Grossbritannien-Russland

Cameron macht sich in Russland für Ende der Eiszeit stark

Der russische Kremlchef Medwedew empfängt den britischen Premier David Cameron

Der russische Kremlchef Medwedew empfängt den britischen Premier David Cameron

Der britische Premierminister David Cameron hat sich auf einer Russland-Reise für ein Ende der Eiszeit zwischen beiden Ländern stark gemacht. Der Besuch Camerons in Moskau war der erste eines britischen Regierungschefs seit sechs Jahren.

London und Moskau könnten ihre Differenzen überwinden und sollten sich auf die Zusammenarbeit bei wirklich wichtigen Dingen konzentrieren, sagte Cameron nach einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew am Montag in Moskau.

Das Verhältnis beider Staaten hatte sich unter anderem wegen der Vergiftung eines Kreml-Kritikers in der britischen Hauptstadt vor fünf Jahren deutlich verschlechtert. Die Beziehungen zwischen Grossbritannien und Russland erreichten nach dem Tod Alexander Litwinenkos im November 2006 einen Tiefpunkt.

Litwinenko erkrankte wenige Stunden nach einem Treffen mit dem ehemaligen KGB-Mitarbeiter Andrej Lugowoi in London an einer Polonium-Vergiftung, an der er schliesslich starb. Einen britischen Antrag, Lugowoi auszuliefern, lehnt Moskau ab. Der Ex-Agent bestreitet jede Beteiligung an Litwinenkos Tod.

Um Entspannung bemüht

"Wir suchen den Dialog", sagte Cameron. Allerdings wolle er nicht leugnen, dass es besonders im Fall Litwinenko weiterhin Differenzen gebe, räumte er ein.

Auch Medwedew bemühte sich um Entspannung: "Auch wenn unsere Standpunkte zu diesen oder jenen Fragen nicht immer identisch sind, ist dies kein Grund zur Dramatisierung."

Cameron rief Russland auch auf, enger mit Grossbritannien und anderen Mitgliedern des Weltsicherheitsrats zusammenzuarbeiten, um für Stabilität im Nahen Osten und in Nordafrika zu sorgen. Russland weigert sich bislang, eine UNO-Resolution mit Sanktionen gegen das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zu verabschieden.

"Die Stabilität korrupter und gewaltsam-repressiver Diktaturen in Staaten des Nahen Ostens wie der Gaddafis in Libyen ist eine falsche Stabilität", sagte Cameron.

Zur britischen Delegation gehörten neben Aussenminister William Hague auch zahlreiche Wirtschaftsbosse, darunter etwa BP-Chef Bob Dudley. Erst vor kurzem war ein milliardenschweres Geschäft zwischen BP und dem russischen Ölförderer Rosneft am Widerstand russischer Oligarchen gescheitert.

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