Good News

Corona bringt die Delfine zurück...

Ungewöhnlicher Anblick: ein Delfin am Bosporus. Die Meeressäuger sind zurückgekehrt. (Bild: Yasin Akgul/AFP, Istanbul, 26. April 2020)

Ungewöhnlicher Anblick: ein Delfin am Bosporus. Die Meeressäuger sind zurückgekehrt. (Bild: Yasin Akgul/AFP, Istanbul, 26. April 2020)

... und fünf weitere gute Nachrichten, die unsere Korrespondenten entdeckt haben: Es gibt sie, die Lichtblicke mitten in der Pandemie.

Türkei: Delfine zurück am Bosporus

Die Coronapandemie hat geschafft, was bisher noch nie gelungen ist: Das Virus hat den Lärm in der 16-Millionen-Stadt Istanbul abgestellt, die Luftverschmutzung weggeblasen und der Tierwelt eine Atempause verschafft. Der Schiffsverkehr auf dem Bosporus, einer der belebtesten Wasserstrassen der Welt, ist eingeschränkt. Unter Wasser ist dagegen umso mehr los: Delfine können in der Meerenge weitgehend ungestört nach Fischen jagen.

Normalerweise sind Delfine in Istanbul ein seltener Anblick, weil die Meeressäuger wegen des Lärms von Frachtern, Fähren und Ausflugsbooten äusserst vorsichtig sind. Doch nun tauchen Delfinschulen manchmal sogar nah am Bosporusufer auf. Bei ihrer Jagd werden sie häufig von Möwen begleitet, die darauf warten, dass ein paar Fische für sie abfallen. Da an den Wochenenden weder Fischerboote noch Angler den Delfinen Konkurrenz machen, machen sie leichte Beute. (güs)

Frankreich: Freie Fahrt für Velos

In Paris schien ein zusammenhängendes Radnetz undenkbar. Doch Corona macht es möglich: Die rechte Fahrspur zahlreicher Boulevards und Einfallachsen ist in den letzten Tagen mit gelber Farbe und Plastikpollern in breite Radwege der Luxusklasse verwandelt worden. Bis im Juni werden in Paris so 50 Kilometer neue Radwege entstehen. Velofahren ist landesweit im Trend. Im Lockdown ist die Luftverschmutzung erstmals seit langem wieder auf akzeptable Werte gesunken. Autostaus gibt es kaum mehr.

Die Regierung zahlt allen Radbesitzern 50 Euro für die Instandsetzung ihres alten Stahlrosses. Stadtpräsidentin Anne Hidalgo will nun auch das historische Zentrum um den Louvre ganz autofrei machen. Bei den Endstationen der Metro sind in den letzten Tagen 2000 neue Park-and-ride-Plätze entstanden. Und falls es in Paris nach der Pandemie wieder zu den obligaten Staus kommt, will Hidalgo nur noch die Hälfte der Autos in der City zulassen – gerade Nummern an einem Tag, ungerade am nächsten. (brä)

Zypern: Der Präsident liest Märchen vor

Um den unter dem strengen Lockdown leidenden Kindern seines Landes eine Freude zu bereiten, dachte sich Zyperns Präsident Nicos Anastasiades etwas Besonderes aus: Er ging ins Märchenmuseum von Nikosia und las aus dem «Kleinen Prinzen». Die mit ruhiger Stimme vorgetragene Erzählung des französischen Autors Antoine de Saint-Exupéry löste auch bei den Erwachsenen Begeisterung aus.

Tausende Male wurde Anastasiades’ Video auf Facebook aufgerufen. Der ansonsten eher blasse Präsident hat die Pandemie bisher mit viel Geschick gemeistert – und zur Krise passende literarische Akzente gesetzt. Denn jetzt wissen die Menschen auch auf der geteilten Mittelmeerinsel, «dass man nur mit dem Herzen gut sieht» – und «das Wesentliche für die Augen unsichtbar ist». (wra)

Italien: Gourmetküche für die Armen

Köche, auch die berühmtesten unter ihnen, haben derzeit wenig Arbeit. Was liegt also näher, als seine Künste in den Dienst derjenigen zu stellen, die von der Coronakrise am schwersten getroffen wurden und die sich auch in normalen Zeiten einen Besuch im Gourmetrestaurant niemals leisten könnten? So ist in Kalabrien die Aktion «Die Solidarität ist aufgetischt» entstanden: 29 Spitzenköche bereiten in der ärmsten Region Italiens täglich Hunderte Gerichte zu, die an die Bedürftigen verteilt werden.

Einer der Köche ist Filippo Cogliandro in Reggio Calabria: Er ist landesweit bekannt geworden, weil er als erster Spitzenkoch der ’Ndrangheta das Schutzgeld verweigerte. «Ich bin stolz darauf, nun auch bei dieser neuen Initiative meinen Beitrag leisten zu können», sagt Cogliandro. (str)

Österreich: Die Heimat neu entdecken

Österreichs Tourismuswirtschaft hat einen Silberstreif am Horizont gefunden: den Sommer. Die Küsten Italiens sind ob der Grenzschliessungen wohl unerreichbar, die Grenzen zur Schweiz und Deutschland bald aber wieder offen und die heimische Kundschaft derzeit wohl ohnehin eher Inland-orientiert – eine Mischung, die nach dem desaströsen Ende der Wintersaison Hoffnungen keimen lässt.

Es sind aber insbesondere die Binnentouristen, die kleinere Destinationen hoffen lassen: etwa das Wald- und Weinviertel an der Grenze zu Tschechien, oder das Burgenland an der Grenze zu Ungarn. Und weil Österreich-Tourismus immer auch irgendwie mit Mozart, Marzipan und Sachertorte einhergeht: Die Salzburger Sommerfestspiele (es sind die einhundertsten) sind nach wie vor nicht abgesagt. Unter welchen Bedingungen sie stattfinden sollen, ist aber nicht ganz klar. In Salzburg ist die Rede von einer Jedermann-Aufführung vor maskiertem Mini-Publikum. (sts)

Dänemark: Mit Roboter ins Klassenzimmer

Die Anwendung von Robotern hat sich mit Corona beschleunigt, sei es mit rollenden Auslieferungsgeräten oder zur Desinfektion von Spitälern und Flughäfen. In Dänemark verwendet man Roboter mit Kopf und Armen im Klassenzimmer – als Stellvertreter für Kinder mit Muskelschwund, die zur Risikogruppe gehören. Sie können den kleinen Roboter von zu Hause aus mit einer App fernsteuern, aufstrecken, mit Kamera, Mikrofon und Lautsprecher Teil der Klasse sein – sogar an Geburtstagsfesten oder auf Ausflügen.

Dies helfe fachlich und sozial enorm, erklärte die dänische Muskelschwund-Stiftung. Sie hatte ein Pilotprojekt mit den Robotern aufgegleist, doch jetzt sei die Finanzierung leichter geworden. Die Technologie erhält eine grössere Bedeutung, was die Weiterentwicklung beschleunigen dürfte – auch für andere junge Patienten, die oft krank fehlen. In Norwegen und Dänemark wurden bereits früher Roboter für krebskranke Kinder eingesetzt. (nan)

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1