Haiti

Blauhelm-Soldat erschiesst Demonstrant bei Cholera-Protesten

Bei den Protesten in Haiti wurden auch Autoreifen in Brand gesetzt

Bei den Protesten in Haiti wurden auch Autoreifen in Brand gesetzt

Bei Demonstrationen wegen der Cholera-Epidemie ist in Haiti mindestens ein Mann von einem Blauhelmsoldaten erschossen worden. Die UN-Mission befürchten, dass es sich bei den Protesten um eine politische Provokation vor den Präsidentenwahlen vom 28. November handelt.

"Die Art, wie sich die Ereignisse entwickelt haben, führt zu der Annahme, dass diese Vorkommnisse politisch motiviert waren und dazu dienten, im Vorfeld der Wahlen ein Klima der Unsicherheit zu erzeugen", erklärte die UNO-Mission in Haiti. Sie rief die Haitianer dazu auf, sich nicht durch "die Feinde der Stabilität und der Demokratie" missbrauchen zu lassen.

Begonnen hatten die Proteste am Montag (Ortszeit) in Cap-Haitien vor einem Stützpunkt nepalesischer Blauhelmsoldaten. Dabei wurde mindestens ein Demonstrant erschossen. Die UNO will den Vorfall untersuchen.

Widersprüchliche Angaben

Sie geht aber davon aus, dass der Soldat in Selbstverteidigung gehandelt hat, da der Demonstrant eine Waffe auf die Blauhelme gerichtet haben soll. Der 20-Jährige sei in den Rücken geschossen worden, sagte dagegen ein haitianischer Vertreter.

Der von der Polizei gemeldete Tod eines weiteren Demonstranten wurde von der UNO-Mission nicht bestätigt. Mindestens zwölf Menschen wurden nach Angaben lokaler Medien verletzt, nach UNO-Angaben zudem sechs nepalesische UN-Soldaten.

Die Demonstranten warfen nepalesischen Blauhelmtruppen vor, den Erreger der Cholera-Epidemie ins Land gebracht zu haben. Schon Ende Oktober waren Gerüchte aufgekommen, die Cholera sei von im Department Artibonite stationierten Soldaten aus Nepal eingeschleppt worden. Dort hatte es kurz vor der Ankunft der Soldaten im Oktober eine Cholera-Epidemie gegeben.

Gemäss dem US-Zentrum für Seuchenkontrolle und Vorbeugung stimmt der in Haiti vorkommende Erreger mit einem Typ überein, der in Südasien vorkommt. Die UNO hat den Verdacht gegen die nepalesischen Soldaten stets zurückgewiesen. Eine unabhängige Untersuchung gab es bisher nicht.

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