Roland Mack

Chef des Europaparks: «Freude ist eine gemeinsame Sprache»

Europapark-Chef Roland Mack arbeitet und wohnt mitten in seinem Vergnügungspark.

Europapark-Chef Roland Mack arbeitet und wohnt mitten in seinem Vergnügungspark.

Roland Mack lebt und arbeitet dort, wohin andere ihre Ausflüge planen: Mitten im Europapark Rust. Der Chef des Vergnügungsparks spricht im Interview mit der az über den Reiz von Achterbahnen und anspruchsvolle Schweizer Besucher.

Herr Mack, wo in Ihrem Park gefällt es Ihnen am besten?

Roland Mack:Ich fühle mich überall wohl! An sonnigen Tagen gefällt es mir in den südlichen Themenbereichen wie Spanien, Italien oder Portugal am besten, an regnerischen Tagen eher im skandinavischen Teil. Im Winter ist es im Walliser Dorf sehr schön – fast wie in meinem eigenen Ferienhaus im Wallis.

Wie kommen Sie auf immer neue Ideen?

Ich finde Inspiration im Ausland. Dort erlebt man den Geruch, die Speisen, die Atmosphäre. Allerdings kopieren wir nicht – denn das Original wird immer besser sein als die Kopie. Wir versuchen, etwas Eigenes zu kreieren, mit echten Materialien, typischen Dachziegeln aus Spanien oder Fliesen aus Italien.

Und bei den Bahnen: Gilt da immer schneller, wilder, verrückter?

Nein, denn wir sind ein Familienpark, und da wollen wir eine breite Zielgruppe abdecken. Klar brauchen wir auch ein paar spektakuläre Bahnen für die 16- bis 25-jährigen Besucher. In den USA gibt es Bahnen von grösserer Dimension wie unser «Silver Star». Die Kosten steigen exponentiell, und die Zielgruppe schrumpft. Zudem gibt es strenge medizinische Grenzwerte, wir können ja nicht zuerst das Herz jedes Besuchers überprüfen. Interessant ist zu beobachten, wie sich das Zielpublikum ausweitet, nach unten und nach oben: Heute gehen schon Kinder auf wilde Bahnen, aber auch die Senioren.

Die Aargauer Zeitung testet im Europapark die neue Holzbahn «Wodan».

Die Aargauer Zeitung testet im Europapark die neue Holzbahn «Wodan».

Wie stark spüren Sie die Krise?

Deutschland steckt nicht in der Krise, das muss man laut sagen. Im Gegensatz zu Spanien, Italien oder Griechenland. Wir hatten in wirtschaftlich schwierigen Zeiten jedoch immer ein gutes Jahr, weil die Gäste dann eher einen Kurzurlaub machten und nicht weit weg fuhren. Davon profitierten wir. Natürlich wünschen wir uns deswegen nicht die nächste Rezession herbei. Was auch wir bereits spüren: Firmen führen weniger Tagungen durch.

Sie haben einmal gesagt, der Schweizer Gast sei besonders anspruchsvoll. Wie äussert sich das?

Nun, Freude ist eine gemeinsame Sprache. Wenn es im Magen kribbelt, schreit ein Schweizer kaum anders als ein Franzose oder ein Deutscher (lacht). Die Schweizer schätzen hohe Qualität und Sauberkeit, die Schweizer sind die grösste Bevölkerungsgruppe in unseren Hotels, sie kommen gern für mehrere Tage.

Und was mögen Schweizer im Europapark besonders?

Verrückt ist, dass die Themenbereiche der jeweiligen Länder am meisten Anklang bei den eigenen Landsleuten finden. Da lässt sich unser Nationalstolz erkennen. Die Schweizer gehen am liebsten ins Walliser Dorf!

Und die Italiener seien die ängstlichsten Besucher, sagten Sie mal.

Ja, die schauen die Bahnen lieber mit grossen Augen an, als mitzufahren. Wir wissen auch, dass französische Frauen unter allen weiblichen Gästen die mutigsten sind. Sonst sind die Männer mutiger, aber bei den Franzosen sind es die Frauen.

Herr Mack, Sie sind während eines Jahres Präsident des internationalen Dachverbands der Freizeitindustrie. Wie geht es der Branche?

Sehr gut! Die Branche wächst in China extrem stark, aber auch in Russland, speziell in Moskau, Sotschi und St.Petersburg. In den USA ist der Markt allmählich gesättigt, in Europa müssen die bestehenden Parks sich ständig weiterentwickeln und hohe Investitionen tätigen, damit sie attraktiv bleiben.

Ihre eigene Firma Mack Rides baut auch Achterbahnen für andere Parks. Wohin liefern Sie überall?

Weltweit. 95 Prozent unserer Bahnen gehen in den Export. In China entstehen momentan sehr viele Parks. Disney baut beispielsweise auch in Schanghai. Wir sind im Moment Ausstatter eines Freizeitparks in Sotschi direkt am Stadion der Olympischen Spiele 2014. Wir liefern auch eine grosse Anlage ins Seaworld nach San Diego, USA.

Könnte man den Europapark auch kopieren und eins zu eins in China hinstellen?

Es gibt tatsächlich Chinesen, die den Europapark einpacken und mitnehmen würden, wenn sie könnten! Man müsste etwas stärker auf Artisten setzen und das Essen anpassen, dann sollte das funktionieren.

Warum machen Sie es nicht?

Weil ich überzeugt bin, dass wir beim Betreiben dabei sein sollten. Der Europapark ist historisch gewachsen, unsere Familie hat ihn mit viel Herzblut umgesetzt. Wir sind nicht ein x-beliebiger Disneypark, den man irgendwo aufstellen kann. Eine Expansion wäre etwas für eine AG. Wir aber sind ein Familienbetrieb. Familienbetriebe, die das in England und China versucht haben, sind gescheitert.

Wie haben Sie Ihre Kinder dazu gebracht, in den Park einzusteigen?

Mit der Peitsche! Nein, Blödsinn (lacht). Ein Malermeister hat mal zu mir gesagt: «Wenn du willst, dass deine Kinder das Geschäft übernehmen, dann müssen sie es mit der Muttermilch aufsaugen.» Das habe ich mir zu Herzen genommen. Wir haben mitten im Park gewohnt, es war der grösste Spielplatz für die Buben, und sie haben Freude daran gewonnen. Die beiden musste man überhaupt nicht zwingen. In unserem Gesellschaftsvertrag steht als Eingangsvoraussetzung: Der Gesellschafter muss bis 28 einen Beruf abgeschlossen und eine dem Unternehmen angemessene Ausbildung haben. Das haben beide Söhne erfüllt und haben inzwischen wichtige Positionen: Michael leitet die Sparte Bahnbau, Thomas die Hotellerie.

Noch heute wohnen Sie mitten im Park. Wie kann man sich da erholen?

Gar nicht, das kriegt man im Kopf nicht hin. Trotzdem hat es viele Vorteil: Wenn ich bei Projekten dabei sein will, kann ich einfach vorbeispazieren. Zum Abschalten muss ich schon in unser Bauernhaus oder ins Wallis fahren.

In der Schweiz ist eine heftige Debatte über die zunehmende Zahl von Deutschen entbrannt. Fühlen Sie sich noch willkommen?

Ich verfolge das sehr intensiv und bin ja ein Freund der Schweizer. Ein Teil des Problems ist sicher, dass sie gewisse Fachkräfte nicht ausbilden, zum Beispiel in der Medizin. Ich finde es dann unfair, wenn man sie einerseits braucht und anderseits kritisiert, dass sie da sind.

Dazu kommt der Steuerstreit Schweiz-Deutschland.

Ich kann unseren früheren Finanzministers Peer Steinbrück nicht verstehen, der da so unüberlegt raushaut, dass er mit der Kavallerie ausrücken will. Ich finde seine Vorgehensweise diesbezüglich – ich sage es jetzt ganz direkt – absolut falsch. Herr Steinbrück sitzt in Nordrhein-Westfalen und überlegt nicht, dass es in der Grenzregion Deutschland-Schweiz Menschen gibt, die jeden Tag miteinander zu tun haben. Der aktuelle Finanzminister Wolfgang Schäuble kommt von der Schweizer Grenze. Er weiss, wie wir miteinander umgehen müssen. Er vertritt eine vernünftige, pragmatische Haltung.

Apropos Schweiz: Was würden Sie als einer der grössten Gastronomen Deutschlands den Schweizer Hoteliers für einen Rat geben?

Das Licht in den Schweizer Restaurants stimmt nicht. Ich bin ein Beleuchtungsfetischist. Wenn ich hier hereinkomme, ärgere ich mich sofort, dass dort oben eine Glühbirne nicht brennt (zeigt auf eine defekte Birne). Da gibt’s jetzt grad einen auf die Mütze (lacht)! Wenn ich in eine Schweizer Gaststätte komme, die mit Neonlicht beleuchtet ist wie eine Kantine, dann habe ich doch keine Lust, dort ein Glas Wein zu trinken.

Was stört Sie noch?

Die Plastikstühle auf den Terrassen. Schöne Stühle schaffen auf recht einfache Weise ein ganz anderes Ambiente. Ich finde, das machen zum Beispiel die Österreicher besser. Vielleicht fehlt es den Schweizern auch an der Leichtigkeit und an der Servicebereitschaft. In der Schweizer Gastronomie arbeiten Servicekräfte aus vielen verschiedenen Ländern, und manchmal macht es den Anschein, dass sie ihren Job einfach abarbeiten. In der Dienstleistung war die Schweiz schon besser.

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