100 Jahre Bauzeit

Das Wahrzeichen von Barcelona ist endlich fertig

Das Hauptschiff der «Sagrada Familia» ist nach über 100-jähriger Bauzeit fertig. Der Papst weiht die ewige Baustelle.

Am Sonntag weiht Papst Benedikt XVI. Europas berühmteste Baustelle zur Basilika: den Kirchentempel «Sagrada Familia» (Heilige Familie), der
im Zentrum der katalanischen Hauptstadt Barcelona in den Himmel wächst. Riesige Baukräne über den fast 120 Meter hohen Türmen signalisieren, dass dieses Werk noch lange nicht beendet ist. Doch schon jetzt gilt die Kathedrale des Architekten Antoni Gaudí, deren Bau vor 128 Jahren begonnen wurde, als eines der genialsten Kirchenbauwerke der Welt.

Von der Baustelle zum Tempel

Das Hauptschiff ist nun fertig, der Altar poliert. Bauarbeiter tragen Werkzeuge und Materialien heraus. Putzkolonnen wienern den Kirchenraum des berühmtesten Tempels Spaniens. Panzerglasplatten werden zum Schutz des Papstes installiert, Baugerüste an der Aussenfassade mit grossen Tüchern verhängt. Mehr als ein Jahrhundert nach Beginn der Arbeiten können im 90 Meter langen Hauptgewölbe des Gotteshauses, das von der Unesco bereits 2005 zum Weltkulturerbe ernannt wurde, Messen gehalten werden. «Endlich verwandeln wir uns von einer Baustelle in einen wahren Tempel», freut sich Joan Rigol.

Noch weitere 20 Jahre Baulärm

Der Mann ist Präsident jenes Fördervereins, der den Kathedralenbau allein mit Spenden, Eintrittsgeldern und dem Verkauf von Souvenirs finanziert. Etwas mehr als 20 Millionen Euro kommen so jedes Jahr in die Kasse. Genug, um das Jahrhundertbauwerk weiter wachsen zu lassen. Aber zu wenig, um die kreative Riesenkirche zügig zu Ende bauen zu können. So wird die Ruhe des Tempels wohl noch weitere 20 Jahre von Baulärm gestört werden.

Mehr als zwei Millionen Touristen kommen jedes Jahr, um das Wunderwerk von Antoni Gaudí zu bestaunen. Die «Heilige Familie» ist das meistbesuchte Monument Barcelonas und zum Wahrzeichen der Mittelmeermetropole im Nordosten Spaniens geworden. Die «Sagrada Familia» soll in der Zukunft nicht nur «ein Treffpunkt der Religiosität» sein, sagt Rigol. Sondern auch Begegnungsstätte «der Kunst und Kultur» und eines «würdevollen Tourismus».

Es ist ein eigenwilliger und reichlich dekorierter Steintempel, der zuweilen an eine gigantische Sandburg erinnert. Und der in der Vergangenheit immer wieder Konflikte mit Vertretern der traditionellen Baukunst heraufbeschwor, die sogar den Abriss dieses «Monstrums» forderten. Gaudís Architektur ignoriert weitgehend die klassischen Baustile, unterwirft sich vor allem der Natur.

Eben erst ist neues Unheil am Gaudi-Tempel vorbeigezogen: eine Tunnel-Bohrmaschine, die gleich unterhalb der Kathedrale eine Megaröhre für die neue Schnellzugstrecke zwischen Barcelona und dem französischen Perpignan vorantreibt. Rigol hatte vor Gericht versucht, den staatlichen Eisenbahntunnel mit elf Meter Durchmesser aufzuhalten. Weil er Sorge hatte, dass die Riesenhöhle die Standsicherheit seiner Kirche gefährden könnte. Vergeblich. Nun kann Rigol – wenigstens vorerst – aufatmen: Messgeräte am Tempel haben bisher keine Statikschäden festgestellt.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1