Demonstranten schwenkten französische Fahnen und riefen immer wieder in Sprechchören "Vive la France". "Ich bin hier, um zu zeigen, dass die Terroristen nicht gewonnen haben" sagte die 34-jährige Franko-Marokkanerin Zakaria Moumni. "Im Gegenteil sie bringen die Menschen aller Religionen zusammen".

Neben französischen wurden zum Gedenken an die bei der Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt umgekommenen Menschen auch israelische Flaggen geschwenkt. Auf Transparenten hiess es: "Freiheit - Wir sind deinetwegen hier" oder "Charlie Akbar" - in Anspielung auf das islamische Glaubensbekenntnis "Allah ist gross".

François Hollande trifft die Angehörigen der Opfer der «Charlie Hebdo» Redaktion und umarmt den «Charlie Hebdo»-Kolumnisten Patrick Pelloux

François Hollande trifft die Angehörigen der Opfer der «Charlie Hebdo» Redaktion und umarmt den «Charlie Hebdo»-Kolumnisten Patrick Pelloux

An dem "Republikanischen Marsch" nahmen neben Staatspräsident François Hollande auch Dutzende Staats- und Regierungschefs aus aller Welt teilnehmen. Unter ihnen waren unter anderem Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel. Für die Schweiz nahm Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga.

"Wir dürfen nicht erstarren, wir müssen reagieren": Mit diesen Worten kommentierte Sommaruga die Anschläge in Frankreich. "Das Wichtigste ist im Moment, dass wir hinstehen und gemeinsam unsere Werte verteidigen", sagte Sommaruga in einem Interview mit der "SonntagsZeitung".

In der ersten Reihe: Simonetta Sommaruga (roter Schal) neben Italiens Premierminister Matteo Renzi (links) und dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko.

In der ersten Reihe: Simonetta Sommaruga (roter Schal) neben Italiens Premierminister Matteo Renzi (links) und dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko.

Zwei Islamisten hatten am Mittwoch die Redaktion der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" in Paris angegriffen und dort sowie auf der Flucht zwölf Menschen erschossen. Ein Gesinnungsgenosse tötete später bei einem Angriff auf eine Polizistin und einer Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt insgesamt fünf Menschen. Die drei Täter wurden am Freitagnachmittag bei Einsätzen von der Polizei erschossen.

Angesichts möglicher weiterer Anschläge sollten 5500 Polizisten und Soldaten für die Sicherheit der Teilnehmenden des Schweigemarsches sorgen.

Trauermarsch: In Paris gedenken Hunderttausende den Opfern des Terrors

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Beratungen über Terrorabwehr

Vor dem Gedenkmarsch waren die Innenminister mehrerer EU-Staaten sowie ranghohe Vertreter der US-Regierung und der EU zu Beratungen über den Kampf gegen den Terrorismus zusammengekommen. An dem Treffen im französischen Innenministerium nahmen unter anderem Frankreichs Ressortchef Bernard Cazeneuve, der deutsche Innenminister Thomas de Maizière und US-Justizminister Eric Holder teil.

Im Mittelpunkt standen unter anderem eine engere Zusammenarbeit der Geheimdienste, der Kampf gegen islamistische Propaganda und ein besserer Informationsaustausch über westliche Dschihadisten.

So soll im Schengener Informationssystem etwa künftig eingetragen werden, wenn ein mutmasslicher islamistischer Kämpfer aus den EU-Staaten die Aussengrenzen überschreitet und aus Syrien und den Irak zurückkehrt, wie aus einer Erklärung der Innenminister vom Sonntag hervorgeht.

Hollande empfing auch mehrere Staats- und Regierungschefs im Élyséepalast. Hollande und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel sprachen in Paris zudem mit dem ukrainischer Präsidenten Petro Poroschenko über die Ukraine-Krise.

Das Treffen dauerte laut Quellen des Élyséepalasts rund eine Viertelstunde. Russlands Aussenminister Sergej Lawrow, der ebenfalls zu dem Gedenkmarsch nach Paris gekommen war, nahm demnach nicht an der Unterredung zur Ukraine teil.

Bekennervideo von Coulibaly

Im Internet tauchte am Sonntag ein mutmassliches Bekennervideo auf. Ein Mann, der wie der mutmassliche Attentäter Amedy Coulibaly aussieht, übernimmt darin die Verantwortung für den Mord an einer Polizistin am Donnerstag im Namen der Extremistenorganisation Islamischer Staat (IS).

Ausschnitte aus dem mutmasslichen Bekenner-Video von Amedy Coulibaly

Ausschnitte aus dem mutmasslichen Bekenner-Video von Amedy Coulibaly

Das rund sieben Minuten lange Video, das rasch wieder aus dem Internet entfernt wurde, wird von den Behörden auf seine Authentizität geprüft.

Sydney gedenkt französischer Anschlagsopfer

Auch in Sydney gedachten am Sonntag hunderte Menschen der Opfer der Anschläge von Paris. Angeführt vom französischen Botschafter Christophe Lecourtier marschierte die Menge zum Martin Place in der Innenstadt, wo im Dezember bei einer Geiselnahme in einem Café durch den radikalen Islamisten Man Haron Monis zwei Menschen getötet worden waren.

Auch im australischen Sydney gehen Hunderte auf die Strasse

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"Lasst uns im Sinn behalten, was der Geist von Charlie ist", sagte Lecourtier. "Der Geist von Charlie ist, dass die Zukunft jenen gehört, die sich widersetzen, die kämpfen."