US-Wahlen

Das ist der Barack Obama der Republikaner

Marco Rubio

Marco Rubio

Der neu gewählte US-Senator aus dem Bundesstaat Florida gibt den Rebell – und er gilt als Günstling der Tea-Party-Bewegung. Wie macht Marco Rubio das bloss?

Seine Anhänger verweisen auf die zuverlässig konservativen Positionen, die der Republikaner vertritt, auf sein blendendes Aussehen und die vier niedlichen Kinder, die Rubio mit seinem Schulschatz hat – eine perfekte Mischung für einen amerikanischen Politiker.

Vergessen geht dabei, dass es sich beim 39-Jährigen um einen Karrierepolitiker handelt: Seit 1998 hat er öffentliche Ämter inne. Neun Jahre lang politisierte er im Staatsparlament von Florida, das er von 2007 bis 2009 gar präsidierte. Alte Weggefährten weisen darauf hin, dass Rubio in diesen Ämtern keinesfalls ein sturer Ideologe, vielmehr offen für Kompromisse war.

Beeindruckender Aufstieg

Vielleicht ist es die Lebensgeschichte von Marco Rubio, die das breite Publikum inspiriert. Gerne sprach der begnadete Kommunikator im Wahlkampf über seinen beeindruckenden Aufstieg aus einfachsten Verhältnissen – den er als Beweis dafür ins Feld führt, dass die USA immer noch eine Sonderstellung unter den Ländern dieser Erde einnehmen. Einer seiner Standardsätze lautet: «Amerika ist nicht nur anders, Amerika ist besser.»

Rubio wurde 1971 als Sohn von Exil-Kubanern geboren, die nach Fidel Castros Machtübernahme in die USA flüchten mussten. «Meine Eltern sprachen kein Englisch, hatten kein Geld und keine Freunde», als sie in Miami ankamen, pflegte Rubio zu sagen. Sie waren allerdings harte Arbeiter: Vater Mario, der zwei Monate vor dem Wahltag starb, schuftete jede Nacht in einer Bar; Mutter Oria verdiente ihr Geld als Zimmermädchen in einem Hotel und als Handlangerin in einem Supermarkt. «Sie haben auf viel verzichtet, damit ich den amerikanischen Traum leben konnte.» Rubio, ein begnadeter Sportler, schloss 1996 die University of Miami ab, entschied sich aber gegen eine Karriere als Jurist. Stattdessen stieg er in die Politik ein.

Vieles an Rubios Lebensgeschichte erinnert an einen anderen berühmten Politiker: den heutigen Bewohner des Weissen Hauses. Auch der US-Präsident versicherte im Wahlkampf 2008 seinem Publikum fast gebetsmühlenartig, wie aussergewöhnlich die USA doch seien. Rubio ist aber auch ein attraktiver Politiker, weil er aus einer Bevölkerungsgruppe stammt, die in Amerika rasant wächst und die nun eine neue Symbolfigur vorweisen kann.

Glücksfall für die Konservativen

Augenfällig ist, wie offen Rubio zu diesen Wurzeln steht: «Ich werde immer der Sohn von Exilanten sein», sagte er in seiner Siegesrede. «Ich werde immer der Erbe zweier Generationen mit unerfüllten Träumen sein.» Damit ist er geradezu ein Glücksfall für seine Partei: Die Republikaner versuchen schon lange, einen direkten Draht zu den Latino-Wählern zu finden. Denn obwohl diese häufig ähnlich konservative Familienwerte vertreten, kommt es immer wieder zu Verstimmungen und Meinungsverschiedenheiten.

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