Die Explosion ereignete sich auf dem Sassine-Platz im Christen-Viertel Aschrafijeh, wie die staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtete. Die Fassaden mehrerer Häuser wurden durch die Wucht der Detonation zerstört. Mehrere Fahrzeuge brannten aus.

"Ich fühlte, wie der Boden unter meinen Füssen schwankte, dann fiel Glas auf uns", berichtete ein Angestellter, der in einer Bank in der Nähe des Tatortes arbeitet. Zwei seiner Kollegen seien verletzt worden. "Die Explosion war immens, sie hat ein grosses Loch im Boden aufgerissen", sagte ein Helfer des Zivilschutzes.

Prominentes Todesopfer

Bei dem Anschlag wurde nach Angaben aus Regierungskreisen auch der Chef des Polizei-Geheimdienstes, Wissam al-Hassan, getötet. Empörte Anhänger al-Hassans strömten im ganzen Land zu Protesten gegen den Anschlag auf die Strassen.

Al-Hassan war ein Vertrauter des libanesischen Oppositionschefs Saad Hariri und ein Kritiker der Hisbollah-Miliz. Er stand der syrischen Führung von Präsident Baschar al-Assad feindlich gegenüber. Ende des Jahres sollte al-Hassan Chef der Polizei werden.

Al-Hassan war ausserdem ein enger Gefolgsmann des ermordeten Ministerpräsidenten Rafik Hariri und leitete auch die Ermittlungen zu dessen Ermordung. Seine Recherchen legten eine Verwicklung Syriens und der Hisbollah nahe.

Da sich die Explosion nur wenige Meter entfernt von einem Büro der oppositionellen Bewegung 14. März ereignete, suchten viele Libanesen die Schuldigen sogleich in Damaskus. Denn die Parteien der Bewegung 14. März sind Gegner der Regierungskoalition, die von der mit Syrien verbündeten Hisbollah dominiert wird.

Schuldzuweisung an Syrien

Der zur oppositionellen Zukunftsbewegung gehörende Abgeordnete Nihad Al-Maschnuk sagte: "Die Explosion von Aschrafijeh ist eine Botschaft des syrischen Regimes, das dabei ist, sich aufzulösen. Es ist eine Botschaft, mit dem Ziel, die Libanesen in Angst und Schrecken zu versetzen."

Die syrische Regierung wies jede Verantwortung von sich. Schon wenige Minuten nach dem Anschlag im Nachbarland veröffentlichten die staatlichen syrischen Medien eine Stellungnahme von Informationsminister Omran al-Soabi. Dieser verurteilte den Anschlag als "feigen Akt des Terrorismus".

Der Libanon war zwischen 2004 und 2008 von einer Serie von Sprengstoffanschlägen erschüttert worden. Schon damals kam der Verdacht auf, das Regime des syrischen Präsidenten Assad könnte an der Planung der Anschläge beteiligt gewesen sein.

Als Folge des Bombenattentats auf den früheren libanesischen Regierungschef Rafik Hariri im Februar 2005 hatte Syrien seine letzten Truppen aus dem Nachbarland abziehen müssen. Präsident Assad warnt seit Beginn des Aufstandes in Syrien vor einem "Flächenbrand", der bald die ganze Region erfassen werde.