USA

Clinton oder Trump: Das Dilemma der unentschlossenen Republikaner

Der Republikaner Pat Toomey und die Demokratin Katie McGinty in einer Fernsehdebatte.Matt Rourke/AP/Keystone

Der Republikaner Pat Toomey und die Demokratin Katie McGinty in einer Fernsehdebatte.Matt Rourke/AP/Keystone

Im Schatten des Präsidentschaftswahlkampfs kämpft der Republikaner Pat Toomey aus Pennsylvania um seine Wiederwahl.

Terry ist sauer. Sein Senator drücke sich um eine klare Stellungnahme, sagt der bullige Mann, der eine Mütze trägt, die ihn als Anhänger des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump identifiziert. Dabei sei die Ausgangslage doch glasklar, sagt Terry: Wer sich am 8. November nicht für «Mr. Trump» entscheide, der wähle die Demokratin Hillary Clinton. Deshalb müsse sich der Senator endlich öffentlich festlegen, sagt Terry, der seinen Nachnamen nicht nennen will.

Senator Pat Toomey aber, gegen den sich Terrys Zorn richtet, lässt sich nicht aus der Reserve locken. Geduldig erklärt der 54-jährige Republikaner, der den Bundesstaat Pennsylvania seit 2011 im US-Senat vertritt, seinem Parteifreund: Er habe «ernsthafte Bedenken» gegen den Präsidentschaftskandidaten der Republikaner und deshalb müsse er seine Entscheidung sorgfältig abwägen. Natürlich wolle er eine Präsidentin Clinton verhindern, versichert Toomey – aber zum grossen Ärger der Trump-Anhänger scheint er nicht bereit zu sein, dafür seine Karriere aufs Spiel zu setzen. «Ich führe einen unabhängigen Wahlkampf und spreche mich mit niemandem ab», sagt er stattdessen.

Toomey verkörpert das Dilemma, in dem sich derzeit zahlreiche Amtsträger der Republikanischen Partei befinden. Er kämpft am 8. November, im Windschatten der Auseinandersetzung zwischen Hillary Clinton und Donald Trump, um sein politisches Überleben. Will er wiedergewählt werden, muss er im tendenziell demokratischen Bundesstaat Pennsylvania die Mitte ansprechen, ohne dabei die konservative Parteibasis und die populistischen Trump-Anhänger vor den Kopf zu stossen. Deshalb übt sich Toomey im Spagat.

Offenes Ohr für Nichtrepublikaner

Der umgängliche Senator gibt den grundsoliden Volksvertreter, der ein offenes Ohr für die Anliegen von Menschen hat, die nichts mit seiner Partei (und dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten) zu tun haben wollen. Während eines kurzen Auftritts in einem Restaurant in Ambridge – einem alten Industrie-Städtchen, in dem einst der Stahl für das Empire State Building gegossen wurde – schneidet der Senator zwei Themen an, mit denen er in dieser konservativen Gegend punkten will. So spricht er über «die Absurdität», dass sich das Polizeidepartement von Philadelphia dagegen wehre, mit der Einwanderungsbehörde zusammenzuarbeiten – mit furchtbaren Folgen, wie die Vergewaltigung eines kleinen Mädchens durch einen vorbestraften Mann aus Honduras beweise. Und er wettert gegen seine Kontrahentin Katie McGinty, die kein eigenes Profil besitze. Toomey bezeichnet sie als «Ja-Sagerin», die durch das «demokratische Establishment» in Washington rekrutiert wurde, zu dem er den einflussreichen Senator Chuck Schumer aus New York und die Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton zählt.

Es geht auch um die Senatsmehrheit

Und weil diese Botschaft mit dem Bombast Trump nicht mithalten kann, hat Toomey an diesem nasskalten Herbsttag Verstärkung mitgebracht: drei Senatskollegen aus North Carolina, Alaska und Colorado, die den Parteifreunden über den Klee für seine «Unabhängigkeit» und seine «Gradlinigkeit» loben. Das Staraufgebot – das in einem Missverhältnis zum kleinen Publikum steht, das höchstens 40 Personen zählt – verdeutlicht zudem, dass es am 8. November in Pennsylvania um weit mehr geht als um die Entscheidung zwischen Pat Toomey und Katie McGinty. Zur Wahl steht auch die republikanische Mehrheit im Senat, der kleinen Parlamentskammer. Derzeit stellt die konservative Partei
54 Mandate, während die demokratische Fraktion 46 Mitglieder zählt.

Politbeobachter sagen, dass der Ausgang des Rennens zwischen Republikanern und Demokraten in sechs Staaten auf der Kippe stehe – nebst Pennsylvania gehören Nevada, Missouri, Indiana, North Carolina und New Hampshire zu dieser exklusiven Gruppe. Dabei werden unfassbare Geldbeträge investiert. Allein in Pennsylvania wird der Wahlkampf bis zum 8. November mehr als 120 Millionen Dollar verschlingen. In New Hampshire – einem Staat mit 1,3 Millionen Einwohnern – werden Demokraten und Republikaner bis zu 100 Millionen Dollar verprassen. Zum Vergleich: Trump gab bisher für seinen landesweiten Wahlkampf etwas mehr als 189 Millionen Dollar aus.

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