Seidenstrasse-Projekt

China versperrt den Weg zu seinen Geldtöpfen

Die neue Seidenstrasse.

Die neue Seidenstrasse.

Von seinem Seidenstrasse-Projekt schliesst China Firmen aus anderen Ländern systematisch aus. Das führt zu Kritik. Kommt es nun zum Umdenken in Peking?

Für ausländische Firmen ist es alles andere als einfach, bei Chinas Prestigeprojekt der neuen Seidenstrasse mitzumachen. Denn wo China draufsteht, ist auch China drin – und zwar komplett. Agatha Kratz, China-Expertin der US-Beratungsfirma Rhodium Group, erklärt das im Gespräch mit dieser Zeitung so: «China leiht den betreffenden Ländern Geld, aber nur unter der Bedingung, dass chinesische Unternehmen die Projekte im Land durchführen.» Für europäische oder amerikanische Unternehmen gäbe es also nicht viel Raum, um teilzuhaben.

Bis zu 90 Prozent der bisherigen Projekte, sagt Kratz, seien von chinesischen Firmen umgesetzt worden. «Indem China zugleich in den betreffenden Staaten investiert und die Finanzierung an die Projekte koppelt, stellt es sicher, dass eigene Firmen die Projekte ohne Ausschreibungen gewinnen.» China finanziert damit die Projekte für seine eigenen Firmen. Im Ergebnis, sagt Kratz, habe Peking so «eine für europäische Firmen unfaire Umgebung geschaffen».

Das All-inclusive-Paket klingt für viele Politiker zunächst verlockend. Naturgemäss ist es schwierig, mit Infrastrukturprojekten politisch zu glänzen, dauern diese doch für gewöhnlich Jahrzehnte. Die Chinesen wiederum gehen hier pragmatischer vor und versprechen eine wesentlich schnellere Umsetzung. Freilich unter Missachtung vieler Standards, die für europäische Firmen obligatorisch wären, etwa beim Arbeits- oder Umweltschutz.

Hat dieses Vorgehen zu Beginn hervorragend funktioniert, begannen vor einem guten Jahr die Zweifel. Entlang der neuen Seidenstrasse wurde ein Staat nach dem anderen skeptisch gegenüber dem Partner China und seiner wirtschaftlichen Übermacht. Das Leihen immer grösserer Summen aus China führt tiefer und tiefer in die Abhängigkeit. So verlockend die Offerten aus Peking auch waren – die Zweifel wuchsen.

Besonders prominent wehrte sich Malaysia, indem es Projekte im Wert von 20 Milliarden Dollar zurückstellte. Ein herber Rückschlag für die Chinesen in der Schlüsselregion Südostasien. Dies, weil neben Malaysia auch Länder wie Thailand, Nepal, Pakistan oder Myanmar ihre anfängliche Euphorie gegenüber den chinesischen Investitionen ablegten. Die Staatsführung in Peking musste dies zum Anlass nehmen, ihre Strategie zu überdenken. Denn so erfolgreich sie ihre Initiative bislang auch vorantrieb – «2018 wurde zum Albtraum-Jahr für China», sagt Kratz. Und das längst nicht nur in Asien, sondern auch in Europa: Gegenüber dem Vorjahr brachen chinesische Direktinvestitionen im EU-Raum 2018 um 40 Prozent ein. Dies auch, weil gerade Europa nicht mehr sorglos zulässt, dass Technologiefirmen in chinesische Hände wandern.

Der Gegenwind nimmt also zu – und zwingt Peking mehr und mehr zum Umdenken. Kommt hinzu, dass viele Projekte nicht gut und nicht nachhaltig finanziert sind, erklärt Seidenstrasse-Kennerin Kratz: «Besonders in Sachen Finanzierung kann China noch viel von europäischen Firmen lernen.» Die Frage sei, wie lernwillig sich China tatsächlich zeigt. «Das wird die Milliarden-Dollar-Frage der nächsten Jahre», meint Kratz.

Öffnet sich China in Sachen Finanzierung tatsächlich, könnte vor allem die Schweiz profitieren. So reist Bundespräsident Ueli Maurer diese Woche zum grossen Seidenstrasse-Gipfel in Peking, um eine Absichtserklärung für eine engere Zusammenarbeit abzuschliessen. So soll vor allem der Weg für Schweizer Banken frei werden, bei der Finanzierung der chinesischen Megaprojekte mitzumischen.

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Autor

Fabian Hock

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