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Das Coronavirus ruft dunkle Erinnerungen wach

Neue Infektionen: China riegelt Millionenstadt Wuhan ab

Neue Infektionen: China riegelt Millionenstadt Wuhan ab

Die bestätigten Fälle des Coronavirus sind in China auf 571 gestiegen. Auch die Anzahl der Todesfälle ist auf 17 gestiegen. Die chinesische Regierung hat darum die besonders schwer von der Lungenkrankheit betroffene Stadt Wuhan praktisch abgeriegelt. Laut der Stadtverwaltung sollen ab Donnerstagmorgen alle Flüge, Züge, Fähren und Fernbusse gestoppt werden.

Die Chinesische Bevölkerung sorgt sich zunehmend vor einer neuen Virusepidemie – die Behörden wollen diesmal transparent informieren.

Die Sicherheitskräfte an den U-Bahn-Eingängen tragen sie, die Touristen mit ihren Rollkoffern ebenfalls, genauso wie die Kleinkinder an den Händen ihrer Mütter: Atemschutzmasken sind spätestens seit Dienstag omnipräsent im Pekinger Stadtbild. Etwa jeder zweite Passant auf der Strasse führt einen solchen Schutz im Gesicht – der sichtbare Beweis für das zunehmende Unwohlsein innerhalb der chinesischen Bevölkerung.

«Unbequem sind die Masken, es zwickt und drückt an den Ohren», sagt eine Endzwanzigerin im halb leeren Express-Zug in Richtung Flughafen. Genau wie 400 Millionen weitere Chinesen macht sie sich zum bevorstehenden Neujahrsfest zum Familienbesuch auf. Mit einem mulmigen Gefühl werde sie ins Flugzeug steigen, sagt die Angestellte einer Baufirma. Der Coronavirus ruft dunkle Erinnerungen wach: «Der Sars-Virus ist auch weit entfernt in Südchina ausgebrochen. Doch am Ende ging es ganz schnell, bis Peking gefährlich wurde», sagt sie.

Sars scheint tödlicher und ansteckender

Im Jahr 2002 brach die Sars-Epidemie aus, genau wie beim jetzigen Erreger handelte es sich auch damals um einen Coronavirus. Laut Experten scheint Sars jedoch sowohl ansteckender als auch tödlicher gewesen zu sein, zumindest die bisherigen Infektionsraten legen das nahe. Rund 800 Menschen kamen ums Leben.

Vor allem sollten die Behörden von ihren Fehlern lernen – denn damals gingen sie intransparent vor und versuchten viel zu lange, das wahre Ausmass der Epidemie zu verschleiern. Genau diesem Vorwurf scheinen die Behörden entschieden entgegenzuwirken. Am Dienstag hatte etwa die Kommission für Politik und Recht der Kommunistischen Partei auf dem sozialen Netzwerk Weibo ihre Kader in den Provinzen zu möglichst viel Transparenz aufgefordert. Wer Infektionen vertusche, gehe «als Sünder in die Geschichte» ein. Bei Sars habe die mangelnde Informationspolitik «der Glaubwürdigkeit der Regierung geschadet». Nur durch konsequente Offenlegung von Informationen könne die Bedrohung eingedämmt werden.

Für chinesische Verhältnisse ist dies ein beachtenswertes Zeugnis öffentlicher Selbstkritik. Ebenso beachtenswert ist allerdings auch, dass ebenjener «Weibo»-Eintrag nur wenige Stunden später vom sozialen Netzwerk gelöscht wurde.

Von der damaligen Panikstimmung ist die chinesische Hauptstadt nach bisher neun bestätigten Todesfällen im Land bislang noch weit entfernt. Es lässt sich allerdings leicht ausmalen, welch fruchtbaren Boden der Coronavirus zur Ausbreitung in der 21-Millionen-Metropole hätte: riesige Apartmentanlagen, überfüllte U-Bahn-Züge und eine hohe Fluktuation von Landarbeitern aus den Provinzen.

Nordkorea schliesst Grenzen für Touristen

Zu einem radikalen Schritt hat unterdessen Nordkorea gegriffen: Gestern hat der Staat sämtliche Reiseagenturen informiert, den internationalen Tourismus im Land bis auf weiteres zu pausieren. Als Grund nannte man in einem Schreiben «die rapide Ausbreitung» des Coronavirus in China. Für die Kim-Diktatur wäre ein Ausbruch der Lungenkrankheit ausserordentlich bedrohlich: Das Gesundheitssystem gilt als katastrophal, es fehlt an Medikamenten, Antibiotika und grundlegendster Ausrüstung in den Spitälern. Doch ob das Streichen vom Tourismussektor zum Schutz ausreicht, ist unklar: Entlang der chinesisch-nordkoreanischen Grenze herrscht ein reger Schmuggel sowie Austausch von Waren und Personen.

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