Wahlkampf

Der neue Chef der amerikanischen Post treibt ein gefährliches Spiel – Demokraten sprechen von Sabotage

Unter Sabotage-Verdacht: Der Chef der amerikanischen Post Louis DeJoy.

Unter Sabotage-Verdacht: Der Chef der amerikanischen Post Louis DeJoy.

Der Post-Chef Louis DeJoy ist erst zwei Monate im Amt. Aber bereits wird der Gönner von Präsident Donald Trump verdächtigt, er wolle den Staatsbetrieb zugrunde richten – und damit die briefliche Stimmabgabe bei der Präsidentenwahl sabotieren. Doch das ist nicht sein einziges Ziel.

Ein Zugeständnis hat der Chef des United States Postal Service (USPS) bereits gemacht: Bis zum Wahltag am 3. November werde er am Geschäftsbetrieb der amerikanischen Post keine weiteren operativen Anpassungen mehr vornehmen, versicherte Louis DeJoy diese Woche. Er wolle damit verhindern, dass der Eindruck entstehe, diese Reformen könnten den Ausgang der Präsidentenwahl beeinflussen, an der Millionen von Amerikanern ihre Stimme erstmals brieflich abgeben werden.

Seinen zahlreichen Kritikern wird dieses Zugeständnis allerdings nicht weit genug gehen – auch weil DeJoy sich weigert, bereits angeordnete Schritte rückgängig zu machen. Der Post-Chef, der am Freitag in einem Senatsausschuss und am Montag in einer Kommission des Repräsentantenhauses Auskunft über seine Reformpläne geben muss, steht vor allem bei den Demokraten am Pranger. Demokratische Politiker von Joe Biden über Barack Obama bis hin zu Nancy Pelosi werfen dem Post-Chef vor, den USPS in Grund und Boden zu wirtschaften. Damit sabotiere DeJoy nicht nur die Präsidentenwahl; auch wolle er die Privatisierung des Staatsbetriebes vorantreiben.

Ein Gönner der Republikaner

An dieser Kritik stimmt: DeJoy verdankt seinen Posten, den er am 15. Juni antrat, auch seinem dicken Portemonnaie. Der 63-jährige Multi-Millionär, der sein Geld mit Logistik- und Immobilienunternehmen verdiente, spendete Präsident Donald Trump und seiner Partei in den vergangenen fast vier Jahren gegen 2,5 Millionen Dollar. Damit ist er ein wichtigster Geldgeber der Republikaner.

Auf dem Weg zur Anhörung: Post-Chef Louis DeJoy.

Auf dem Weg zur Anhörung: Post-Chef Louis DeJoy.

Der Unternehmer DeJoy wurde aber auch an die Spitze der Post berufen, weil der Staatsbetrieb dringend reformiert werden muss – schreibt das Unternehmen, das mehr als 633'000 Menschen beschäftigt, doch seit Jahren tiefrote Zahlen. Die Corona-Pandemie hat diese Krise nun noch verschärft: Allein im Frühjahrsquartal 2020 belief sich der Netto-Verlust des USPS auf 2,2 Milliarden Dollar. Im laufenden Geschäftsjahr, das am 30. September 2020, könnten der Post deshalb die flüssigen Mittel ausgehen, sagen die Demokraten. Der USPS weist diese Prognose zurück.

Unabhängige Beobachter machen für diese missliche Situation das sinkende Briefpost-Volumen verantwortlich, eine aufgeblähte Infrastruktur mit mehr als 31'000 Filialen und 142'000 Briefkästen sowie die veraltete Preispolitik der Post. Kaum im Amt, machte sich DeJoy deshalb daran, ein Sparprogramm umzusetzen. So liess er Sortiermaschinen entfernen. Auch ordnete er den Abbau von Überstunden an.

Hunderte Küken sterben wegen Post-Versagen

Solche Schritte gehen dem Präsidenten allerdings nicht weit genug. In seinen Augen hat vor allem die Kooperation mit Internet-Versandhändlern wie Amazon Schuld an der Misere der Post. Trump behauptet buchstäblich seit Amtsantritt, dass Amazon-Chef Jeff Bezos, der auch Besitzer der gemeinhin Trump-kritischen Hauptstadtzeitung «Washington Post» ist, den USPS übervorteile. Das entspricht zwar nicht der vollen Wahrheit, aber das ist Trump egal. Er sagt:

Die Kritiker des Präsidenten unterstellen Trump zudem, er habe DeJoy an der Post-Spitze installiert, um den Ausgang der Präsidentenwahl zu beeinflussen. Wahr an dieser Behauptung ist: Trump befindet sich seit Wochen auf einem Kreuzzug gegen die briefliche Stimmabgabe. Er behauptet, dass eine flächendeckende Briefwahl Fälschungen Tür und Tor öffnen werde. Und er spricht darüber, dass die kommende Wahl entweder verschoben oder wiederholt werden müsse. Als der USPS vor einigen Tagen fast alle 50 Bundesstaaten über mögliche Verzögerungen bei der Verarbeitung der Couverts mit den ausgefüllten Stimmzetteln informierte, läuteten deshalb die Alarmglocken.

Beunruhigt über die Beschneidung des Post-Service: Amerikanische Bürger.

Beunruhigt über die Beschneidung des Post-Service: Amerikanische Bürger.

Hinzu kam, dass sich die Anekdoten über die Unzuverlässigkeit des USPS häuften. So warteten die Bewohner gewisser Stadtviertel in Washington und Philadelphia vorige Woche tagelang auf ihren Briefträger – und damit zum Beispiel auch auf Medikamentenlieferungen. Und in Maine berichtete eine Zeitung darüber, wie Hunderte von Küken starben, die per Post von Pennsylvania in den Nordosten Amerikas transportiert wurden. Solche Nachrichten könnten dazu führen, das Renommee des Betriebs zu zerstören, dessen Vorläufer im Jahr 1775 ins Leben gerufen wurde und dessen inoffizielles Credo lautet:

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1