Er war einer jener Jungkönige, die als Marionetten der Machthaber gedacht waren. Thailands König Bhumibol Adulyadej kam unfreiwillig auf den Thron. Der war für seinen älteren Bruder Ananda Mahidol gedacht, der am 9. Juni 1946 unter mysteriösen Umständen durch einen Schuss starb. Bhumibol Adulyadej, damals 19 Jahre alt, wurde gleichentags König.

Seit dem Sturz der absoluten Monarchie im Jahr 1932 war das thailändische Königshaus Spielball der Regierenden. Unverhofft zum König ausgerufen und 1950 gekrönt, wandelte sich Bhumibol Adulyadej, König Rama IX, über die Jahrzehnte von der Marionette zum König der Herzen – nur um vor seinem Tod den Herrschenden wieder als Marionette zu dienen.

Geboren am 5. Dezember 1927 im US-Bundesstaat Massachusetts, verbrachte Bhumibol den Grossteil seiner Jugend in der Schweiz, wo er in Lausanne studierte und als Jazzliebhaber das Saxophon erlernte. Seine Liebe zur Musik brachte ihn später mit Jazz-, Blues- und Rocklegenden zusammen, darunter Elvis Presley oder Benny Goodman. In den Fünfziger- und Sechzigerjahren trat er mit Bands und eigenen Kompositionen auf Bühnen auf. Er hatte Spass am Leben und genoss es, während ihn Politiker nicht weiter ernst nahmen und sich der Monarch bald eine Rolle als grosser Förderer und Entwicklungshelfer der armen Provinzen aufbaute. Auch "Regenmacher" genannt, patentierte er eine Methode für künstlichen Regen.

Dokumentation über König Rama IX: Bhumibol Adulyadej ist das Herz der Nation

Dokumentation über König Rama IX: Bhumibol Adulyadej ist das Herz der Nation

Bhumibols Ansehen wuchs stetig, Menschen verehrten ihn von Herzen, und Hofstaat und Regierung begannen einen in diesem Ausmass einzigartigen Personenkult zu entwickeln, der dem König nicht unangenehm schien. Menschen hatten in seiner Gegenwart auf die Knie zu fallen, Gesetze gegen Majestätsbeleidigung wurden immer schärfer. Bhumbol war moralische und auch ethische Instanz über dem Staat. Bei Unruhen mit Blutvergiessen behauptete er sich als Friedensbringer, wie 1992, als er Militärdiktator Suchinda Kraprayoon und Demokratieführer Chamlong Srimuang zu sich befahl und diese, auf den Knien, vor laufenden Kameras, mit leisen Worten zurechtwies. Bald fanden Wahlen statt, die Junta trat ab.

Ärzte behielten ihn ab 2007 im Siriraj-Spital

Als seien die politischen Unruhen, die auf die diversen Staatsstreiche gegen den 2001 gewählten Populisten Thaksin Shinawatra folgten, zuviel für den ergreisenden Monarchen, verliessen diesen zusehends die Kräfte. Bei einer letzten Rede am 24. Mai 2007 vor Richtern war er kaum mehr zu verstehen, und die Ärzte behielten ihn im Bangkok Siriraj-Spital, das er seither kaum mehr verliess. Ein letztes Foto im August 2015 zeigte den König wächsern und schwerlich bei Bewusstsein.

Doch umso wichtiger wurde der König: für die Herrschenden, die in seinem Namen die Repressionsschraube anzogen und zahllose Regimekritiker hinter Gitter brachten.

Es ist kaum anzunehmen, dass König Bhumibol Adulyadej die letzten Jahre noch wusste, was um ihn vorging. Er war wieder zur Marionette einer politischen Elite geworden, die das Thema Monarchie zum scharf bestrafbaren Tabu erklärte. Weder über die Gesundheit des Königs noch die Thronfolge darf im Land diskutiert werden. Unter dem Vorwarnd der Stabilität und dem Fortbestand der Monarchie hat das Land der Freien, was Thailand wörtlich übersetzt heisst, mit dem geliebten König auch seine Seele verloren.

Tausende trauern um den verstorbenen König: