Chodorkowski will nicht nach Russland zurückkehren, wo ihm nach eigenen Angaben eine millionenschwere Zivilklage droht. Der frühere Kremlgegner hat nach offiziellen Angaben 17,5 Milliarden Rubel (rund 480 Millionen Franken) Schulden beim russischen Staat. Die Summe geht zurück auf ein umstrittenes Strafverfahren von 2003 wegen Steuerbetrugs beim mittlerweile zerschlagenen Ölkonzern Yukos.

Dem Vernehmen nach will Chodorkowski in die Schweiz, wo seine beiden Zwillingssöhne Gleb und Ilja zur Schule gehen. Mit seiner zweiten Frau Inna hat er ausserdem eine Tochter namens Anastasia. "Er wartet auf die Ankunft seiner Familie. Sie werden sich zusammensetzen und das alles besprechen", sagte Pispanen über die Zukunftspläne der Familie.

Am Wochenende hatte Chodorkowski in Berlin seine Eltern Marina und Boris sowie seine erste Ehefrau Jelena und den gemeinsamen Sohn Pawel getroffen. Der 28-jährige Pawel lebt in den USA.

Rückkehr juristisch ermöglichen

2015 könnte Chodorkowski auch ohne Bezahlung seiner Millionenschulden beim russischen Staat nach Moskau zurückkehren. Die Staatsduma bereite ein Gesetz vor, das künftig eine private Bankrotterklärung ermögliche, sagte der Parlamentsabgeordnete, Sergej Gawrilow, der Zeitung "Iswestija" vom Dienstag.

Chodorkowski war als Chef des Ölkonzerns Yukos 2003 festgenommen und wegen umstrittener Finanzgeschäfte in zwei Prozessen zu langjähriger Lagerhaft verurteilt worden. Am Freitag wurde er nach mehr als zehn Jahren begnadigt und freigelassen, woraufhin er nach Berlin ins Exil reiste. Deutschland stellte ihm ein Visum für ein Jahr aus. Regulär wäre Chodorkowski erst im August 2014 aus dem Straflager entlassen worden.

Verzicht auf Eigentum

Chodorkowski geht davon aus, dass Putin ihn begnadigt hat, weil er ausreiste. Ausserdem verzichtet Chodorkowski auf die Rückgabe seines früheren Eigentums und darauf, die russische Opposition zu unterstützen.

Menschenrechtler hatten gehofft, dass sich der Regierungskritiker als "moralische Instanz" beim Aufbau der Zivilgesellschaft in Russland beteiligen könnte.