Es war ein politisches Erdbeben, wie es Italien lange nicht erlebt hatte: Bei den Parlamentswahlen vom 4. März ist die populistische Protestbewegung des Ex-Komikers Beppe Grillo mit knapp 33 Prozent der Stimmen stärkste Partei geworden; die rechtsradikale und nicht minder populistische Lega des Scharfmachers und neuen Innenministers Matteo Salvini konnte ihren Stimmenanteil im Vergleich zu den Wahlen 2013 auf 17 Prozent vervierfachen. Am 1. Juni wurde die neue Populisten-Regierung vereidigt.

Drei Monate nach Amtsantritt ist die Popularität der selbst ernannten «Regierung des Wandels» ungebrochen: Ministerpräsident Giuseppe Conte kommt in Umfragen auf Zustimmungswerte von 60 Prozent, seine beiden Vizepremiers Salvini und Luigi Di Maio von den Cinque Stelle auf je 50 Prozent. Der starke Mann in der Regierung ist Lega-Chef Salvini, der die Agenda der Exekutive fast nach Belieben diktiert. In den Umfragen ist die Lega von Salvini inzwischen auf Augenhöhe der «Grillini» und kommt ebenfalls auf knapp über 30 Prozent.

Auf breite Zustimmung stösst insbesondere der harte Kurs Salvinis in der Migrationspolitik: Die Schliessung der Häfen für NGO-Rettungsschiffe wird von 60 Prozent der Italiener gutgeheissen. Neben den Migranten haben die beiden Regierungspartner einen weiteren gemeinsamen Feind ausgemacht: die EU.

Den Liebesentzug durch die einst europafreundlichen Italiener hat sich die EU selber zuzuschreiben: Brüssel hat Rom sträflich allein gelassen, als in den vergangenen Jahren 700 000 Migranten in Italien landeten. Die traditionellen Parteien müssen sich über die Abstrafung durch die Wähler ebenfalls nicht wundern: Millionen Italiener sind von der lang anhaltenden Krise brutal getroffen worden, während die Politiker weiterhin lebten wie die Maden im Speck.