Revolution in Ägypten

Den Anfang machte Ägyptens «Facebook-Girl»

2008 gründete Israa Abdel-Fattah eine virtuelle Oppositionsbewegung, wurde verhaftet und zu einer jungen Heldin der Blogger. Facebook

2008 gründete Israa Abdel-Fattah eine virtuelle Oppositionsbewegung, wurde verhaftet und zu einer jungen Heldin der Blogger. Facebook

Die «Jugendbewegung 6. April» von Israa Abdel-Fattah steht hinter dem Sturz von Despot Hosni Mubarak . Die Bloggerin war die erste Frau, die in Untersuchungshaft wegen politischer Agitation war.

Treibende Kraft hinter der ägyptischen Revolution war eine im Internet gegründete Jugendbewegung. Den Anfang machte ein Duo: Ahmed Maher und Israa Abdel-Fattah gründeten am 23. März 2008 die Facebook-Gruppe «Jugendbewegung 6. April». Die beiden Blogger hatten von einem geplanten Streik von Arbeitern einer Textilfabrik in der Deltastadt Mahalla, 120 Kilometer nördlich von Kairo, erfahren und wollten im Internet zu einem Generalstreik aufrufen. Sie benutzten dazu ihre echten Namen und trugen sich als Administratoren der Gruppenseite ein.

77000 Mitglieder über Nacht

Die beiden damals 27-jährigen Ägypter schickten am 23. März 2008 rund 300 virtuelle Einladungen ins Internet-Universum hinaus – als sie sich am nächsten Morgen einloggten, wurden sie von 3000 neuen Gruppenmitgliedern überrascht. Zwei Wochen später waren es 77000 Fans. Am 6. April protestierten in Mahalla Tausende, Mubarak-Poster wurden zerrissen, es gab massenhafte Verhaftungen und drei Tote. Die «Jugendbewegung 6. April» war geboren!

Das politische Networking im Internet war äusserst riskant. In Ägypten herrschte seit 1981 der Ausnahmezustand – Versammlungen waren verboten. Nun hatten zwei junge Blogger über Nacht eine Bewegung mit 77000 Mitläufern gegründet. Maher und Abdel-Fattah gerieten ins Fadenkreuz von Mubaraks Repressionsapparat.

Israa Abdel-Fattah und Ahmed Maher hatten sich zwei Jahre zuvor bei Freiwilligenarbeit für die oppositionelle El-Ghad-Partei kennen gelernt. Mahed war schon länger politisch aktiv gewesen. Abdel-Fattah hingegen hatte noch nie an einer Demonstration teilgenommen. Sie arbeitete damals in der Personalabteilung einer Firma in Kairo. Beide gehörten zu einer neuen Generation junger Araber, welche die neuen sozialen Medien wie Blogs, Youtube, Flickr, Twitter und Facebook dazu nutzten, Korruption und Repression im virtuellen Raum zu bekämpfen.

Fussballjubel etabliert Facebook

Seit Anfang 2008 war Facebook in Ägypten eine der beliebtesten Websites, zusammen mit Google und Yahoo. Das gute Abschneiden der ägyptischen Fussballer im Afrika-Cup Anfang 2008 trug massgeblich dazu bei, dass sich immer mehr junge Ägypter ein Facebook-Konto zulegten. Eine Fan-Gruppe der Fussballhelden hatte rasch 45000 Mitglieder.

Am Morgen des 6. April 2008 verhafteten Sicherheitsbeamte Abdel-Fatah im «Café9» in Kairo. Das erste Mal steckte das Innenministerium eine Frau in Untersuchungshaft wegen politischer Agitation. Ausländische Medien waren fasziniert von der Geschichte, wie sich eine arabische Frau mithilfe von moderner Technologie gegen die Repression der Regierung auszusprechen wagte und erzählten die Geschichte des «Facebook Girl». Die Verhaftung und das internationale Medienecho machten aus einer normalen Büroangestellten über Nacht eine Heldin. Mitglieder ihrer Facebook-Gruppe ersetzten ihre Profilbilder mit Abdel-Fattahs Foto und gründeten eine neue Gruppe, die ihre Freilassung verlangte.

Nach 18 Tagen im Gefängnis wird Israa Abdel-Fattah, das mittlerweile berühmte «Facebook-Girl» freigelassen. In einer kurzen öffentlichen Erklärung schwor sie jeglicher politischer Aktivität ab. Danach tauchte sie eine Weile unter – heute ist sie die Mediensprecherin der ägyptischen demokratischen Akademie.

Nach der Revolution in Tunesien rief ihre Facebook-Gruppe die rund 80000 Mitglieder dazu auf, am 25. Januar auf die Strasse zu gehen und das Ende der Mubarak-Herrschaft zu fordern. Der Rest ist Geschichte.

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