Coronavirus

Brüssels Blamage: Sogar Trump hat das Impfen besser im Griff als die EU

Eine ältere Person bekommt den Impfstoff gespritzt: In Israel und den USA laufen die Impfungen mit dem Vakzin von Biontech und Pfizer auf Hochtouren - Europa hat zu zögerlich bestellt und hinkt deshalb hinterher.

Eine ältere Person bekommt den Impfstoff gespritzt: In Israel und den USA laufen die Impfungen mit dem Vakzin von Biontech und Pfizer auf Hochtouren - Europa hat zu zögerlich bestellt und hinkt deshalb hinterher.

Zu wenig und auch noch falsch geordert: Während in Israel und den USA massenhaft geimpft wird, hinkt Europa hinterher. Das sind die Gründe.

Was als grosse Inszenierung gedacht war, wurde unfreiwillig zum Sinnbild des Impf-Desasters in Europa. In einem Lager in Nordrhein-Westfalen kam Ende Dezember endlich die erste Lieferung des Covid-Impfstoffs an – doch in dem riesigen Lastwagen stand gerade mal eine einzige Palette. Knapp 10000 Dosen für 18 Millionen Einwohner hatte das grösste deutsche Bundesland erhalten.

Deutschland, das verhältnismässig gut durch die Coronakrise gekommen ist, empört sich derzeit zusehends. Denn im Land – wie in der gesamten EU – fehlt es an Impfstoff. Unter Beschuss geraten ist besonders die europäische Strategie bei der Bestellung des kostbaren Guts.

Selbst der Impfstoff-Pionier wundert sich: In Europa habe offenbar der Eindruck geherrscht, man kriege schon genug, es werde alles nicht so schlimm, man habe das unter Kontrolle. Das sagte Biontech-Gründer Uğur Şahin dem «Spiegel».

Sahins Firma hat gemeinsam mit dem US-Pharmariesen Pfizer den Impfstoff entwickelt, der in Israel bereits in mehr als eine Million Oberarme gespritzt wurde. In den USA wird das Vakzin ebenfalls fleissig verteilt. Europa indes hat nicht genug des begehrten Mittels. Wie kann das sein?

Die EU-Kommission machte den Prozess zum Desaster

Die Mitgliedstaaten der EU verständigten sich darauf, den Impfstoff gemeinsam zu bestellen, statt jeder für sich. Ein Preiskampf um das Covid-Vakzin innerhalb Europas kann so gar nicht erst entstehen. Das gemeinsame Vorgehen hat also durchaus Vorteile. Zumindest wenn man es richtig macht. Die EU-Kommission, die mit der Bestellung betraut wurde, machte den Prozess stattdessen zum Desaster. Sie bestellte zu wenig, zu spät und darüber hinaus auch noch bei den falschen.

Bei Biontech und Pfizer, die als erstes die Zulassung erhielten, orderte die EU lediglich 300 Millionen Dosen. Einigen Mitgliedsländern war das Mittel zu teuer - besonders in Osteuropa soll man darauf gedrängt haben, günstigere Anbieter zum Zug kommen zu lassen. Mit dem Ergebnis, dass der Grossteil der zwei Milliarden Dosen, die die EU bei sechs Herstellern bestellte, noch nicht lieferbar ist.

Die Trump-Regierung war weitsichtiger als Brüssel

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump war hier wesentlich weitsichtiger: Die Amerikaner bestellten allein 600 Millionen Dosen bei Biontech. Und zwar bereits im Sommer und nicht, wie die EU, erst im November. Da früher beliefert wird, wer früher bestellt, steht die Trump-Regierung in Sachen Impfstoff besser da als Europa.

Vor allem in Deutschland wird die Kritik immer lauter. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder wetterte: «Offenkundig war das europäische Ankaufverfahren unzureichend.»

Tatsächlich beschritt man in Brüssel einige Irrwege. So soll Frankreich im Sommer darauf bestanden haben, 300 Millionen Dosen beim heimischen Hersteller Sanofi zu ordern. Sanofi hinkt bei der Entwicklung allerdings so weit hinterher, dass es die Dosen wohl erst Ende Jahr ausliefern kann.

Das Kostenargument ist in diesem Fall ein sehr dünnes

Von Verteidigern der europäischen Impfstrategie wird gern das Kostenargument bemüht: Man habe im Sommer nicht sicher wissen können, welcher Hersteller sich am schnellsten durchsetzt. Eine Überbestellung bei allen Kandidaten wäre zu teuer gewesen. Dieses Argument wirkt angesichts der Tragweite der Krise jedoch äusserst dünn.

Denn jede Woche, in der die Wirtschaft auf Eis liegt, kostet allein in Deutschland laut einer aktuellen Berechnung mehr als drei Milliarden Euro. Die zusätzlich für «zu viel» Impfstoff ausgegebenen Milliarden wären durch eine frühere Aufhebung der Covid-Massnahmen in ganz Europa recht schnell wieder reingeholt.

Auf dieser Logik fusst etwa der Erfolg der Israelis. Wo Brüssel Überbestellungen vermied, griff die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu beherzt zu. Je früher die Menschen geimpft sind desto schneller öffnet die Wirtschaft. Von den geretteten Menschenleben ganz zu schweigen.

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Autor

Fabian Hock

Fabian Hock

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