USA

Clinton weicht Partei-Ausmarchung aus

Schlug sich souverän gegen ihre Kontrahenten: Clinton, Sanders, O’Malley (v.l.).Key

Schlug sich souverän gegen ihre Kontrahenten: Clinton, Sanders, O’Malley (v.l.).Key

In einer TV-Debatte zwischen den demokratischen Präsidentschaftskandidaten wurden vor allem Theme wie die Bekämpfung des Terrors und der IS, das Gesundheits- und Bankenwesen diskutiert. Dennoch schoss Hillary Clinton vor allem auf Donald Trump ein.

Zwei Entschuldigungen prägten die letzte Fernsehdebatte der demokratischen Präsidentschaftskandidaten im laufenden Jahr. Die eine kam von Hillary Clinton. «Sorry» sagte die 68-Jährige mit zerknirschtem Gesichtsausdruck, als sie nach der ersten Werbepause mit Verspätung auf die Bühne zurückkam und sich hinter ihrem Podium aufbaute.

Das Publikum im Saint Anselm College in New Hampshire lachte und klatschte – wohl auch, weil es nicht ganz nachvollziehbar war, warum sich die beiden Moderatoren des Fernsehsenders «ABC» dazu entschlossen hatten, die Debatte ohne Spitzenreiterin in den Meinungsumfragen aufzunehmen.

Die zweite Entschuldigung war substanzieller. Clinton-Konkurrent Bernie Sanders (74) war zerknirscht darüber, dass sein Wahlkampf-Team sich Zugriff auf Daten über die Unterstützer der ehemaligen Aussenministerin verschafft hatte.

«Das ist nicht der Wahlkampf, den ich führen will», sagte der Senator aus Vermont, der sich zum ernsthaften Gegner von Clinton gemausert hat. Auslöser dieses «Mea Culpa» war ein heftiger Streit, der Washington kurz vor dem Wochenende in Atem gehalten hatte.

Es war bekannt geworden, dass Sanders-Helfer Einblick in Clinton-Daten genommen hatten, weil die «Firewall», die solche Spitzeleien verhindern sollte, nicht funktionierte. Weil die Clinton-Leute nachweisen konnten, dass die Sanders-Truppe von diesem Lapsus profitiert hatte, kappte die Parteiführung kurzerhand den Zugriff des Senators auf sämtliche Daten seiner Unterstützer – worauf Sanders die Demokraten vor Bundesgericht einklagte.

Später einigten sich die drei Streitparteien, dank dem Versprechen von Sanders, der ganzen Angelegenheit auf den Grund zu gehen. In der Nacht auf gestern aber nutzte der Senator den Vorfall erneut, um der Parteiführung vorzuwerfen, seinen Wahlkampf zu sabotieren.

Dieser Vorwurf richtete sich explizit gegen die Demokraten-Chefin Debbie Wasserman Schultz, die während der Debatte im Publikum sass und deren Gesichtsausdruck sich zusehends verfinsterte.

Streit um die Zukunft Assads

Hillary Clinton verzichtete darauf, weiter Öl ins Feuer zu giessen. Stattdessen sagte sie, es gebe wichtigere Themen zu diskutieren. In der Tat: Die zwei Stunden dauernde Debatte der Demokraten drehte sich um Fragen wie die Bekämpfung der Terror-Miliz IS, die Grossbankenregulierung und den Zustand des amerikanischen Gesundheitswesens.

Clinton wirkte souverän, und vermied es, die Kontraste mit ihren Kontrahenten in den Vordergrund zu stellen. Stattdessen kritisierte sie regelmässig und herzhaft den führenden republikanischen Kandidaten. An einer Stelle warf sie Donald Trump gar vor, er sei «der beste Anwerber» von IS, weil die Terror-Truppe seine Aussagen über Muslime und den Islam zur Rekrutierung von neuen Kämpfern nutzten.

Sanders gab sich kämpferisch, wie fast immer, und präsentierte sich als einziger Kandidat, der für die gebeutelte Mittelklasse einstehe. Er vertrat die Meinung, dass Clintons aggressive Aussenpolitik den Interessen Amerikas schade.

«Wir können nicht länger Weltpolizisten sein», sagte Sanders. Auch verstehe er nicht, dass Clinton unbedingt den syrischen Diktator Assad stürzen wolle. Priorität habe derzeit der Sieg über den IS.

Auf der Bühne stand übrigens auch noch ein dritter Kandidat: Martin O’Malley, ehemaliger Gouverneur von Maryland. Er versuchte mehrmals, Schwung in die Debatte zu bringen, in dem er Clinton und Sanders hart attackierte. «Beruhige dich ein bisschen», gab Senator Sanders nach einer Breitseite trocken zurück.

Dem Publikum ging O’Malley zu weit, als er auf den Altersunterschied zwischen ihm, dem 52-Jährigen, und seinen Konkurrenten aufmerksam machte. Er wurde herzhaft ausgebuht. Kommentar rechts

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