Nahost

Blutzoll steigt unablässlich – Waffenruhe nicht in Sicht

Rauch steigt über einem Quartier von Gaza Stadt auf

Rauch steigt über einem Quartier von Gaza Stadt auf

Angesichts stetig steigender Opferzahlen wird der Ruf nach einer Waffenruhe im Gaza-Konflikt immer lauter. Dennoch deutet nichts auf eine unmittelbare Lösung hin.

Die "New York Times" zitierte namentlich nicht genannte US-Beamte mit der Aussage, dass die Situation zur Zeit weitaus schwieriger als beim Gaza-Konflikt im Jahr 2012 sei, als die damalige Aussenminister Hillary Clinton ein Ende der Feindseligkeiten auf dem Verhandlungsweg erreicht hatte.

"Bemühungen um eine Waffenruhe werden dieses Mal in mancher Hinsicht schwieriger sein, als 2012", sagte ein Ansprechpartner aus dem US-Aussendepartement der Zeitung. Die Region sei heute stärker zerrissen.

In Kairo trafen am Montagabend UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon und US-Aussenminister John Kerry ein, die sich in den kommenden Tagen um Vermittlung einer Feuerpause bemühen wollen. Ban forderte nach seiner Ankunft eine sofortige Waffenruhe.

Israel und die militanten Palästinenser könnten im Anschluss an eine Feuerpause in einen Dialog über ihre Differenzen treten, sagte er. Mit Blick auf die vielen Opfer seit dem 8. Juli fügte er hinzu: "Gaza ist eine offene Wunde, ein Heftpflaster hilft da nicht."

Waffenstillstand als Ziel

Kerry wollte nach einem Gespräch mit Ban am Dienstag mit Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi und Aussenminister Samih Schukri zusammenkommen. Auf dem Programm steht ausserdem eine Begegnung mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi. Ägypten hatte eine Waffenruhe im Gaza-Konflikt vorgeschlagen, die die radikal-islamische Hamas jedoch abgelehnt hat.

Auch die Arabische Liga rief die Hamas auf, einer Feuerpause zuzustimmen. Er hoffe, dass die Palästinenserorganisation einen entsprechenden Vorschlag Ägyptens akzeptiere, sagte al-Arabi in Kairo.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und der Führer der Hamas-Exilorganisation, Chaled Maschaal, erörterten in der katarischen Hauptstadt Doha Möglichkeiten für einen Waffenstillstand. Palästinensische Führungskräfte sprachen von gewissen Fortschritten, wiesen aber darauf hin, dass eine Einigung zwischen Israel und der radikal-islamischen Hamas weiterhin nicht in Reichweite sei.

Ein palästinensischer Fernsehbericht über eine fünfstündige humanitäre Feuerpause am Dienstag sei von arabischer Seite gegenüber der Zeitung "Times of Israel" dementiert worden. Das israelische Onlineportal "Ynet" hatte unter Berufung auf den der radikalen Gruppierung Islamischer Dschihad nahestehenden Fernsehsender berichtet, die Waffenruhe solle am Dienstag um 10Uhr beginnen.

Über 580 Tote

Auf israelischer Seite übersteigt die Zahl der Toten bereits die Verluste bei der Operation "Gegossenes Blei", die im Januar 2009 endete. Damals waren zehn Soldaten und drei Zivilisten getötet worden, heute sind es bereits 27 Soldaten und zwei Zivilisten. Die Zahl der getöteten Palästinenser wird mit etwa 583 angegeben. 3640 Menschen hätten bei Angriffen Verletzungen erlitten.

Im Gazastreifen leben rund 1,8 Millionen Menschen. Bis zu 200'000 sind nach palästinensischen Angaben in dem abgeriegelten Küstenstreifen auf der Flucht.

Der UNO-Sicherheitsrat forderte eine Feuerpause und den Schutz von Zivilisten. "Wir sind sehr besorgt um die Zivilisten im Kampfgebiet", hiess es in New York.

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