirtschaft und Missmanagement grassieren. Frauen werden ins Gefängnis geworfen, wenn sie gegen das Zwangskopftuch aufbegehren. Facebook, Twitter, Telegram und Youtube sind blockiert. Die Frustration in der heruntergewirtschafteten Nation kann jederzeit wieder hochkochen.