Wenn Schweizer Diplomaten in Brüssel am Verhandlungstisch Platz nehmen, dann sitzt ihnen für gewöhnlich Richard Szostak gegenüber. Der polnisch-britische Doppelbürger ist einer der engsten Berater von Kommissions-Chef Jean-Claude Juncker und betreut das Dossier Schweiz. Ob es um die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative oder das institutionelle Rahmenabkommen geht: Szostak hält die Fäden in der Hand.

Als «hochintelligent», «sanft im Ton» aber auch «knallhart in der Sache» wird der Absolvent der britischen Elite-Uni Cambridge beschrieben. Am Mittwoch nun ist der 39-jährige Spitzendiplomat nochmals aufgestiegen: Er wurde zu Junckers stellvertretendem Kabinettchef ernannt, der Nummer 3 in der Kommissions-internen Hackordnung. Das Schweiz-Dossier wird Szostak behalten. Dass auch der Brexit zu seinem Aufgabenbereich gehört, ist ein weiterer Hinweis auf dessen Artverwandtheit mit den Verhandlungen zum Rahmenabkommen – zumindest aus Brüsseler Sicht.

Die Beförderung Szostaks ist Teil einer Personalrochade, bei der Junckers Kabinettchef Martin Selmayr den Posten des Generalsekretärs der EU-Kommission erhält. Dem umtriebigen Deutschen wird schon mal nachgesagt der eigentliche Chef der EU-Kommission zu sein. Sein Führungsstil gilt als unzimperlich, die Erwartungen an die Mitarbeiter als enorm. In der EU-Hauptzentrale würden einige den 47-Jährigen bloss noch «das Monster des Berlaymonts» nennen, so das Online-Portal «Politico».

Wie dem auch sei: Alles was die Schweiz betrifft, spielt sich im Dreieck Juncker – Selmayr – Szostak ab. Das «EU-Aussenministerium» von Federica Mogherini wurde längst in die Nebenrolle verbannt. Dabei sind Selmayr und Szostak ein eingespieltes Team: Sie kennen sich aus der gemeinsamen Zeit unter der Luxemburger EU-Justizkommissarin Viviane Reding, die vor und nach der Abstimmung zur Masseneinwanderungsinitiative gepfefferte Botschaften nach Bern sandte. Schon damals befasste sich das Duo Selmayr-Szostak intensiv mit der Schweiz.

Nachdem Selmayr 2014 als Wahlkampf-Leiter Jean-Claude Juncker zum Amt des Kommissionspräsidenten verhalf, holte er einen guten Teil seiner Ex-Kollegen aus dem Team-Reding in die EU-Chef-Etage. In Brüssel sprechen einige deshalb von der «Reding-Connection». Der gehört auch Mina Andreeva an, Junckers stellvertretende Chefsprecherin, die sich quasi im Alleingang um den richtigen «Spin» in Sachen Schweiz kümmert.

Man darf es durchaus als Zeichen der Wertschätzung interpretieren, dass Juncker seine besten Leute mit den Beziehungen zum Drittland Schweiz betraut. Einfacher sind die schwierigen Verhandlungen über das Rahmenabkommen dadurch aber nicht geworden. Sowohl Szostak wie auch Selmayr sind mit allen Wassern gewaschene Diplomaten, wie das Manöver um die lediglich provisorisch anerkannte Schweizer Börsen-Regulierung vom vergangenen Dezember gezeigt hat. Bislang hat es der Bundesrat denn auch nicht geschafft, ihnen nennenswerte Konzessionen abzuringen.