China

Dank Solarzellen: Blauer Himmel statt stinkendem Smog über Peking

Kein Smog: Blauer Himmel über dem Himmelstempel in Peking.

Kein Smog: Blauer Himmel über dem Himmelstempel in Peking.

Die chinesische Hauptstadt erlebt den saubersten Frühling seit Jahren. Grund: Chinas Kohleverbrauch sinkt. Die chinesische Kohleindustrie gilt als grösster Emittent vonTreibhausgasen der Welt. Und sie ist auch Verursacherin des gefährlichen Smogs.

Die Bäume blühen in frischem Grün, Vögel zwitschern, die Strassencafés sind voll. Selbst Jogger sind derzeit auf Pekings Strassen zu sehen. Und während noch vor einem Jahr dichter Smog die Wolkenkratzer der chinesischen Hauptstadt verhüllten, sind in diesen Tagen vom Stadtzentrum aus sogar die rund 50 Kilometer entfernten Westberge zu erkennen. Der Pekinger Himmel zeigt sich seit Wochen in strahlendem Blau.

Chinas Ausstoss von Treibhausgasen ist nach Angaben von Greenpeace in den ersten drei Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fünf Prozent gefallen. Der Kohleverbrauch sank sogar um mehr als sechs Prozent. Mit unmittelbaren Auswirkungen auf die Luftqualität: In Peking ist die Belastung mit den besonders krebserregenden Feinstaubpartikeln im ersten Quartal 2015 um 13 Prozent zurückgegangen. In der besonders industriereichen umliegenden Provinz Hebei hat sich die Luftqualität sogar um rund 30 Prozent verbessert.

Erneuerbare Energien im Hoch

Die chinesische Kohleindustrie gilt als grösster Emittent von klimaschädlichen Treibhausgasen der Welt. Sie ist auch Verursacherin des gefährlichen Smogs, der mehr als einer halben Milliarde Menschen an vielen Tagen im Jahr die frische Luft zum Atmen nimmt. China gewinnt rund zwei Drittel der Energie aus der Kohleverbrennung.

Doch das soll sich rasch ändern. Der chinesische Premierminister Li Keqiang hat seit seiner Amtsübernahme vor zwei Jahren mehrfach versprochen, den Umwelt- und Klimaschutz in den Mittelpunkt seiner Politik zu stellen. Die staatlichen Versorger sind seitdem verpflichtet, massiv in den Ausbau erneuerbarer Energien zu investieren.

Die Zahlen können sich sehen lassen. Hatten die Chinesen viele Jahre lang Solarzellen vor allem für den Rest der Welt hergestellt, verkaufen die chinesischen Firmen die Paneelen nun in grossen Mengen an die eigenen Landsleute. So haben sie 2014 mit rund 12 Gigawatt dreimal so viele neue Solaranlagen errichtet wie im Jahr zuvor. Mit 18 zusätzlich installierten Gigawatt Windenergie im vergangenen Jahr kommt China auf insgesamt 115 Gigawatt Windkapazität – mehr Leistung als alle US-Atomkraftwerke zusammen.

Noch diesen Monat will die chinesische Führung ihren nationalen Plan zum Klimaschutz einreichen. «Ich bin zuversichtlich, dass eine klare Wende weg von fossilen Brennstoffen, hin zu erneuerbaren Energien Bestandteil dieses Plans sein wird», sagt Wu Changhua von der internationalen Climate Group. In Paris werde China womöglich nicht mehr als Sündenbock in der Ecke sitzen, sondern zu den treibenden Kräften gehören.

Meistgesehen

Artboard 1