Ursprünglich war nur von "Störung öffentlicher Dienste" die Rede gewesen. Mit dem neuen, schweren Vorwurf droht dem 50-Jährigen jetzt sogar eine mehrjährige Haftstrafe. Der kritische Jurist ist das jüngste Opfer der seit mehr als zwei Jahren anhaltenden Verfolgungswelle gegen Anwälte, Mitarbeiter von Kanzleien, Aktivisten und deren Familienmitglieder.

Er war am Freitag festgenommen worden, als er seinen Sohn zur Schule bringen wollte. Seine Frau vermutet, dass die Festnahme mit seinen Forderungen nach einer Reform der Verfassung und freien Wahlen zusammenhängt.

"Wir denken, es ist das verfassungsmässige Recht eines Anwalts und Bürgers, die Freiheit der Meinungsäusserung auszuüben, angemessene Vorschläge zu machen und die Staatsorgane zu beaufsichtigen, was kein Verbrechen ist", sagte sein Anwalt am Montag.

Selbst wenn es scharfe Rhetorik sei, gehöre es zur freien Meinungsäusserung. Selbst Staats- und Parteichef Xi Jinping habe gesagt, die Partei müsse scharfe Kritik tolerieren können, argumentierte Huang Hanzhong.

Die neue Anklage sei von der Polizei in Xuzhou in der ostchinesischen Provinz Jiangsu erhoben worden, berichtete der Anwalt, ohne den Grund nennen zu können. Der erste Vorwurf der Störung öffentlicher Dienste war von der Polizei in Peking erhoben worden. Yu Wensheng wurde unter "Hausarrest an einem ausgesuchten Ort" genommen, ohne dass klar ist, wo er festgehalten wird.