Urteil

Boston-Bomber Dschochar Zarnajew erhält die Todesstrafe

Zarnajew zum Tode verurteilt (Archiv)

Zarnajew zum Tode verurteilt (Archiv)

Dschochar Zarnajew soll für seine Verbrechen mit dem Tod bezahlen. Dies hat eine Jury in Boston beschlossen. Zarnajew hatte vor zwei Jahren zusammen mit seinem verstorbenen Bruder ein Attentat auf den Marathon in Boston geplant und ausgeführt.

Zwei Jahre nach den Anschlägen auf den Marathon in Boston ist der Attentäter Dschochar Zarnajew (21) am Freitag von einem Geschworenengericht zum Tod verurteilt worden. Die zwölf Geschworenen entschieden in mehreren der 17 Anklagepunkte, dass Zarnajew hingerichtet werden solle.

Der Amerikaner tschetschenischer Abstammung hatte im April 2013 zusammen mit seinem älteren Bruder Tamerlan zwei Sprengsätze gezündet, die drei Menschen töteten und mehrere Hundert verletzten. Später erschoss Tamerlan einen lokalen Polizisten. Mit der Tat wehrten sich die beiden Zarnajews gegen den angeblichen amerikanischen Feldzug gegen Muslime. Dschochars älterer Bruder wurde vier Tage nach dem Attentat nach einer wilden Verfolgungsjagd durch die Vorstädte Bostons getötet.

Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass den zwölf Geschworenen der Entscheid nicht weiter schwergefallen ist: Ihre Beratungen dauerten bloss 14 Stunden. Gemäss dem komplexen Regelwerk der bundesstaatlichen Justiz hätte bereits der Widerstand eines Geschworenen ausgereicht, um das Leben von Zarnajew zu retten.

Mehrheit für Gefängnisstrafe

Gerichtsbeobachter hatten deshalb während des langen Prozesses, der zu Jahresbeginn mit der Auswahl der Geschworenen begonnen hatte, immer wieder den Widerstand der Bevölkerung von Massachusetts gegen die Todesstrafe erwähnt. In der Tat unterstützten in Meinungsumfrage zuletzt weniger als 20 Prozent der lokalen Bevölkerung die Exekution des jugendlichen Terroristen; mehr als 60 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus, Zarnajew lebenslänglich einzusperren.

Auch die Eltern von Martin Richard, dem achtjährigen Knaben, der 2013 im Zielgelände des Marathons von einer Bombe zerfetzt wurde, unterstützten in einem stark beachteten Meinungsartikel im «Boston Globe» diese Bestrebungen. Ihre Argumentation: Eine Verurteilung zum Tode werde zur Folge haben, dass sich Zarnajew jahrelang durch sämtliche Instanzen gegen seine Exekution wehren werde. Dies verunmögliche es den Opfern und den Hinterbliebenen, die furchtbaren Ereignisse zu verarbeiten.

In der Tat wird es wohl noch Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte dauern, bis Zarnajew hingerichtet wird. Seine Anwälte werden im Berufungsverfahren unter anderem damit argumentieren, dass der junge Terrorist in Boston keine Chance auf ein faires Verfahren gehabt habe. Wiederholte Anträge der Verteidigung auf eine Verschiebung des Prozesses aus dem Bostoner Bundesgericht in einen anderen Staat wurden aber von den Gerichten abgewiesen.

Auf Bundesebene wird die Todesstrafe nur höchst selten vollzogen. Seit den Sechzigerjahren wurden nur gerade drei Menschen hingerichtet. Der prominenteste Namen ist derjenige von Timothy McVeigh, der 1995 ein Verwaltungsbüro in Oklahoma City in die Luft gesprengt. Dabei starben 168 Menschen.

Die Verteidigung Zarnajews hatte sich auf den Standpunkt gestellt, dass Dschochar unter dem Einfluss seines älteren Bruders gestanden habe; er sei zu jung gewesen, um sich gegen das Unrecht zu wehren. Die Geschworenen wiesen diese Sichtweise aber zurück. Nicht einmal Schwester Helen Prejean – die sich gegen die Todesstrafe einsetzt und das Buch «Dead Man Walking» schrieb – konnte sie umstimmen. Die Ordensschwester hatte den Geschworenen zu Wochenbeginn versichert, dass Zarnajew das Leid bedauere, das er über die Opfer gebracht habe.

Reaktion der Opfer gemischt

Die Opfer, Hinterbliebenen und nach dem Anschlag vom April 2013 beteiligten Einsatzkräfte regierten gemischt. "Er hat sein eigenes Recht auf Leben verwirkt", schrieb die Überlebende Sydney Corcoran auf Twitter. "Gerechtigkeit. In seinen eigenen Worten: "Auge um Auge"."

Corcoran wurde bei dem Anschlag schwer verwundet, ihre Mutter verlor beide Beine. Die Eltern des achtjährigen Jungen, der bei dem Anschlag starb, hatten aus Angst vor dem jahrelangen Prozess dagegen öffentlich darauf gedrängt, von der Todesstrafe abzusehen.

Sowohl Massachusetts' Gouverneur Charlie Baker als auch Bostons Bürgermeister Martin Walsh sagten, dass die Entscheidung den Opfern hoffentlich die Chance gebe, mit dem Fall abzuschliessen.

"Niemand feiert hier", sagte Feuerwehrmann Michael Ward, der zu den ersten Helfern nach den Explosionen zählte. Doch die Gerechtigkeit im Fall Zarnajew habe gesiegt. "Er wird zur Hölle fahren, denn dort wollte er hin. Aber er wird dort schneller ankommen als er dachte."

Bundesrecht erlaubt Todesstrafe in Massachusetts

Der Bundesstaat Massachusetts hatte die Todesstrafe in den frühen 1980-er Jahren abgeschafft. Die bisher letzte Hinrichtung fand 1947 statt. Zarnajew muss sich jedoch nicht in einem staatlichen, sondern in einem Bundesverfahren verantworten, und das Bundesrecht erlaubt generell die Todesstrafe - also auch in Massachusetts.

Zarnajew hatte im April 2013 mit seinem älteren Bruder Tamerlan zwei Sprengsätze am Zieleinlauf des Marathons gezündet. Es war der schwerste Anschlag in den USA seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Es folgte eine tagelange Verfolgungsjagd mit der Polizei, bei der ein Polizist ums Leben kam und Tamerlan Zarnajew in einem Schusswechsel getötet wurde

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