Sepp Blatter

Darum gings bei der Razzia in Platinis Büro

Die Durchsuchung fand in den Räumlichkeiten des französischen Fussballverbandes statt. (Archiv)

Die Durchsuchung fand in den Räumlichkeiten des französischen Fussballverbandes statt. (Archiv)

Der Schweizer Bundesanwalt liess die Büros des französischen Fussballverbandes in Paris durchsuchen.

Auf Ersuchen der Schweizer Bundesanwaltschaft haben die französischen Behörden eine Hausdurchsuchung am Sitz des Französischen Fussballverbandes (FFF) in Paris durchgeführt. Die Polizeioperation erfolgte rund um die Korruptionsvorwürfe gegen den ehemaligen Fifa-Präsidenten Sepp Blatter und den Ex-Nachfolgekandidaten Michel Platini. Auch Schweizer Beamte waren anwesend.

Wie es in einer Stellungnahme hiess, wurden Dokumente «im Zusammenhang mit der mutmasslichen Zahlung der zwei Millionen Franken beschlagnahmt, die unter anderem Gegenstand des Verfahrens ist».

Blatter bezeichnete sich als «sehr überrascht» von der Durchsuchung der FFF-Büros und erklärte: «Ich weiss nicht, was die da suchen.» Der Vertrag zwischen Platini und ihm sei mündlich abgeschlossen worden, was nach Schweizer Recht genüge; der FFF habe damit nichts zu tun. «Die fragliche Zahlung ging nicht an den FFF oder die Uefa, sondern auf das private Konto von Michel Platini bei einer Schweizer Bank», sagte Blatter gestern, um sarkastisch anzufügen, es sei «schön», dass sein Name pünktlich zu seinem Geburtstag wieder in die Schlagzeilen gerate. Der Walliser wird am Donnerstag 80 Jahre alt.

Platinis Anwälte freut es

Platinis Anwälte begrüssten die Durchsuchung und zeigten sich erfreut, dass das Verfahren vorwärtskomme. «Je schneller die Schweizer Justiz ihre Ermittlung abgeschlossen hat, desto schneller wird Michel Platini aus den Skandalschlagzeilen verschwinden, in denen er keinen Platz hat», heiss es in einem Communiqué. 

Der 60-jährige Ex-Fussballer, der wegen der Korruptionsvorwürfe nicht für den Fifa-Vorsitz kandidieren konnte, bleibt ausserdem nur Zeuge in dem Verfahren. Gegen Blatter läuft hingegen seit September 2015 ein Verfahren wegen des «Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung und eventuell auch wegen Veruntreuung». Beide Sportfunktionäre sind von der Fifa-Ethikkommission Ende 2015 wegen der unklaren Zahlung für sechs Jahre gesperrt worden.

Platinis Anwälte hoffen, dass die Hausdurchsuchung ihren Klienten in der Sache entlasten werde. Der frühere französische Nationalspieler hatte von 1999 bis 2002 zusammen mit zwei Mitarbeitern ein Büro am Pariser Sitz des FFF belegt. Dabei soll er als Berater für die Fifa tätig gewesen sein. Seine Anwälte sehen darin einen Beweis, dass Platini für die ominösen zwei Millionen Franken wirklich gearbeitet habe. Denn seine zwei Mitarbeiter waren von der Fifa ab 1999 durch Verträge mit der FFF entlöhnt worden; auch die Miete der Büros wurde vom FFF der Fifa in Rechnung gestellt. Nur Platini wurde in diesen schriftlichen Verträgen nicht erwähnt. Seine Anwälte schliessen daraus, dass er anderweitig entlöhnt worden sei – eben durch den Handschlagvertrag mit Blatter.

Zwei laufende Ermittlungen

Sollte sich diese Darstellung als richtig erweisen, würde dies indirekt auch den Schweizer Ex-Fifa-Chef entlasten. Platini, der seine Ambitionen auf den Fifa-Vorsitz äusserst ungern begrub, würde zweifellos Entschädigung verlangen, dass sein letzter Karrieresprung an die Fifa-Spitze durch die Ermittlungen verhindert wurde. Bis am Donnerstag konnte er allerdings nicht plausibel darlegen, warum er lange Jahre wartete, bis er die säumige Fifa an die Zahlung der zwei Millionen Franken erinnerte.

Im Fifa-Skandal laufen derzeit zwei Ermittlungen. Das Schweizer Strafverfahren kreist um die Vergabe der Fussball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 an Russland und Katar, die amerikanische Justiz ermittelt rund um Medien-, Marketing- und Sponsoringrechte für Fussballturniere in Süd- und Nordamerika. 2015 wurden insgesamt neun Fifa-Funktionäre festgenommen und teilweise an die US-Behörden überstellt. Auf US-Ersuchen hat das Bundesamt für Justiz 80 Millionen Dollar auf Schweizer Bankkonten gesperrt.

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