Mexiko

Bringen Lamas den Sieg über das Virus? Geht Mexiko der Tequilla aus? Fünf Antworten zur Lage in Lateinamerika

Indio treibt Lamas (Lama glama) mit Säcken beladen, Anden, bei Cusco, Peru, Südamerika

Indio treibt Lamas (Lama glama) mit Säcken beladen, Anden, bei Cusco, Peru, Südamerika

Womit sich Südamerikas berühmtester Coronaleugner, Brasiliens Präsident Bolsonaro, beschäftigt, wieso der Regenwald ganz besonders unter der Krise leidet und wer die Coronaepidemei am besten im Griff hat.

Während Europa langsam die Quarantäne lockert und sich auf die Zeit nach Covid-19 vorbereitet, erreichen die Corona-Infektionen in Lateinamerika ihren Höhepunkt. Doch einiges auf dem riesigen Kontinent funktioniert anders als in Europa. Unsere Korrespondentin erklärt, wie die Latinos mit der Krise umgehen.

1. Wer ist in Lateinamerika am besten bei der Covid-19-Bekämpfung?

Costa Rica. Das mittelamerikanische Land mit seinen knapp fünf Millionen Einwohnern verzeichnet bislang die geringste Sterberate (0,85 Prozent) – sechs Todesfälle bei 792 Infizierten. Das Reiseland Costa Rica hatte seit der Pandemie-Warnung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein verschärftes Auge auf Touristen und konnte auf die Unterstützung der Reisebranche zählen. Als die ersten beiden hustenden US-Touristen positiv getestet wurden, verhängte die Regierung sofort einen Einreisestopp und eine strenge Quarantäne, der die Bevölkerung weitgehend Folge leistete. Weitere Faktoren dürften sein, dass der Gesundheitsminister als Epidemiologe vom Fach ist, und dass Costa Rica traditionell viel (6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes) in Gesundheit investiert. Costa Rica ist ausserdem aufgrund seiner Erfahrung mit Giftschlangen führend bei der Herstellung von Antiseren – eine Technik, die das Land nun auch gegen Covid-19 ausprobiert.

2. Wieso werden in Mexiko in der Coronakrise Bier und Tequila knapp?

Bier wird knapp, weil es laut der Regierung nicht zu den systemrelevanten Produkten gehört. Bierfabriken mussten deshalb schliessen oder aber auf die Produktion von Handgel umschwenken. Tequila erlebte einen Nachfrageboom – sowohl in Mexiko als auch in den USA nahm der Konsum zu. Vielleicht auch, weil zeitweise Gerüchte zirkulierten, der hochprozentige Schnaps wirke gegen das Virus. Produzenten fürchten, dass es mittelfristig zu Engpässen kommen könnte. Das liegt daran, dass die blaue Agave – der Grundstoff für den Schnaps – von Fledermäusen befruchtet wird. Die Nachricht aus China, dass das Virus möglicherweise ursprünglich von Fledermäusen stammt, löste in einzelnen Landgemeinden Zentralmexikos jedoch eine Jagd auf die Nachtsäugetiere aus.

3. Was macht eigentlich Südamerikas berühmtester Coronaleugner, Brasiliens Präsident Bolsonaro?

Am Muttertags-Wochenende, an dem sich eine Rekordzahl von Brasilianern infizierten, fuhr er auf einem See in der Nähe des Präsidentenpalastes in Brasilia Aquamoto mit seinem Boot aus und schoss Selfies mit Fans. Eine Grillparty hatte er allerdings wieder abgesagt. Ansonsten ist Bolsonaro damit beschäftigt, den Regenwald weiter zu zerstören. Um 51 Prozent nahm die Abholzung im ersten Quartal laut offiziellen Zahlen zu. Sein Kabinett versucht derzeit, ein Eilgesetz durch den Kongress zu bringen, das die illegalen Landnahmen der letzten Jahre legalisiert.

4. Beschränkt sich das Virus in Lateinamerika auf die Ballungszentren und Hafenstädte?

Nein. Einer der grössten Hotspots ist Amazonien – was die Theorie widerlegt, das Virus könne hohe Temperaturen weniger gut aushalten. Sowohl in Peru (Iquitos) als auch in Kolumbien (Leticia) und Brasilien (Manaus) sind die Hospitäler kollabiert. Als in Brasilien gar nichts mehr ging, suchten Kranke verzweifelt in den Nachbarländern um Hilfe. So kam das Virus vermutlich nach Leticia und Iquitos – beides Städte, die nur per Flugzeug oder Schiff erreichbar sind.

5. Wieso könnte der Schlüssel zur Bekämpfung des Virus in den Anden liegen?

Das Immunsystem der Lamas und anderer Kameliden produziert eine bestimmte Art von Nano-Antikörpern, die wie eine Art Generalschlüssel gegen alle möglichen Viren eingesetzt werden können. Das erforschen Wissenschaftler schon länger. Es gibt auch bereits ein Medikament, das gegen eine seltene Störung bei der Blutgerinnung eingesetzt wird. Vorige Woche hat die Wissenschaftszeitschrift «Cell» eine Studie der Universitäten Gent in Belgien und Austin, Texas veröffentlicht, wonach Lamas, die mit SARS und MERS-Vien infiziert wurden, Antikörper produzierten, die danach auch in der Lage waren, Viren von SARS-Cov-2 zu blockieren und am Eindringen in die Wirtszelle zu hindern. Eine Art Lama-Schutzschild also.

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