Türkei

Der Kreml-Chef am Bosporus - es geht um die Neuordnung in Syrien

Russlands Staatschef Wladimir Putin zu Gast bei Recep Tayyip Erdogan (links) in Ankara. Heute geht es weiter nach Istanbul. Alexander Zemlianichenko/Reuters

Russlands Staatschef Wladimir Putin zu Gast bei Recep Tayyip Erdogan (links) in Ankara. Heute geht es weiter nach Istanbul. Alexander Zemlianichenko/Reuters

Das Treffen von Erdogan, Putin und Rohani in Istanbul birgt Potenzial für Konflikte. Die drei Präsidenten werden versuchen sich abzusprechen, damit sie sich nicht in die Quere kommen. Ein gemeinsames Ziel dürfte sein, den Einfluss der USA in Syrien zurückzudrängen.

Keinen ausländischen Politiker hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in jüngster Zeit so oft getroffen wie Wladimir Putin. Am Dienstag war es wieder einmal so weit: Der Kreml-Chef kam nach Ankara. Per Videokonferenz wohnten die beiden Staatschefs der Grundsteinlegung des ersten türkischen Kernkraftwerks bei Akkuyu an der Mittelmeerküste bei.

Der russische Staatskonzern Rosatom wird das AKW bauen und betreiben. Das Projekt symbolisiert die immer engere Anlehnung der Türkei an Russland. Bereits im vergangenen Jahr besiegelten die beiden Präsidenten die Lieferung russischer Flugabwehrsysteme des Typs S-400 an die Türkei. Erst russische Rüstungsgüter, jetzt russische Nukleartechnik: Unter Erdogan geht das Nato-Land Türkei eigene Wege.

Das wird sich auch an diesem Mittwoch zeigen. Dann will Erdogan in Istanbul mit Putin und dem iranischen Präsidenten Hassan Rohani das weitere Vorgehen im Syrien-Konflikt abstimmen. Ende Januar liess Erdogan türkische Truppen in Nordsyrien einmarschieren. Sein Treffen mit Putin und Rohani unterstreicht, dass die Türkei die Neuordnung Syriens massgeblich mitgestalten will.

«Im Namen des syrischen Volkes»

Bereits im vergangenen November gab es ein solches Gipfeltreffen. Damals empfing Putin den türkischen Staatschef und den iranischen Präsidenten im Schwarzmeerbadeort Sotschi. Wenige Tage zuvor war der syrische Diktator Baschar al-Assad nach Sotschi gereist. Er dankte Putin «im Namen des ganzen syrischen Volkes für das, was Sie getan haben – wir werden es nicht vergessen.»

Russland ist Assads wichtigster Verbündeter. Den Luftangriffen, mit denen Russland seit 2015 die syrische Armee unterstützt, verdankt es Assad, dass sich der Bürgerkrieg zu seinen Gunsten gewendet hat.

Die Türkei, Russland und der Iran verfolgen im Syrienkonflikt unterschiedliche Interessen. Bei ihrem Gipfeltreffen am Bosporus werden die drei Präsidenten versuchen, ihre Ziele abzustecken und ihr militärisches sowie diplomatisches Vorgehen so abzustimmen, dass man sich möglichst nicht auf die Füsse tritt.

Gemeinsames Ziel dürfte es sein, den Einfluss der USA bei der Gestaltung der Nachkriegsordnung in Syrien zurückzudrängen.

Russlands Präsenz sichern

Putin geht es vor allem darum, die militärische Präsenz Russlands im Nahen Osten zu sichern. Der Iran unterstützt ebenfalls das Assad-Regime und unterhält in Syrien Militärstützpunkte. Das Land ist für Irans Regionalmacht-Ambitionen von grosser Bedeutung.

Es bildet ein wichtiges Element der «schiitischen Achse», die vom Iran über den Irak und Syrien bis zur Hisbollah im Libanon reicht und Teheran einen Zugang zum Mittelmeer verschafft.

Im Gegensatz zu Putin und Rohani arbeitete der türkische Staatschef Erdogan jahrelang auf den Sturz Assads hin. Aber er hat sich inzwischen damit abfinden müssen, dass Assad mit Putins Unterstützung zumindest vorerst an der Macht bleibt.

Das ist der Preis dafür, dass die Türkei die Kurden aus dem Norden Syriens vertreiben und dort ihre eigene Einflusssphäre schaffen kann. Denn ohne die Duldung Russlands, das die Lufthoheit über Syrien hat, wäre die türkische Militäroperation in Nordsyrien gar nicht möglich gewesen.

Erdogans Weg

Mit dem Gipfeltreffen in Istanbul zeigt Erdogan einmal mehr, dass er in der Syrienpolitik seinen eigenen Weg geht, ohne Rücksicht auf die westlichen Nato-Verbündeten. Zugleich festigt er die Bindungen an Moskau. Das AKW-Projekt in Akkuyu ist ein Beispiel dafür. Es dürfte die Beziehungen der Türkei zum Westen weiter belasten – was Putin nur recht sein kann.

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