«Was in Wien funktioniert, könnte auch in Brüssel funktionieren», hat Ungarns Premierminister Viktor Orbán kürzlich bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem am Samstag zurückgetretenen österreichischen Vize-Kanzler Heinz-Christian Strache gesagt. Und auch Italiens rechtspopulistischer Innenminister Matteo Salvini sprach sich dafür aus, das «österreichische Modell» auf Europa zu übertragen. Nach diesem Wochenende allerdings dürfte sich in der Europäischen Volkspartei (EVP) kaum noch jemand finden, der ernsthaft eine Kooperation mit den rechts-nationalistischen Kräften herbeiführen möchte. Immerhin ist das «österreichische Modell» mit dem Ende der Koalition in Wien gerade spektakulär gescheitert.

Manfred Weber, der EVP-Spitzenkandidat für die Europa-Wahlen, fand am Samstag deutliche Worte. «Die unpatriotischen Nationalisten verkaufen ihre Länder und Werte», sagte Weber mit Blick auf Österreich und die Enthüllungen um Strache. Und auch die Chefin der deutschen CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer, sagte: «Diese Menschen dürfen in Europa keine Verantwortung übernehmen.»

Eine Öffnung der europäischen Christdemokraten gegenüber der rechten Allianz, die Matteo Salvini im EU-Parlament zimmern will, scheint damit vom Tisch. Denn nicht nur die FPÖ, sondern auch Marine Le Pens Rassemblement National (ehemals Front National), Salvinis Lega und die deutsche AfD sind bekanntlich Russland-affin und pflegen entsprechende Kontakte.

Was die Affäre Strache für die Rechts-Nationalen bei den Europawahlen kommende Woche bedeutet, bleibt abzuwarten. Der Verlust von Strache, einem ihrer Aushängeschilder, bedeutet auf jeden Fall einen herben Dämpfer. Bei der von Salvini organisierten Zusammenkunft am Samstag in Mailand zeigte man sich wortkarg. Marine Le Pen sagte bloss, sie fände es «erstaunlich», dass das Video wenige Tage vor der Europawahl aufgetaucht sei. AfD-Chef Jörg Meuthen hingegen meinte, dass die FPÖ eine «enge Partnerin» bleibe und man ihr wegen einer «singulären Angelegenheit» nicht «in den Rücken fallen» werde.