Fünf Jahre befand sich Bowe Bergdahl in den Händen des Feindes. Nun ist der 28-Jährige – nach einem spektakulären Gefangenenaustausch der US-Regierung in Washington mit den Taliban in Afghanistan – auf dem langen Weg zurück in seine Heimat. Für die Angehörigen des Unteroffiziers der Streitkräfte ist dies Anlass zur Freude; auch wenn der Jubel über die Heimkehr des letzten amerikanischen Kriegsgefangenen in Afghanistan vom Lärm einer aufbrausenden Debatte übertönt wird.

Diese dreht sich zuerst um die Person Bowe Bergdahl: Warum lief der junge Soldat am 30. Juni 2009 mitten in der Nacht aus einem militärischen Vorposten im Südosten in Afghanistan davon, um wenig später von den Taliban aufgegriffen zu werden? Stimmt es, dass Bergdahl die Nase voll vom Krieg in Afghanistan hatte und faktisch desertierte? «Der Horror, den Amerika verkörpert, ist abscheulich», schrieb Bergdahl in seinem letzten E-Mail an seinen Vater.

(Quelle: Youtube / LamePseudonym1)

Propaganda Video of Bowe R. Bergdahl, the U.S. Soldier Captured by the Taliban.

Bob Bergdahl, der sich während der langen Abwesenheit seines Sohnes einen langen Bart wachsen liess, deutete an, dass seinem Sohn die Rückkehr in den amerikanischen Alltag nicht leicht fallen werde. So wandte er sich in paschtunischer Sprache an Bowe, nicht sicher, ob sein Sohn überhaupt noch Englisch versteht. Derzeit befindet sich der Unteroffizier in einem Militärspital im deutschen Landstuhl. Es gehe ihm den Umständen entsprechend gut, er müsse aber in Spitalpflege verbleiben, weil er in den vergangenen fünf Jahren nicht gut gegessen habe, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums mitteilte.

Ein undatiertes Bild von Bergdahl.

Ein undatiertes Bild von Bergdahl.

Freigelassene Guantánamo-Insassen

Das Weisse Haus gibt sich zugeknöpft. So wurden selbst hochrangige Mitglieder des Repräsentantenhauses und des Senats nicht über die Details des Gefangenenaustausches in Kenntnis gesetzt. Bekannt ist, dass fünf hochrangige Taliban-Kämpfer aus Guantánamo auf Kuba nach Katar überstellt wurden. Offenbar soll der Emir von Katar den Amerikanern versichert haben, dass die ehemaligen Terroristen – die im Nachgang zur Invasion von Afghanistan im Herbst 2001 dingfest gemacht wurden – nicht auf das Schlachtfeld zurückkehren würden.

Diese Zusicherung reicht den Republikanern aber nicht aus. «Wie garantieren wir dies?», fragte gestern der Sicherheitspolitiker Buck McKeon in einem Fernsehinterview. James Jones, ehemaliger Sicherheitsberater von Präsident Barack Obama, sagte: «Es ist sehr, sehr wichtig, dass die Regierung von Katar diese Menschen unter ihrer Kontrolle behält.»

Letztlich erhöhe sich nun das Sicherheitsrisiko für jeden Amerikaner in einem umkämpften Gebiet, urteilte das «Wall Street Journal»: Bisher habe unter Terroristen gegolten, dass das Weisse Haus sich nicht erpressen lasse (siehe Box).

In eine ähnliche Kerbe schlug Mike Rogers, führender Republikaner im Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses: «Wir haben nun einen Preis definiert für das Leben einer amerikanischen Geisel.» «5 Drecksäcke = 1 Amerikaner», lautete eine zugespitzte Schlagzeile der «New York Post».

Verteidigungsminister Chuck Hagel wies diese Unterstellung zurück. Es habe nie direkte Verhandlungen mit den Taliban gegeben. Dies mag zutreffen, dank der Rolle, die der Emir von Katar spielte. Derlei Finessen dürften Amerikas Feinde aber wenig beeindrucken.