Ukraine

Demonstrant bei Ausschreitungen in Kiew erschossen

Die Polizei steht den Protestierenden in Kiew gegenüber

Die Polizei steht den Protestierenden in Kiew gegenüber

Bei den Protesten von Regierungsgegnern in der ukrainischen Hauptstadt Kiew ist nach Angaben der Opposition ein Demonstrant erschossen worden. Der Mann sei von einem Scharfschützen der Polizei angeschossen worden und später gestorben.

Dies teilte der medizinische Dienst der Protestbewegung am Mittwoch mit. Die ukrainischen Behörden bestätigten lediglich, im Zentrum Kiews sei eine Leiche gefunden worden.

Ein Sprecher der Regierungsgegner sagte zudem, ein zweiter Mann solle beim Klettern aus 13 Metern Höhe zu Tode gestürzt sein. Der 22-Jährige sei von Polizisten gejagt worden. Dafür gab es von Seiten der Behörden keine Angaben.

Im Fernsehen war live zu sehen, wie die Polizei am Morgen im Stadtzentrum Barrikaden der Regierungsgegner stürmte. Mehrere Oppositionelle seien bei dem Einsatz, der kurz nach 7 Uhr auf der Gruschewski-Strasse begonnen habe, festgenommen worden, hiess es in den Berichten.

Tränengas und Blendgranaten

Die Regierung hatte zuvor ein hartes Vorgehen gegen "Provokateure" angekündigt. Trotz Demonstrationsverbots harrten erneut tausende Regierungsgegner in der Nacht bei eisigen Temperaturen im Stadtzentrum aus. Vereinzelt schleuderten Demonstranten Steine und Brandsätze auf Polizisten, wie ein AFP-Reporter beobachtete. Die Polizei setzte Tränengas und Blendgranaten ein.

Einige Demonstranten vor Ort erklärten, sie hätten Warnungen per SMS erhalten. "Lieber Abonnent, Sie wurden als Teilnehmer an Massenunruhen registriert", hiess es demnach in den Textnachrichten.

Die Ausschreitungen waren aber längst nicht so gewalttätig wie in den vergangenen Nächten, als hunderte Menschen verletzt wurden. Über Lautsprecher rief die Polizei zur Ruhe auf und erklärte, dass es als Gefährdung ihrer Sicherheit betrachtet werde, wenn sich Demonstranten auf drei Meter den Polizeisperren näherten.

Regierung warnt Demonstranten

Ministerpräsident Mykola Asarow sagte am Dienstagabend im russischen Fernsehen, falls die "Provokateure nicht aufhören, werden die Behörden keine andere Wahl haben, als im Rahmen der Gesetze Gewalt einzusetzen und die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten".

Es sei Aufgabe der Regierung und des Präsidenten, "eine Eskalation der gewaltsamen Auseinandersetzungen zu verhindern", sagte Asarow. Er hoffe aber auf die Einsicht der Demonstranten.

Asarow wies zugleich Gerüchte zurück, wonach die Regierung plane, in Kiew den Ausnahmezustand zu verhängen. Die Lage in der Hauptstadt sei "weit davon entfernt", einen solchen Schritt notwendig zu machen. Für die jüngsten Zusammenstösse machte er die Anführer der Opposition verantwortlich.

Verletzte auf beiden Seiten

Nach Angaben des Innenministeriums wurden bei den Zusammenstössen der vergangenen Tage in Kiew mehr als 160 Polizisten verletzt, 80 von ihnen mussten im Spital behandelt werden. Ausserdem wurden 50 als Rädelsführer der Krawalle ausgemachte Demonstranten festgenommen.

Die Regierungsgegner erklärten ihrerseits, hunderte Aktivisten aus den eigenen Reihen seien bei der Niederschlagung ihrer Proteste durch Sicherheitskräfte verletzt worden.

Die Proteste der proeuropäischen Opposition dauern seit Ende November an. Die Demonstranten kritisierten die Entscheidung von Präsident Viktor Janukowitsch, ein über Jahre ausgehandeltes Assoziierungsabkommen mit der EU nicht zu unterzeichnen.

Mittlerweile richtet sich ihr Protest auch gegen das deutlich beschnittene Demonstrationsrecht. Ein entsprechendes Gesetzespaket war am Dienstag in Kraft getreten.

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