Allerdings kam es am Rande des Spitzentreffens auch zu deutlichen Worten. So verlangte EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker einen Abbau chinesischer Investitionshürden für ausländische Konzerne.

Während der Fluss chinesischen Kapitals in die Europäische Union im vergangenen Jahr um 77 Prozent angeschwollen sei, sei der Zustrom europäischen Kapitals nach China um beinahe ein Viertel zurückgegangen, erklärte Juncker.

"Das zeigt, wie schwer es immer noch sein kann, in China Geschäfte zu machen", sagte Juncker am Freitag bei einem Wirtschaftsgipfel mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang am Morgen, der am Rande des eigentlichen Spitzentreffens stattfand.

Eine Verbesserung erhoffe er sich aber von einem derzeit verhandelten Investitionsabkommen. Zu einem guten Geschäftsumfeld gehörten auch Rechtsstaatlichkeit und die Achtung der Menschenrechte.

China fordert WTO-Regeln ein

Li reagierte gelassen auf die kritischen Anmerkungen. Solche Differenzen offen auszusprechen sei ein Zeichen gegenseitigen Vertrauens, sagte er.

Der chinesische Ministerpräsident räumte aber auch ein, dass es in seinem Land noch Raum für Verbesserungen gebe. "Wir sind nicht zufrieden", sagte er laut Übersetzung aus dem Chinesischen. Dennoch hoffe er, dass China ein "Magnet" bleibe.

Der Ministerpräsident übte ausserdem indirekte Kritik an europäischen Bestrebungen, sich gegen chinesische Billigimporte zu schützen. Die EU arbeitet derzeit an Abwehrinstrumenten.

Li erklärte, die Regeln der Welthandelsorganisation WTO müssten gelten. "Ohne Regeln wäre diese Welt ein Dschungel", sagte Li. Nur freier Handel sei fairer Handel, betonte er mehrmals.

Keine gemeinsame Erklärung zum Klimaschutz

Doch letztlich verhinderte dieser Streit um Handelsfragen eine gemeinsame Klimaschutz-Erklärung der EU und Chinas. EU-Vertreter hatten im Vorfeld des Gipfels "ein wichtiges Signal" im Kampf gegen den Klimawandel angekündigt.

Dazu war eine neunseitige Erklärung zum Klimaschutz vorbereitet worden, die der Nachrichtenagentur AFP vorliegt. In ihr wollten die EU und China erklären, dass sie ihre Zusammenarbeit im Kampf gegen den Klimawandel "deutlich verstärken" und das "historische" Pariser Abkommen umsetzen wollten.

"Sie haben nicht unterzeichnet", sagte eine EU-Quelle. Beide Seiten hätten sich nicht darauf einigen können, China den Status einer Marktwirtschaft im beiderseitigen Handelsverhältnis zu gewähren.

Dies hätte die EU eigentlich 15 Jahre nach dem Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation WTO im vergangenen Dezember tun müssen. Die EU weigert sich aber bisher. Dies ermöglicht es ihr, weitere höhere Schutzzölle auf chinesische Produkte wie Stahl aufzuschlagen.

Peking sieht diese Praxis als unfair und als ein Beispiel für "versteckten Protektionismus". China hat wegen des verweigerten Marktwirtschaftsstatus Beschwerde bei der WTO eingelegt.

"Die EU und China sind bei allem einig, ausser bei der Handelsfrage", sagte ein Sprecher von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker der Nachrichtenagentur AFP. "Aber die Differenzen sind dabei, geglättet zu werden."

In der Abschlusspressekonferenz hatte EU-Ratspräsident Donald Tusk erklärt, die EU wolle ihre Zusammenarbeit mit China in der Klimafrage verstärken und hatte mit Blick auf alle Themen des Treffens vom "vielversprechendsten EU-China Gipfel unserer Geschichte" gesprochen. Der chinesische Regierungschef Li Keqiang erwähnte die Klimafrage allerdings in seinen Ausführungen überhaupt nicht.

Es sei "nicht damatisch", dass die Klima-Erklärung nicht unterzeichnet worden sei und es bei dem Treffen keine gemeinsame Abschlusserklärung gegeben habe, sagte ein EU-Vertreter. Auch beim letzten EU-China-Gipfel im vergangenen Jahr habe es nach dem Treffen keine schriftliche Erklärung gegeben.