Die letzten Jahrzehnte haben die deutschen Autokonzerne in China Bomben-Geschäfte gemacht. Volkswagen etwa: Für das erste Quartal verzeichnete der grösste ausländische Autobauer im Reich der Mitte einen neuen Rekordumsatz. Mehr als eine Million Fahrzeuge lieferte der Wolfsburger Konzern an chinesische Kunden aus. Jedes fünfte Auto, das in China neu zugelassen wird, trägt ein deutsches Markenzeichen.

Dieser Erfolg hatte bislang aber einen bitteren Beigeschmack. Mehr als die Hälfte des Profits ging an einen chinesischen Partner. Denn die sogenannte Joint-Venture-Pflicht sah vor, dass ausländische Autobauer nicht mehr als 50 Prozent an einem Unternehmen ihrer Branche in China halten und nur Gemeinschaftsunternehmen mit einheimischen Partnern betreiben dürfen. Nun hebt die chinesische Führung den Zwang zur Beteiligung einheimischer Unternehmen auf.

Grenzen fallen

Wie die mächtige staatliche Kommission für Nationale Entwicklung und Reformen (NDRC) am Dienstag mitteilte, soll die Begrenzung ausländischer Beteiligungen im Geschäft für Personenwagen 2022 aufgehoben werden, im Geschäft mit Nutzfahrzeugen fällt diese Grenze im Jahr 2020. Ausländische Hersteller von Elektro- und Hybridautos sollen bereits in diesem Jahr von der Auflage befreit werden.

Die Ankündigung kommt zwar nicht mehr völlig überraschend. Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hatte vergangene Woche auf dem Weltwirtschaftsforum Bo’ao auf der südchinesischen Tropeninsel Hainan angekündigt, Zölle zu senken und den riesigen chinesischen Automarkt weiter zu öffnen. Dass in Bo’ao aber Xi persönlich diesen Schritt verkündete und nicht wie sonst üblich sein Premier oder seine Wirtschaftsberater, lässt schon darauf schliessen, dass Xi zur Entspannung des zuletzt festgefahrenen Handelsstreits mit den USA beitragen möchte. Angesichts Chinas riesigen Handelsüberschusses mit den Vereinigten Staaten droht US-Präsident Donald Trump seit Wochen mit Zöllen auf zahlreiche chinesische Produkte, einige Zölle etwa auf Stahl hat Trump auch schon durchgesetzt.

Freude über Marktöffnung

Vor allem die deutschen Autobauer freuen sich über Chinas Aufhebung des Joint-Venture-Zwangs. «Wir begrüssen jede Öffnung und Liberalisierung des chinesischen Marktes», sagt Christoph Ludewig, Sprecher von Volkswagen China. «Wir werden genau analysieren, ob sich dadurch auch neue Optionen für den Volkswagen-Konzern und seine Marken ergeben», so Ludewig. Er betont zugleich, dass die bestehenden Joint Ventures von der Aufhebung dieser Regelung nicht betroffen sein werden. Die Gemeinschaftsunternehmen würden weiter laufen. Volkswagen und Konzerntochter Audi etwa haben erst im vergangenen Jahr die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Partner FAW auf weitere 25 Jahre verlängert.

China hatte den Joint-Venture-Zwang immer damit begründet, dass die heimische Industrie nicht mit der ausländischen Konkurrenz mithalten und verdrängt werden könnte, sollte die Regierung die Märkte allzu rasch öffnen. Die Volksrepublik sah sich bislang immer noch als Entwicklungsland. Die USA und die EU widersprechen. Immerhin sei das Reich der Mitte nicht nur Exportweltmeister und nach den USA die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt, sondern in zahlreichen Branchen inzwischen Marktführer.

Peking hat inzwischen anscheinend ein Einsehen. Das NDRC kündigte zudem an, dass auch in anderen Branchen der Beteiligungszwang aufgehoben wird. In den Sektoren Schiffbau und Raumfahrt sollen die Beschränkungen für ausländische Unternehmen bereits in diesem Jahr fallen.