China

Chinas Panzer zu klein für die Soldaten der Volksarmee

Chinas Panzer sind zu klein. Im Bild: Ein Mann fährt mit einem Spielzeugpanzer am Internationalen Schnee- und Eisfestival in Harbin. (Symbolbild)

Chinas Panzer sind zu klein. Im Bild: Ein Mann fährt mit einem Spielzeugpanzer am Internationalen Schnee- und Eisfestival in Harbin. (Symbolbild)

Die chinesische Regierung will die Armee kräftig aufrüsten. Das gab die Führung zum Auftakt des Nationalen Volkskongresses bekannt. Doch eine schlagkräftige Truppe hat sie damit noch lange nicht.

Noch im November hatte Chinas Staatspräsident Xi Jinping umfassende Reformen versprochen. Sie seien vom Ausmass her vergleichbar mit den grossen Veränderungen Ende der 70er-Jahre, kündigte er an. Vor 35 Jahren hatte der damalige Staatsführer Deng Xiaoping die Volksrepublik der Aussenwelt geöffnet und damit Chinas wirtschaftlichen Aufstieg eingeleitet.

Nun, zum Auftakt des zehntägigen Nationalen Volkskongresses, der gestern in Peking begonnen hat, hält die chinesische Führung ihr Wort. Doch während die meisten Beobachter davon ausgegangen waren, dass sie in der Sitzung dieses chinesischen Scheinparlaments dringend notwendige Reformen in der Wirtschafts- und Sozialpolitik verkündet, holte sie am ersten Sitzungstag zum Paukenschlag in einem völlig anderen Bereich aus: beim Militäretat.

Um zwölf Prozent will die chinesische Führung in diesem Jahr ihren Militärhaushalt erhöhen, auf umgerechnet 130 Milliarden Dollar. In den vergangenen Jahren lag der Anstieg bereits im oberen einstelligen Bereich. Inklusive weiterer Rüstungsausgaben, die über separate Töpfe finanziert werden, wird der gesamte Rüstungsetat auf über 200 Milliarden Dollar vermutet. Damit gibt China dreimal so viel für Verteidigung aus wie Indien und mehr als Japan, Südkorea, Vietnam und Taiwan zusammen. Nur vom Spitzenreiter, den USA, ist China noch immer weit entfernt.

«Unter Berücksichtigung der neuen Bedingungen müssen Chinas Streitkräfte modernisiert und gestärkt werden», begründet der chinesische Premierminister Li Keqiang in seinem Rechenschaftsbericht die erhöhten Rüstungsausgaben. Was er damit konkret meint, führte er in seiner Auftaktrede ebenfalls aus. China müsse «die Vorbereitung auf militärische Kämpfe in alle Richtungen vorantreiben», sagte er.

Schon befürchten die Nachbarstaaten, die Volksrepublik könne schon bald auch militärisch eine weltweite Führungsrolle anstreben. China liefert sich seit einiger Zeit heftige Auseinandersetzungen mit den Anrainerstaaten um Territorien im Ost- und Südchinesischen Meer. Vor allem mit Japan hat sich der Konflikt zuletzt gefährlich zugespitzt. Militärschläge werden auf beiden Seiten nicht mehr ausgeschlossen.

Panzer zu klein für Soldaten

Offiziell gilt die einst unter Deng ausgegebene Doktrin, sich aussenpolitisch zurückzuhalten. Chinesische Militärexperten wiegeln daher weiterhin ab. Yin Zhuo, Direktor des Beratungskomitees der Volksbefreiungsarmee, verweist darauf, dass der Anteil der Militärausgaben an der Wirtschaftsleistung auch weiter bei unter 1,4 Prozent liege. Der weltweite Durchschnitt betrage 3 Prozent. «Der Ausbau des Militärapparats dient ganz allein der Verteidigung», betonte Yin.

Tatsächlich: Trotz einiger prestigeträchtiger technischer Errungenschaften wie Spionagesatelliten, einem eigenen Weltraumprogramm, Hyperschallraketen und einem umgerüsteten Flugzeugträger aus ukrainischem Bestand gilt die rund 2,2 Millionen Mann starke Volksbefreiungsarmee weiterhin als rückständig. Eine vor drei Wochen veröffentlichte Studie ergab, dass selbst chinesische Panzer inzwischen zu klein seien. Die heutige Generation junger Soldaten habe in den vergangenen Jahrzehnten deutlich an Körperumfang zugelegt. Die Panzer und andere technische Fahrzeuge seien aber nicht entsprechend angepasst worden.

Das US-Fachmagazin «IHS Jane’s» geht daher davon aus, dass es noch eine Weile dauern werde, bis die chinesische Armee für Auslandseinsätze wirklich schlagkräftig ist. «Die Volksbefreiungsarmee in eine wirklich moderne Kampftruppe umzuwandeln, bleibt ein langfristiges Projekt», urteilt das Magazin.

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