Rüstung

China testet Superwaffe und schliesst technologisch zu den USA auf

Längst nicht nur Fassade: Machtdemonstrationen des chinesischen Militärs. Xie Huanchi/Xinhua/Key

Längst nicht nur Fassade: Machtdemonstrationen des chinesischen Militärs. Xie Huanchi/Xinhua/Key

Hyperschall-Flugkörper können in einer Stunde jedes Ziel auf der Welt treffen. Anscheinend hat China nun einen solchen erfolgreich getestet. Diese Waffen sind klar offensiv ausgerichtet. Der Abschied von der Selbstverteidigungs-Doktrin rückt näher.

Noch vor nicht allzu langer Zeit haben ausländische Militärexperten Chinas Waffenarsenal belächelt. Die Raketen, die die Volksbefreiungsarmee auf diversen Militärparaden präsentierte, wirkten marode und galten als technisch veraltet. Inzwischen haben die Chinesen aber gewaltige Fortschritte gemacht – und entwickeln sich zu einer handfesten Bedrohung für die USA.

Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums hat das chinesische Militär am 9. Januar einen atomar bestückbaren Flugkörper getestet, der angeblich Hyperschallgeschwindigkeit erreicht haben soll. Eine chinesische Langstreckenrakete habe den Gleiter zunächst ins All gebracht. Dort löste er sich und sauste über die Erde hinweg. Dieses Szenario entspricht zumindest den Aussagen des Pentagon und deckt sich mit bekannten Rüstungsplänen des chinesischen Militärs.

In Hyperschallgeschwindigkeit fliegen diese Vehikel mit mindestens fünffacher Schallgeschwindigkeit. Das entspricht 6179 Stundenkilometern und mehr.

Peking äussert sich nicht

«Weil wir routinemässig die ausländischen Verteidigungsaktivitäten beobachten, haben wir von dem Test erfahren», sagte Pentagon-Sprecher Jeffrey Pool gegenüber mehreren US-Medien. Zugleich kritisierte er die Informationspolitik der Chinesen: «Um Fehleinschätzungen zu vermeiden, würden wir uns von China mehr Transparenz wünschen.»

Das chinesische Verteidigungsministerium wollte sich zu dem von den USA angeblich beobachteten Test nicht äussern. Das Atomwaffenprogramm wird in der Volksrepublik wie ein Staatsgeheimnis gehütet.

Bislang war es nur den USA gelungen, Flugkörper im Hyperschall-Bereich zu testen. Wie nun beim chinesischen Test, beförderte im Herbst 2011 eine dreistufige Langstreckenrakete den Gleiter zunächst in die Erdatmosphäre und setzte sie dann frei. Das Vehikel beschleunigte innerhalb kurzer Zeit auf 6400 Kilometer pro Stunde.

Die Technik gilt auch deswegen als kompliziert, weil der Gleiter bei Eintritt in die Erdatmosphäre extremen Temperaturen ausgesetzt ist. Zudem ist es bei der hohen Geschwindigkeit schwierig, den Gleiter auf Kurs zu halten.

Mit den USA gleichgezogen

Sollte sich der Test des chinesischen Hyperschall-Gleiters bestätigen, hat die Volksrepublik in weniger als drei Jahren mit den USA technisch gleichgezogen. Auch Russland und Indien bemühen sich um die Hyperschalltechnik, können bislang aber keine Erfolge vorweisen.

Mit diesem Test verabschiedet sich die chinesische Führung einmal mehr von ihrer Doktrin, die Deng Xiaoping zu Beginn von Chinas Öffnungspolitik Anfang der 1980er-Jahre vorgegeben hatte: Damals sicherte der Reformer der Aussenwelt zu, dass die Volksrepublik sich auf keinen Rüstungswettlauf einlassen werde und lediglich auf Selbstverteidigung setze. Offiziell gilt diese Doktrin bis heute.

Waffentaugliche Flugkörper im Hyperschall-Bereich sind jedoch Offensivwaffen und dienen ganz allein dem Angriff. Schon seit einiger Zeit beobachten Militärexperten aus aller Welt eine Kehrtwende in der chinesischen Verteidigungspolitik.

Über eigene Atom-U-Boote, Spionagesatelliten und Interkontinentalraketen verfügt die chinesische Volksbefreiungsarmee bereits. Ein eigenes Navigationssystem in Konkurrenz zum US-kontrollierten GPS hat China vor einem Jahr in Betrieb genommen. Nun hat der Rüstungswettlauf den Hyperschall-Bereich erreicht.

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