Mit Dauerfeuer aus der Kalaschnikow haben Kämpfer der Hisbollah und anderer prosyrischer Organisationen in der libanesischen Bekaa-Ebene die ersten russischen Luftangriffe gefeiert.

Syrische Aktivisten hatten die von Moskau als «Präzisionsangriffe» dargestellten Bombardements gestern Nachmittag gemeldet und schon Minuten später erste Videos aus den Städten Rastan und Talbisah ins Internet gestellt.

Video aus dem Kampfflugzeug: Russische Kampfjets fliegen Angriffe in Syrien.

Video aus dem Kampfflugzeug: Russische Kampfjets fliegen Angriffe in Syrien.

Zu sehen sind brennende Gebäude, aufsteigende Rauchsäulen sowie verzweifelte Menschen, die mit blossen Händen im Geröll und Schutt nach Überlebenden suchen. Über die Zahl der Opfer liegen höchst unterschiedliche Angaben vor.

Russische Angriffe auf Syrien: Amateur-Videos zeigen die zivilen Opfer am Boden.

Russische Angriffe auf Syrien: Amateur-Videos zeigen die zivilen Opfer am Boden.

Bis zu 65 Menschen könnten getötet worden sein. Die oppositionsnahe «Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte» bestätigte für die Stadt Homs den Tod von 30 Kämpfern, unter ihnen 12 Kindersoldaten.

Die angegriffenen Ortschaften befinden sich in den zentralen Provinzen Hama, Homs sowie in der Küstenregion rund um die Stadt Latakia. Diese Regionen werden jedoch nicht vom Islamischen Staat (IS), sondern von der mit der al-Kaida liierten Nusra-Front sowie von gemässigteren islamistischen Gruppen kontrolliert.

Kamen unter russischen Beschuss: Rebellen der als gemässigt eingestuften Freien Syrischen Armee (FSA).

Kamen unter russischen Beschuss: Rebellen der als gemässigt eingestuften Freien Syrischen Armee (FSA).

Angriff gegen Opposition

Der Präsident der oppositionellen syrischen «Nationalen Koalition» warf Moskau vor, Rebellen angegriffen zu haben, die «das freie Syrien gegen die IS-Terrormilizen verteidigen».

Auch ein Kommandant der eher gemässigten «Freien syrischen Armee» (FSA) behauptete, dass seine Leute bei Hama von russischen Kampfflugzeugen angegriffen wurden. Ziele des IS seien am ersten Tag der russischen Bombardements in Syrien nicht getroffen worden, betonten Militärbeobachter im Libanon.

Russische Kampfjets bombardierten erstmals Ziele in Syrien.

Russische Kampfjets bombardierten erstmals Ziele in Syrien.

Sie gehen davon aus, dass Moskaus Luftwaffe «die Vorgaben der syrischen Regierung abarbeite» und letztendlich alle Regimegegner bombardieren werde. Auch aus diplomatischen Kreisen in Paris hiess es, die russischen Luftangriffe hätten sich offenbar nicht gegen die IS-Extremisten gerichtet. Das Ziel seien vielmehr «Oppositionsgruppen» gewesen.

Ohne Rücksicht

Rund eine Stunde vor den Angriffen informierte ein russischer General die US-Botschaft in Bagdad. Nach unbestätigten Berichten sei die US-Luftwaffe eher barsch aufgefordert worden, den syrischen Luftraum temporär zu meiden.

Der US-Aussenminister John Kerry beklagte sich über das Vorgehen bei seinem russischen Amtskollegen Sergei Lawrow am Rande der UN-Generaldebatte. Er nannte die Bombardements laut Diplomatenkreisen «kontraproduktiv». Ähnlich tönte es gestern vonseiten der Nato. Der Support für Assad sei «nicht konstruktiv», so ein hochrangiger Nato-Mitarbeiter.

«Lavrov bestreitet Vorwürfe, dass Russland nicht IS-Stellungen bekämpft»: Bericht des staatlichen TV-Senders «Russia Today».

«Lavrov bestreitet Vorwürfe, dass Russland nicht IS-Stellungen bekämpft»: Bericht des staatlichen TV-Senders «Russia Today».

Putin lässt sich Erlaubnis erteilen

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte sich erst gestern Morgen beim russischen Oberhaus grünes Licht für einen Militäreinsatz in Syrien geholt. Der Föderationsrat billigte das Ersuchen einstimmig. Präsidialamtschef Sergei Iwanow sagte, das Mandat beziehe sich auf die russische Luftwaffe und nicht auf einen Einsatz von Bodentruppen. Iwanow sagte, Syriens Machthaber Baschar al-Assad habe Russland um die Hilfe gebeten.