300 Personen und 70 Gesellschaften in der Schweiz haben über Banken, Anwälte und Treuhänder Tausende von Gesellschaften und Trusts in Steueroasen wie den British Virgin Island und Cayman Islands gegründet. Dies geht aus Daten des internationalen Konsortiums für investigativen Journalismus ICIJ hervor. «Ein Teil der Offshore-Gesellschaften wurde zweifellos errichtet, damit die Kunden Vermögenswerte vor dem Fiskus geheim halten können», hiess es gestern in einer Pressemitteilung, die von «SonntagsZeitung» und «Le Matin Dimanche» publiziert wurde.

Die Datenbank enthält Informationen von rund 130 000 Personen in über 140 Ländern. Dass nur rund 0,2 Prozent aus der Schweiz stammen, wertet das Sekretariat für Internationale Finanzfragen (SIF) als positiv. «Das zeigt, dass wir mit der Weissgeldstrategie der vergangenen Jahre auf dem richtigen Weg sind», so ein SIF-Sprecher.

Hinweise auf strafrechtliches Verhalten von Schweizer Personen oder Gesellschaften haben die Informationen bisher nicht ergeben. So hat etwa die Staatsanwaltschaft von Zürich bisher keine Untersuchung aufgenommen, obwohl die Limmat-Stadt mit 61 Fällen in der ICIJ-Datenbank in der Schweiz neben Genf der zweitgrösste Hostspot ist. Und in Bern sind beim Justiz- und Polizeidepartement zu den gestern auf Newsportalen veröffentlichten Namen bisher keine Rechtshilfegesuche eingegangen. Auch bei den Trusts des mittlerweile verstorbenen Opel-Erben Gunter Sachs konnte bisher kein Missbrauch nachgewiesen werden. Spuren der ICIJ-Datenbank führen in den Kanton Bern, wo Sachs zuletzt wohnhaft war. Gemäss den Informationen der «Süddeutschen» bestand das Sachs-Konstrukt aus elf Offshore-Firmen, von deren Existenz der Schweizer Fiskus angeblich nichts wusste. «Das stimmt nicht», so der Gunter-Sachs-Nachlassverwalter von der Zürcher Anwaltskanzlei Lenz & Staehelin, Peter Hafter, gestern in einem Communiqué. Gegenüber den Steuerbehörden seien alle Vermögenswerte korrekt deklariert worden. Die Trusts an sich müssten nicht deklariert werden, weil sie «blosse Hülsen» darstellen.

Bern prüft Sachs-Dossier erneut

Dieser Beteuerung zum Trotz: Der Kanton Bern hat gestern mitgeteilt, das Dossier Gunter Sachs nochmals zu prüfen. Zu den Dokumenten von Offshore-Leaks, über die nur das ICIJ in Washington verfügen kann, haben die Behörden keinen Zugang.

In Bankenkreisen nimmt man die Offshore-Leaks-Dokumente einfach mal zur Kenntnis. «Wir haben keine Hinweise auf Rechtsbrüche und warten mal ab», so der Tenor bei den Grossbanken. Banker weisen darauf hin, dass auch sogenannte Offshore-Trusts (siehe Box oben) längst steuerkonform seien.