Grossbritannien

Camerons früherer Berater wieder auf freiem Fuss

Der vorübergehend inhaftierte Andy Coulson soll Telefone abgehört haben (Archiv)

Der vorübergehend inhaftierte Andy Coulson soll Telefone abgehört haben (Archiv)

Politisches Erdbeben in London: Der Abhörskandal um die Boulevardzeitung «News of the World» setzt Premier David Cameron unter grossen Druck. Sein früherer Kommunikationschef Andy Coulson wurde festgenommen, am Abend aber wieder auf freien Fuss gesetzt.

Cameron räumte vor den Medien ein, die Presseaufsicht in Grossbritannien habe versagt. Er kündigte zwei öffentliche Untersuchungen an. Die eine soll sich unter Leitung eines Richters mit dem Abhörskandal um "News of the World" beschäftigen, die anderen mit der Aufsicht über die Presse. Auch Vorwürfen, dass die Polizei Bestechungsgelder angenommen habe, würden untersucht.

Camerons Ex-Berater festgenommen

Cameron sagte, der Entscheid, den früheren Chefredaktor der "News of the World", Andy Coulson, im Mai 2010 zu seinem Kommunikationschef zu machen, sei ein Fehler gewesen. Er übernehme dafür die volle Verantwortung.

Coulson wurde vorübergehend festgenommen. Nach Angaben von Scotland Yard werden ihm Korruption und das Abhören von Telefongesprächen vorgeworfen. Coulson war 2003 bis 2007 Chefredaktor des Boulevardblatts. Er wurde am Abend wieder auf freien Fuss gesetzt.

Konsequenzen gefordert

Cameron ging auf Distanz zum einflussreichen Medienkonzern News Corporation, dem das Boulevardblatt gehört. Die Praktiken der "News of the World" seien "extrem verachtenswert", die Politik habe sie "wissentlich ignoriert".

Cameron forderte das Medienimperium von Rupert Murdoch zu Konsequenzen auf. Und seine persönliche Freundin Rebekah Brooks rief der Regierungschef auf, von ihrem Posten als Chefin von News International, der britischen Tochter von Murdochs Konzern News Corp. zurückzutreten. Brooks war zu der Zeit, in der die Handys von 4000 Menschen angezapft worden sein sollen, Chefin bei "News of the World".

Der Abhörskandal beschäftigt die Briten seit Jahren, hat sich zuletzt aber zugespitzt. Journalisten der Zeitungen sollen nicht nur die Handys von Prominenten und Politikern angezapft haben, sondern auch von Terroropfern und Hinterbliebenen toter Soldaten.

Im Fall eines entführten und getöteten Mädchens sollen sogar Nachrichten auf der Mailbox ihres Handys gelöscht worden sein, um Platz für neue zu machen. Die Eltern der 13-Jährigen hatten darauf gedacht, ihr Kind sei noch am Leben.

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