Indien

Debatte in Indien nach Serie von Massenvergewaltigungen

Vergewaltigungen in Indien werden zum Thema (Symbolbild)

Vergewaltigungen in Indien werden zum Thema (Symbolbild)

Eine Serie von Massenvergewaltigungen hat in Indien eine Debatte über die Sicherheit von Frauen und ihren Status ausgelöst. Innerhalb eines Monats gab es im Bundesstaat Haryana ein Dutzend Fälle, bei denen meist mehrere junge Männer oft minderjährige Mädchen verschleppten.

Einen vorläufigen Höhepunkt erreichte die schreckliche Serie am Wochenende, als sich ein 16 Jahre altes Mädchen mit Benzin übergoss und anzündete. Auf dem Sterbebett im Spital erzählte die junge Frau, zwei Jungen aus ihrer Nachbarschaft hätten sie vergewaltigt, wie lokale Medien berichteten.

Der erste Vorfall war Mitte September ans Licht gekommen, als der Vater eines vergewaltigten Mädchens Selbstmord beging. Seitdem wurden zahlreiche weitere Opfer gezählt.

Die Regierung des Bundesstaates setzte ein Komitee ein, das die Übergriffe untersuchen soll. Die lokale Frauenministerin, Krishna Tirath, forderte schnelle Gerichtsverfahren und landesweite Programme für eine grössere Sicherheit von Frauen.

Gandhi setzt Zeichen

Die Chefin der Kongresspartei, Sonia Gandhi, reiste am Dienstag in das nordindische Sachhakhera zur Familie eines der Opfer und forderte "die heftigste Strafe", wie die Nachrichtenagentur IANS berichtete.

Gandhi, die zum mächtigen Gandhi-Nehru-Clan gehört und als Indiens heimliche Herrscherin gilt, setzte mit ihrer Reise ein Zeichen. Sie machte klar, dass diese Übergriffe nicht nur in Haryana, sondern überall im Land aufhören müssten. "Ich kritisiere diese Vorgänge in stärkster Weise", sagte sie laut IANS.

Geschlechterverhältnis als Ursache

Indische Frauenrechtlerinnen machten auf das Geschlechterverhältnis in Haryana verantwortlich - auf 1000 Männer kämen wegen der häufigen Tötung von weiblichen Föten nur 830 Frauen.

"Das Geschlechterverhältnis in Haryana ist so schlimm, dass Jungs keine Mädchen für die Heirat finden", sagte eine Sprecherin der Indischen Demokratischen Frauenvereinigung AIDWA dem Fernsehsender CNN-IBN. "Solche Faktoren schaffen eine Umgebung, die nicht sicher ist für Frauen."

Eine lokale, einflussreiche Gruppe forderte, das Heiratsalter zu senken, um die Vergewaltigungen zu verhindern. "Jungs und Mädchen sollten mit 16 Jahren verheiratet sein, damit sie nicht herumstreunen", sagte einer ihrer Sprecher der Zeitung "The Hindu". Tirath wies diese Ideen als "lächerlich" zurück.

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