Natalija Miletić, eine freie Journalistin aus Belgrad, wird Zeugin einer wüsten Szene in der Münchner S-Bahn. Sie zückt ihr Handy und filmt die Szene. Zu sehen ist ein Nigerianer, der sich vehement gegen zwei Sicherheitsbeamte wehrt, die ihn zum Aussteigen zwingen wollen. 

Einer der beiden Männer zerrt an seiner Hand, der andere packt ihn am Kopf, hält ihn im Würgegriff fest. Als sie ihn auf den Bahnsteig gezerrt haben, setzt sich einer der beiden auf den dunkelhäutigen Mann und drückt seinen Kopf zu Boden. Die Szene wird begleitet vom Geschrei von Fahrgästen, eine Frau ruft, das sei Rassismus.

Was genau passierte, darüber gehen die Darstellungen der Deutschen Bahn und der Journalistin Miletić auseinander, wie die Die Welt schreibt. Das Video kann zur Aufklärung nicht beitragen, weil es erst mitten in der Szene einsetzt.

Unterschiedliche Darstellungen

Miletić beschreibt in einem Beitrag in der Huffington Post die Fahrt aus ihrer Sicht. Die Sicherheitsbeamten seien von Beginn weg rabiater vorgegangen, als gewöhnlich. Der Mann sei «ganz ruhig» geblieben. Die Angestellten hätten dem Schwarzfahrer neun Euro abgenommen, die dieser bei sich trug, und es an die 60 Euro angerechnet, die die Busse beträgt. Die Kritik von Miletić: Bei der Haltestelle Leuchtenbergring hätten die Mitarbeiter den mann übertrieben rabiat aus der Bahn gezerrt. 

Die Bahn äussert sich gegenüber der Welt dagegen dahingehend, dass sich der Mann geweigert habe, seine Personalien anzugeben, er sei aggressiv aufgetreten. Er habe auch nicht aussteigen wollen, deshalb hätten die Sicherheitsleute körperlichen Zwang anwenden müssen.

Dass die Mitarbeiter die neun Euro des Mannes zu sich genommen hätten, wollte ein Bahnsprecher gegenüber der Welt nicht ausschliessen, allerdings sei dies ungewöhnlich. «Es ist unüblich, nur Teilbeträge entgegenzunehmen.» Die Polizei ermittelt nun wegen gefährlicher Körperverletzung. (kob)